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Die Polaritäten in der Astrologie

 

zum Ende

In der unendlichen, ewigen Welt der Himmel, der Welt Gottes, herrscht vollkommene Einheit. Das bedeutet, dass sich in dieser Sphäre die Seelen in untrennbarer Verbindung mit ihrem Schöpfer und untereinander befinden und fühlen. Jedes dieser Wesen ist in Harmonie mit allem und jedem und so auch mit sich selbst.
Sobald eine Seele sich auf der Erde inkarniert hat als "endlicher", den Gesetzen der Zeit unterworfener Mensch, unterliegt sie fortan dem Gesetz der Polarität. Insofern bedeutet der Begriff "Sünde" nicht ein Fehlverhal
ten und Verstoßen gegen ein bestimmtes Gesetz oder Gebot Gottes, sondern diese Bezeichnung meint eigentlich: Absonderung, Herausfallen aus der Einheit und Eintauchen in die Welt der Zweifel, in die Zwei- bzw. Vielfältigkeit. Um hier auf Erden so etwas wie einen Abglanz der erfahrenen Einheit, Einigkeit und Vollkommenheit zu spüren, verlangt es uns ständig danach, für jede Erscheinung, jedes Phänomen, jedes Erlebnis, jede Energie-Manifestation deren entgegengesetzte Qualität zu suchen. Das gilt in Bezug auf unser persönliches Leben für bestimmte Situationen und Lebensumstände, für Charakterzüge und psychische Regungen in uns selbst ebenso wie für Menschen, denen wir begegnen. Es handelt sich hier eben, wie angedeutet, um den Versuch des Menschen, heil und ganz zu werden, um eine tiefe, auf Urerinnerungen gründende Sehnsucht zu stillen.
Diese Tatsache erklärt das Bedürfnis mancher Zeitgenossen nach Grenzerfahrungen, die durch besondere risikoreiche Unternehmungen ermöglicht werden sollen. Oder jemand, beispielsweise ein sehr besonnener und angepasster, vernünftiger Mensch, verhält sich zu bestimmten Zeiten und Phasen seines Lebens völlig anders, als man ihn sonst kennt, er wird exzentrisch, "flippt aus" im heutigen Jargon gesprochen, man erkennt ihn nicht wieder. Manch einer von uns erfährt die Polarität, das ganz andere aber auch einfach durch die Umwelt, im unspektakulären alltäglichen privaten und beruflichen Umgang mit anderen Menschen, die genau die Eigenschaften repräsentieren, die wir hassen oder die uns unverständlich sind. In diesem Fall stellt unser Unbewusstes den Ausgleich her, denn kaum ein Mensch würde sich wohl bewusst so ohne weiteres leidvollen Erfahrungen durch unliebsame Konfrontationen aussetzen. Alle diese Phänomene treten in ihrer unbewussten Form stärker in jüngerem Lebensalter auf. Mit zunehmender Reifung, Selbsterkenntnis, Bewusstwerdung und wachsendem Bedürfnis sowie der Fähigkeit, das eigene Lebensschiff aktiv selbst zu lenken und damit das persönliche Schicksal zu beeinflussen, können wir auch die uns fehlenden oder nicht so geläufigen Qualitäten selbst in unser Leben integrieren. Im übrigen machen Menschen, die regelmäßig meditieren, nach einiger Zeit die beglückende Erfahrung von Einheit, wobei auch die Zeit für Augenblicke stillzustehen scheint.

Das Geschenk- und Gedichtbüchlein

der Autorin
Wilhelmine Schmitt
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Nun zeigt sich dieses Streben nach Erkennen und Integration des "Gegenteils", des Anderen, Unbekannten nicht nur auf der menschlichen Ebene. Wie für die Natur- und Tierwelt gilt dieses Gesetz für die sphärische Welt der Sterne ebenso wie für die (Be-) Deutung ihres Laufs, ihrer Bahnen. Das heißt, dass sich auch jedes der astrologischen Prinzipien von seinem (planetaren) Gegenteil her erschließt.
Um die hier wirkenden Gesetzmäßigkeiten nachvollziehen zu können, wollen wir uns die einzelnen Gegensatzpaare einmal näher ansehen.

Doch sei zuvor bemerkt, dass in dieser Studie lediglich der Sonnenstand berücksichtigt wird, der für sich allein noch keine verbindlich-vollständige oder gar endgültige Aussage über einen bestimmten Menschentyp zulässt, sondern nur eine von vielen Facetten beleuchtet. Trotzdem werden bestimmte Charakteristika bei den zur jeweiligen Zeit Geborenen feststellbar sein.

Unser Kalenderjahr beginnt mit dem kalten und unwirtlichen Januar, der "normale" Sterbliche d. h. solche, die keine Wintersportfans sind, lieber zu Hause hinter dem warmen Ofen bzw. der Heizung sitzen lässt.
Das Tierkreisjahr jedoch setzt die Frühlingszeit an den Anfang allen Geschehens und damit des Lebens. Das erscheint bei nur kurzem Nachdenken auch als wesentlich sinnvoller, was die Völker früherer Epochen noch wussten. Die Sonne durchmisst in der Zeit vom 21. April bis zum 20. Mai das Widderzeichen. Insofern ist diese Qualität des Aufbruchs und der Erneuerung der Beginn des Lebens schlechthin. Und wenn wir in diesen Wochen hinaus in die Natur gehen, so können wir die erwachende Kraft an allen Ecken und Enden wirken sehen; die beiden Keimblätter eines jungen Pflänzchens spiegeln sogar das Symbol für das Tierkreiszeichen Widder wieder.

Die während dieser ersten Frühlingswochen geborenen Menschen verfügen über ein entsprechend ähnlich großes Kraftpotential. Sie zeichnen sich durch Pioniergeist, Freude an Bewegung und am Tun aus, wie sie auch Herausforderungen und Konfrontationen lieben und oft recht ungestüm, ohne lange zu fackeln oder nachzudenken, lospreschen, um ihre Wünsche und Projekte unmittelbar "in Angriff zu nehmen" und in die Tat umzusetzen. Das geschieht sozusagen "ohne Rücksicht auf Verluste" (für andere). Hier wirkt die so bezeichnete kardinale Feuerenergie ungeheuer beflügelnd und initiativ. Das Wort "Angriff" ist auch ein echtes Widder-Wort, herrscht doch der streitbare Mars mit seiner Lust an Auseinandersetzungen und Kriegen über dieses Zeichen. Er befähigt uns jedoch dazu, uns für uns selbst und unsere eigenen Bedürfnisse stark zu machen und sichert  uns damit das Erleben. Er ist daher Garant für unsere Lebenskraft, das, was mit Libido bezeichnet wird, schlechthin. Der Wahlspruch für den Widder lautet: Ich will.

 

Wenn der Frühling mit der Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche beginnt, so startet der Herbst genau 6 Monate später mit der Herbst-Tag- und Nachtgleiche am 21. September und markiert den Eintritt der Sonne in das Zeichen Waage.

Schon das Gerät der Waage an sich vermittelt uns die Art der Energie, mit der wir es hier zu tun haben, steht doch die Waage für Gerechtigkeit, Ausgleich (der beiden Waagschalen), für Abwägen und Taktieren, damit das berühmte "Zünglein an der Waage" nicht extrem ausschlägt und alles aus dem Gleichgewicht bringt. Aber auch die Eigenschaft und Aufgabe, etwas zu wagen ist darin versteckt, und hier ergibt sich bereits ein Hinweis auf die entgegengesetzte, die charakterisierte Widder-Qualität!
Die Energie, mit der wir es bei der Waage zu tun haben, ist tatsächlich derjenigen des Widders diametral (entgegengesetzt). Venus ist Herrscherin dieses Zeichens mit ihrem Bedürfnis nach Lebensart und Feinheit, ihrem Taktgefühl, ihrer natürlichen Liebenswürdigkeit und Rücksichtnahme. Ihr liegen die Mitmenschen mit ihren Bedürfnissen im Grunde mehr am Herzen als die eigene Wunscherfüllung. Das lässt Waage-Menschen oft lange Zeit hindurch zaudern, weil sie immer wieder befürchten, einen Fakt, einen Punkt zu übersehen und außer Acht zu lassen und so jemanden zu verärgern. Und während der "typische" Widder ein Alleingänger und "Kämpfer" ist, braucht die Waage die Mitmenschen, insbesondere die des allernächsten Umkreises in Partnerschaft, Familie und Beruf so nötig wie die Luft zum Atmen. Um sich der Sympathien der geliebten Menschen zu versichern, ist sie auch bereit zu mancherlei Konzessionen (an Eigenleben und persönlicher Wunscherfüllung). Ein Waage-Motto könnte lauten: Wir wollen.

Was bedeutet dies nun für unsere Untersuchung und These? Ein Widder betonter Mensch wird durch die Entwicklung von Waage-Eigenschaften wie Rücksichtnahme, Abwarten, nicht-sofort-Entscheiden, Kultivieren von Geschmack und Stil gewissermaßen "veredelt". Seine ungestüme, oft andere überfahrende Vitalkraft erfährt Bändigung und Mäßigung, die Kräfte werden kanalisiert. Er lernt, auf die Bedürfnisse seiner Umwelt zu hören und zu reagieren statt sofort von sich aus die Initiative zu ergreifen. Heftige emotionale Regungen wie Wut, Zorn, Aggressivität können durch ein Quentchen Waage-Qualität zur Ruhe gebracht werden.

Umgekehrt kann die Waage auch vom Widder einiges lernen. Beispielsweise das um Sympathien oder Antipathien unbesorgte aktive und spontane Handeln, das Wahrnehmen eigener Belange, das Verfolgen persönlicher Ziele. Auch die widderhafte Ehrlichkeit und Geradheit könnte ein erstrebenswertes Ziel für die oft zaudernde und zögerliche Waage darstellen.

Latent hat jeder Mensch diese vermeintlich nicht vorhandenen Qualitäten bis zu einem gewissen Grad in sich selbst. Nur liegt die Betonung auf dem Wörtchen "latent" (= verborgen). Das bedingt, dass die betreffenden Eigenschaften oft ein Schattendasein führen und, da sie dem betreffenden Menschen nicht bewusst sind, tatsächlich oft genug seinen Schatten darstellen. Wenn sich dieser zu bestimmten Momenten zeigt, so sind wir zutiefst verwundert, getroffen oder vielleicht auch angenehm berührt, wenn unsere Waage-Partnerin auf einmal völlig egoistisch über unsere Wünsche hinwegsieht, sich selbst verwirklicht oder es an gutem Geschmack hinsichtlich ihrer Wortwahl fehlen lässt. Im Gegenteil kann der Widdergeborene Chef plötzlich feige nicht zu seinem Wort stehen, wichtige Entscheidungen zu lange verschleppen oder parteiisch sich verhalten, indem er Günstlinge protegiert und dergleichen. Da wo die gegenteiligen Eigenschaften zum Schatten werden, machen sie sich meist unangenehm bemerkbar. Doch kann durchaus auch ein Widder plötzlich einsichtige und friedfertige Momente haben, kann eine Waage entschieden im Sinne eigener Belange auftreten und sich konfrontieren. Im übrigen sei nicht unerwähnt, dass die Waage zwar kein Feuer- sondern ein Luftzeichen ist (dieses Element hat keine Grenzen und alle Wesen haben daran teil), dass es sich bei ihr jedoch wie beim Widder auch um die kardinale Qualität handelt, die den Menschen gern aktiv und initiatisch handeln lässt; u. U. durchaus auch für andere mit (was gelegentliche Übergriffe seitens Waagebetonter besser verstehen lässt!).

Insgesamt dreht sich bei der Achse Widder-Waage – auch Beziehungsachse genannt – alles um Beziehungen und um Beziehungsfähigkeit, was die Beziehung des einzelnen zu sich selbst einschließt.

Das nächste Paar, das wir betrachten wollen, steht sich im Tierkreis mit den Zeichen Stier und Skorpion gegenüber.

Da ist zunächst der Stier. Das ist ein festes Erdzeichen und zeichnet sich daher durch Beständigkeit und Belastbarkeit aus. Ein Motto für ihn heißt: Ich habe; und somit sind hier die Werte des Lebens angesprochen, die jedoch letztlich eine äußere Entsprechung für den Wert darstellen, den der Mensch sich selbst zugesteht. Die Stier-Energie ist an sich genügsam und friedlich, herrscht doch auch über dieses Zeichen die Venus, wenngleich in erdhafter, unmittelbarer und elementarerer Weise als es bei der Waage der Fall ist, wo die venusischen Charakteristika verfeinert, kultiviert und manchmal auch manieriert zutage treten. So zeichnen Arbeitsamkeit, Ruhe, Wärme, Frieden die Betreffenden aus; doch können sie, lange genug gereizt, durchaus auch Wut und Angriffslust an den Tag legen "man denke an die Stiere der spanischen Corrida! Und, nicht zu vergessen: Stier, stur, starr." Diese Worte haben die gleiche Wurzel! Da wird dann die Beharrlichkeit zu Festhalte-Tendenzen und Fixierungen. Das impliziert bereits die "Schwachstelle", die darin besteht, schwer loszulassen von Besitz, Gütern und Lebensbedingungen, um sich neu und anders zu orientieren. Der Bezug zum Körper, zu den Sinnen, mit denen wir die Welt erfahren, ist ausgeprägt bei Stiergeborenen.

Der Antagonist des Stiers ist der Skorpion. Wo es ersterem um Gleichmaß, um konkret-irdische Belange und um sinnliche Erfahrungen geht, da hat letzterer ganz anderes im Auge. Kein anderes Tierkreiszeichen erlebt und braucht die Erfahrung solch extremer Höhen und Tiefen im Leben wie der Skorpion. Das gilt für Lebensumstände ebenso wie für innerseelische Regungen und Gefühle. Anders ausgedrückt sind die oft dramatischen Begebenheiten im Laufe des Lebens der Geborenen lediglich äußerer Ausdruck für Tragödien, welche sich im Inneren der Betreffenden immer wieder abspielen. Doch, wie gesagt, sucht der Skorpion diese Extreme, weil er untrüglich ahnt, dass man nur durch das Durchschreiten und gänzliche Ausloten der Dunkelheit zum Licht (der Erkenntnis und Weisheit) und zu innerem Frieden gelangt. Der Skorpion scheut nicht davor zurück, sich selbst und sein Leben zu opfern, um seine extremen Erfahrungen zu machen oder seine Überzeugungen zu bekräftigen; es ist die sprichwörtliche Kamikaze-Mentalität, mit der wir es hier zu tun haben!

Obwohl auch dieses Tierkreiszeichen ein festes oder fixes ist, wird oft lange Jahre hindurch wenig spürbar von Kontinuität und ruhigem Gleichmaß. Erst, wenn ein so Geborener die Stier-Qualität in sich selbst entdeckt und entwickelt hat, kann er zu einem wahren Weisen werden, einem Ratgeber und Helfer für andere, gerade, weil ihm "nichts Menschliches mehr fremd ist". In der traditionellen Astrologie herrscht Mars über dieses Zeichen, was zum Kämpfernaturell der Betreffenden passt; nach heutigem astrologischen Verständnis untersteht der Skorpion dem Regenten Pluto, dem großen Transformator und Erneuerer. Getreu dem marsischen Prinzip ist wie den Widder-Menschen auch den Skorpiongeborenen das Überleben ein vordringliches Anliegen, doch geht es ihnen um das Bestehen und Erhalten der Art, der Rasse, der Menschheit insgesamt. Insofern wird das hier geltende Motto verständlich, das da lautet: Wir haben. Die Zugehörigkeit zum Wasser-Element versinnbildlicht die starke gefühlshafte, emotionale Komponente im Wesen der so geborenen.

Wir haben schon angedeutet, was der Ergänzung, dem Vollständigwerden, der Abrundung der skorpionischen Persönlichkeit dienen würde. Das ist das Erlangen der inneren Ruhe, das Hinfinden zur Quelle der Kraft in sich selbst, den eigenen Ressourcen, das Aufgeben von Selbstzweifeln. Auch eine erdende, verbindliche Kraft, Einsatz, Mut und Konzentration fordernde konkrete Aufgabe, Verantwortung für ein Gemeinwohl kann dazu dienlich sein.

Umgekehrt könnte für den Stier die Art des Umgangs mit dem "Status quo" des Skorpions hilfreich sein, die Unbedingtheit, mit der letzterer oft Eigentum, mitmenschliche Beziehungen oder Lebensverhältnisse aufgibt und die Vergangenheit hinter sich lässt. Doch gilt dies nur für die "erlöste" skorpionische Variante; getreu dem Prinzip des Schattens kleben viele Skorpione heftiger an dem, was zu ihnen gehört als so mancher Stier! Und entsprechend wehren sie sich auch gegen Veränderungen und Leiderfahrungen.

Die hier bei der Achse Stier, Skorpion (als Wert- oder Substanzachse bezeichnet) relevante Thematik betrifft die Werte im Leben, die für den einzelnen Menschen aber unterschiedlich sind. Daher spielt auch die persönliche Werte-Skala, spielen Wertbegriffe und Maßstäbe eine Rolle, die viel aussagen über den Eigenwert des betreffenden Individuums.

Der Tierkreis-Reigen wird fortgeführt durch das Zwillinge-Zeichen, dem der Schütze gegenübersteht. Als bewegliches Luft-Zeichen unterliegen die Zwillinge Kräften starker Fluktuation und Flüchtigkeit. Sie interessieren sich für alles und jedes, der Austausch und die Interaktion mit anderen Menschen ist ihnen Bedürfnis, und sie sehen dem Leben und der Welt mit großer Neugier und Lernbereitschaft entgegen. Da sie nichts verpassen möchten, neigen sie dazu, zu vieles wahrzunehmen, so „auf allen Hochzeiten zu tanzen” (und dies womöglich gleichzeitig!) und sich zu verzetteln. Das besagt, dass der Erwerb von Kenntnissen und Wissen bei den Zwillingen mehr in die Breite denn in die Tiefe geht. Etwas Kindliches haftet den Vertretern dieses Sonnenzeichens an, dessen Regent der clevere, geistig wie körperlich bewegliche Merkur ist. Er vermittelt weniger den Eindruck einer klar konturierten Eigenpersönlichkeit, sondern nimmt immer wieder die Färbung seiner jeweiligen Umgebung an. Seine Spielwiese sozusagen ist das Feld des Alltags mit seinem Leben und Treiben. Sein Wahlspruch lautet: Ich denke oder auch: Ich verbinde.

 

Ganz anders ist die Mentalität des Schützen. Zwar handelt es sich bei ihm ebenfalls um ein bewegliches Zeichen, doch zeichnet den Schützen Feuer-Qualität aus, was seinen Überzeugungen, Vorhaben, Unternehmungen und Begegnungen mit anderen heiligen Ernst und Sendungsbewusstsein verleiht. Schütze-Geborenen geht es um die Essenz der Dinge und Theorien. Das besagt, dass ihnen Prinzipien wichtig sind, dass auch eigene Auffassungen und Meinungen schnell philosophisch-weltanschaulichen Charakter annehmen. Das zeigt sich auch im Motto des Schützen, das da heißt: Ich glaube.

Unabdingbares Bedürfnis ist dem Schütze-Betonten das Suchen und Finden des Sinns im Leben allgemein und seinem eigenen Schicksal im besonderen. Insofern scheint er sich auf einer Art ewiger Pilgerfahrt zu befinden. Die Begeisterungsfähigkeit befähigt ihn dabei zu ganz persönlicher Bezugnahme zu den Überzeugungen und Menschen, mit denen er in Berührung kommt. Jupiter (der römische Göttervater und gewissermaßen eine „Sonne im Kleinen“) mit seinem Enthusiasmus, seiner Fülle und seinem Wohlwollen herrscht über den Schützen. Zu erwähnen ist auch der ausgeprägte Freiheitsanspruch.

Die Gegenüberstellung dieser beiden Prinzipien vermittelt bereits etwas von der jeweiligen gegenpoligen Energie, die beiden den Ausgleich bringen könnte. Der Zwilling neigt dazu, sich im Geflecht und Gewirr des alltäglichen Lebens und Treibens zu verstricken und zu verirren. Er kann in banalen und trivialen Begebenheiten und Ereignissen auf- und untergehen und darüber eine verantwortungsvolle Auswahl aus der Vielzahl der Möglichkeiten ebenso vermeiden wie eine zielbewusste Ausrichtung und Wegführung. Hier tut ihm die ernsthafte Suche und das energische, zielgerichtete Fortschreiten des Schützen ausgesprochen gut, wie auch die Entschiedenheit und das Stellung-Beziehen seines Gegenpols vorteilhaft ist. Die Schütze-Energie wiederum mag oftmals der Gefahr unterliegen, in ihren hohen und höheren Zielen wie auch in Luftschlössern und (zu) großen Projekten den Bodenkontakt und ganz konkreten Realitätsbezug zu verlieren. Außerdem kann so manch ein Schütze sich schwungvoll auch seine persönlichen Vorstellungen von Moral kreieren, die ihm bei weitem mehr Freiheiten einräumen als seinen Mitmenschen. Hier wird nun die weltgewandte, praktische Seite Merkurs, die sich mit den Gegebenheiten auseinander setzt und arrangiert, wie sie nun einmal sind, ausgleichend wirken und Überflieger auf den Boden der Tatsachen herunterholen können. Auch der alles und alle gleich machende Einfluss des Luft-Elements hat eine kühlende Wirkung auf das hoch lodernde Schütze-Feuer des Eigenruhms. Die Achse Zwillinge - Schütze wird als Begegnungs- und Wissens- oder Erkenntnisachse bezeichnet.

Das nächste Energien-Paar stellen die Zeichen Krebs und Steinbock dar. Beim Krebs handelt es sich um ein kardinales Wasserzeichen. Analog zum Tier gleichen Namens (der eine Art Seitwärtsgang an den Tag legt) verfügt auch der astrologische Krebs nicht über eine besonders zweckmäßige Art der Fortbewegung; man sagt, er gehe rückwärts. Das entspricht insofern den Tatsachen, als der menschliche Krebs gerne nach hinten, in die Vergangenheit schaut, sich mit dem befasst, was war, z. B. auch mit den Bedingungen der eigenen Kindheit, die uns alle ja für unser Leben prägen. Insofern liegen ihm Themen nahe, die mit Entstehung und Entwicklung zu tun haben. Auch Krebs-Geborenen haftet etwas Kindliches an, jedoch im Gegensatz zu den Zwillingen eher durch eine gefühlsbezogene Mentalität als durch geistige Unreife. Auch im Krebs-Motto „ich fühle“ schlägt sich der Bezug zur Seele nieder. Der Herrscher dieses Zeichens ist ja der wandelbare Mond, der sein Licht von der Sonne erhält, daher von ihr als dem Symbol für das bewusste, in sich ruhende Selbst abhängig ist und wenig Eigenkontur vermittelt. Mit der Krebs-Energie geht es um Mütterlichkeit, um Geborgenheit und Schutz, um familiäre Bande, um innerseelische wie konkrete Wurzeln (in Familie, Sippe, Volk, Gesellschaft), um Heimat und gefühlsmäßige Zugehörigkeit. Geben und Nehmen spielen eine wichtige Rolle.

 

Der Steinbock hingegen ist ein sehr „erwachsenes“ Tierkreiszeichen, untersteht er doch der Regentschaft Saturns, dieses alten Weisen. Für Steinbock-Geborene sind die Lebens- und Berufsziele ein vorrangiges Anliegen. Um diese zu erreichen, ist es nötig, die einzelnen Schritte und Vorgehensweisen exakt zu planen und Vernunft, praktisches Geschick, Methodik, Ökonomie und Ernsthaftigkeit zu beweisen. Mit dem geringstnötigen Aufwand die größtmögliche Effizienz zu erzielen, das wäre ganz im Sinne steinböckischen Geschmacks. Immer ist das Maß, das Maßvolle, das Maßhalten wichtig und die Orientierung am Tradierten, gesellschaftlich Anerkannten und Üblichen. Der Steinbock scheut keine Mühen und Anstrengungen, mit Geduld erreicht er seine Ziele.

Dabei können dann die Gefühle und deren Ausdruck manchmal zu kurz kommen, was auf andere Menschen frustrierend wirkt, so dass sie Steinbock-Geborene u. U. als kalt und fühllos empfinden. Beständigkeit und Treue, Ordnungsliebe, Systematik, Belastbarkeit ­ alles das sind also Tugenden, die wir mit dieser Energie verbinden. Das Steinbock-Motto lautet: Ich erstrebe.

 

Die gegenseitige Befruchtung ergibt sich, wie hinsichtlich der anderen Tierkreiszeichen auch, aus den gegensätzlichen Eigenschaften und Vorzügen. So geht es für den Krebs-Geborenen darum, die Dinge weniger persönlich zu sehen und zu nehmen und eine objektivere Betrachtungsweise zu entwickeln. Die diffusen Gefühlskräfte brauchen die Struktur und Klarheit von Vernunft und Überlegung als Ge­gengewicht, wenn sie den Menschen nicht außer Gefecht setzen sollen. Ferner ist es lohnend und entwicklungsfördernd, ein Ziel vor Augen und damit Perspektiven zu haben, denn an der Vergangenheit kann nichts mehr geändert werden. Der Gesichtskreis wird durch diese Ausrichtung auf die Zukunft geweitet.

Der Steinbock kann durch Kultivierung innerer Qualitäten seine Strenge lockern und lösen, so dass sie nicht in Verkrampfung und Stagnation mündet. Es macht jemanden menschlicher und damit liebenswerter, wenn er bereit und fähig ist, Gefühle zu zeigen. Ähnlich ist es mit dem ständigen und permanenten an-den-Tag-Legen von Vernunft, Beherrschung und Arbeitsamkeit. Auch hier ginge es darum, zeitweilig Prinzipien aufgeben und relaxen zu können.

Die ganze Achse Krebs-Steinbock bezeichnen wir als die Entwicklungs- oder Skript-Achse. Als Gleichnis für diese Polarität können wir uns einen Baum vorstellen, der nur dann eine breite Krone ausbildet, wenn er starke, fest verankerte Wurzeln hat.

Die vorletzte Polarität, die wir zu betrachten haben, ist die zwischen Löwe und Wassermann. Mit dem Löwen haben wir das fixe Feuer vor Augen. Der Löwe, im Tierreich selbst König, hat unter den Gestirnen auch eine Königin, die Sonne. Und so, wie diese symbolhaft als Punkt in einem Kreis dargestellt wird, so geht es bei diesem königlichen Zeichen um das Ruhen in der eigenen Mitte, um Selbstzentrierung also, und um konzentriertes Handeln von diesem unverrückbaren Punkt aus. Man könnte auch das Wort „Selbstbewusstheit” als Charakteristikum für die Energie wählen, um die es sich hier handelt. Ein großes Potential an Schöpferkraft und Kreativität ist damit verbunden, Freude am Spiel und am Sein an sich, Lebensfreude. Ruhe und Würde gehen im besten Fall von den Betreffenden aus, wenn es den Vertretern dieses Sonnenzeichens gelingt, sich nicht vom Beifall, den Ovationen der Umwelt abhängig zu machen. Weniger entwickelte Individuen werden zum sprichwörtlichen „Salon-Löwen“ und legen das entsprechende „Imponiergehabe” an den Tag, das die so Geborenen sich immer wieder in Szene setzen und eine Rolle spielen lässt, als stünden sie auf einer Theater-Bühne. Entsprechend erwarten sie auch ständigen Applaus ihres Publikums. Ein Wahlspruch für den Löwen lautet: Ich bin.

 

Anders der Wassermann. Dessen feste Luft-Energie lässt ihn allen anderen Menschen gleichmäßig offen, tolerant und freundlich gegenübertreten, jedoch in einer leicht distanzierten Art und Weise. Es liegt ihm nicht, sich gefühlsmäßig zu stark zu involvieren oder auszudrücken. Wassermann-Geborene haben hohe Ideale, die denen der Französischen Revolution angeglichen sind. Das schlägt sich auch in ihrem Wahlspruch nieder: Ich toleriere.

 

Nichts schätzen Wassermann-Geborene höher ein als ihre persönliche Unabhängigkeit und Freiheit. Enorm wichtig ist ihnen auch ihr oft illustrer Freundeskreis, die adäquate Gruppe Gleichgesinnter. Das alles zusammengenommen mag manchmal ein verbindliches Engagement und echtes sich-Einlassen verhindern oder erschweren. Auch die fixe Dynamik kann einen wassermännischen Schatten deutlich werden lassen, der sich vor allem in Gestalt fixer Ideen äußert, die mit Vehemenz und nachhaltig vertreten und verteidigt werden. Auch zu Utopien neigen die Vertreter dieses Tierkreiszeichens mit ihrem schier unerschöpflichen Einfalls- und Ideenreichtum und ihrer persönlichen Originalität, mit denen Realitätssinn und praktische Begabung meist nicht in gleichem Maße Schritt halten.

Dem Löwen täte ab und zu ein wenig mehr wassermännische Objektivität gut, sowie der Humor, der sich auch einmal „selbst auf den Arm nehmen kann“, anstatt Nabelschau zu betreiben. Darin zeigt sich wirkliche Größe. Umgekehrt bedeutete es für den Wassermann einen Gewinn, verbindlich zu werden, sich einzulassen auf den Mitmenschen, mit dem er es zu tun hat oder auch auf eine ernst genommene Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Große Ideen erproben sich an der Praxis.

Wir nennen die Achse Löwe-Wassermann die Individuations- und Kreativitätsachse.

Nun bleibt uns noch ein Gegensatzpaar zur Betrachtung. Es handelt sich um die beiden Tierkreiszeichen Jungfrau und Fische.

Mit der Jungfrau, Merkurs zweitem Domizil, wird letzterer behutsamer, vorsichtiger, überlegter als es in den unbekümmerten Zwillingen der Fall war. Der Jungfrau geht es um Ordnung, Gliederung, Überschaubarkeit, Funktionalität und Systematik, haben wir es bei ihr doch mit einem beweglichen Erdzeichen zu tun. Sie ist anpassungsfähig, flexibel, umsichtig, praktisch und arbeitsam. Gesundheitliche Belange sind ihr ein ebenso großes Anliegen wie die Bewältigung des Alltags mit seinen größeren und kleinen Schwierigkeiten. Die Gefahr bzw. Falle liegt hier wirklich oft im viel zitierten Detail, was die Betreffenden oft vor lauter Einsatz, Engagement und Bestreben, es recht zu machen, den Überblick verlieren lässt, so dass sie vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Jungfrau-Geborene sind oft intensiv durch die Bewältigung der Gegenwart und die Sorge für das körperliche Wohl in Anspruch genommen. Darüber können sie vergessen, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Das Jungfrau-Motto heißt: Ich diene.

 

Die Fische als bewegliches Wasserzeichen und Gegenpart der Jungfrau haben entgegengesetzte Interessen; ihnen liegt vor allem die jenseitige, die immaterielle Welt am Herzen. Es ist, als trügen sie eine Erinnerung oder Ahnung an diesen seligen Zustand der Sorglosigkeit, der Verbundenheit mit allen anderen Lebewesen und des Eingebettetseins in einen weichen, bergenden kosmischen Mutterschoß noch in sich mit der Sehnsucht, dorthin zurückzukehren. Das mag sie anderen Menschen manchmal als weltfremd, unpraktisch und passiv erscheinen lassen. Dazu passt der Wahlspruch der Fische: Ich vertraue.

 

Tatsächlich mögen sich viele Vertreter dieses Sonnenzeichens hier auf der Erde wie auf einem fremden Stern vorkommen. Die verfeinerten Sinne (womit vor allem innere „Antennen“ gemeint sind) erlauben es den Fische-Geborenen, die Dinge „zwischen den Zeilen“ zu erfühlen. Die damit verbundene große Offenheit macht die Betreffenden sehr beeindruck- und oft auch beeinflussbar und verletzlich; geradezu osmotisch nehmen sie wie ein Schwamm die Energien der Umwelt auf. Daher ist es für Fische-Betonte wichtig und unerlässlich, sich immer wieder von Fremdeinflüssen zu reinigen und sich mit der göttlichen Energie zu verbinden durch Meditation, Rituale und Kultus. Sie brauchen also regelmäßige Zeiten des Rückzugs und der Besinnung. Wird dieses tiefe Bedürfnis missachtet, so kann so mancher Fische-Mensch die Rückverbindung zum Schöpfer, zum Ursprung auch auf sozusagen „illegalem“ Wege suchen, beispielsweise über Alkohol, Drogen, Zigaretten und ähnliches.

Um den Ausgleich zwischen diesen beiden Polaritäten herzustellen wäre für den Jungfrau-Menschen das Aufgeben übertriebener und übersteigerter Sorgsucht erforderlich. Das bedeutet die Notwendigkeit, Vertrauen zu entwickeln, dass uns Menschen, wenn wir das Unsere getan und geleistet haben, alles zum Leben Nötige zukommen wird durch einen liebenden Schöpfer und ein gütiges Schicksal. Insofern müssen wir nicht perfekt und unfehlbar sein, sondern nur, so gut es uns möglich ist, unverwechselbar wir selbst sein.

Die Fische hingegen können von der Jungfrau die Liebe zum Detail abschauen, ihre Fähigkeit, sich dem Kleinen und Unscheinbaren zuzuwenden, es wichtig genug zu nehmen, um die damit verbundene Aufgabe zu erfüllen. Solche Selbstbewahrung würde beispielsweise auch verhindern, dass der Mensch vom Leid anderer überwältigt und außer Gefecht gesetzt, handlungsunfähig wird. Diese Achse Jungfrau-Fische wird als die Existenz- und Transzendenzachse bezeichnet und bezieht sich auf den „doppelten Ursprung des Menschen“, wie Graf Dürckheim dieses Ausgespanntsein zwischen beiden Welten nennt.

Wir alle tragen die Energien des gesamten Tierkreises in uns; lediglich die Konzentration der einen oder anderen Qualität und die Kombinationen sind bei jedem Individuum unterschiedlich. Für jeden einzigen Menschen geht es im Laufe seines Lebens und seiner persönlichen Entwicklung darum, das Potential, mit dem er angetreten ist, optimal zu entfalten, Defizite auszugleichen und aufzufüllen und so eine ganze, eine „runde“ Persönlichkeit zu werden.

Wir alle sind auch mit einem untrüglichen Instrument, einer Art „Detektor“ ausgestattet, der uns bei der Selbsterkenntnis und dem Aufdecken verborgener Motivationen und Eigenschaften hilfreich unterstützt: Wenn wir einmal darauf achten, was uns an den lieben Mitmenschen am meisten stört, ärgert und wütend macht, so können wir ziemlich sicher sein, davon selbst ein gut Teil unser eigen zu nennen. Da wir diesen persönlichen Part nicht a priori von selbst erkennen, sondern die anderen als Spiegel dazu brauchen, können wir ziemlich sicher sein, dass es sich hierbei um ungeliebte und uneingestandene Schattenanteile unserer Persönlichkeit handelt, die es für eine Entwicklung hin zu mehr Ganzheitlichkeit und Vollständigkeit zu integrieren gilt.

Kontakt:

Uta Kuhnke
Riemenschneiderstr. 5
97072 Würzburg
Tel.: 09 31/579 29
E-Mail: uta@astro-kuhnke.info
www.astro-kuhnke.info



Weitere Informationen über z. B. Astrologie und Karma erhalten Sie auf der Internetseite

www.Stimme-deines-Herzens.de oder

www.Astro-Kuechler.de

Astrologische Literatur über die Tierkreis­zeichen finden Sie in unserem Büchermarkt im Internet unter

www.lichtstrahl-magazin.de oder

 

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Copyright 2000 – 2007 Dieter Schmitt

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Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin.