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Das Enneagramm Von Kerstin Wilke
ist heute für viele keine unbekannte Methode mehr, sich auf den Weg der Selbstfindung zu begeben.
Einleitung
Das Enneagramm beschreibt 9 Charaktermuster, die angrenzenden Einflüsse sowie die 3 Untertypen. Der Stress- und der Trostpunkt wirken als angrenzende Einflüsse in Situationen, in denen wir besonders unter eigenem Stress stehen, oder wenn es uns besonders gut geht.
Hinzu kommen die Flügel, von denen jeweils einer in ein angrenzendes Charaktermuster greift. Aus all diesen Punkten bildet sich der jeweilige Charakter, das Ego, die Maske, die wir uns aufsetzen, um unsere Seele, unser wahres Selbst zu schützen. Ziel dieser Typologielehre ist es, mich selbst und andere Menschen zu erkennen, Verhaltensweisen zu verstehen und zu akzeptieren. Es erklärt sich plötzlich vieles. Warum reagiere ich auf bestimmte Verhaltensweisen mit Zorn? Was lähmt mich? Woher kommt meine Traurigkeit? Wie gehe ich mit meiner Angst um? Wie bekomme ich Liebe? Wie vermeide ich Zorn? Warum drücken mir manche Menschen immer wieder die Knöpfe? Das sind nur einige Fragen, die sich durch die Arbeit mit dem Enneagramm erklären und auflösen lassen.
Geschichte des Enneagramms Enneagramm, der Begriff kommt aus dem Griechischen ennea (neun), gramma (Buchstabe, Zahl). Das Ganze wird als 9er Figur, als 9-zackiger Stern beschrieben. Es handelt sich hier um eine jahrtausendalte Typologielehre, deren Ursprung nicht genau bekannt ist. Sie gilt als sehr alte Geheimlehre der Sufis (islamische Mystiker). Zu der Zeit wurde das Enneagramm nur mündlich überliefert. In Jesuitenorden wurde das Enneagramm schon sehr früh als Instrument der Seelsorge und der geistlichen Begleitung übernommen, auch hier wurde es nur mündlich verbreitet. Georg Ivanovitsch Gurdjeff (1877–1940) brachte das Enneagramm in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Westen. Der chilenische Psychiater Claudio Naranjo entwickelte mit seinen Schülern, zu denen auch Helen Palmer gehört, das Enneagramm Anfang der 70er Jahre am Esalen-Institut in Kalifornien weiter. Claudio Naranjo war Schüler des bolivianischen Psychologen Oscar Ichazo (geb. 1931), der in Chile und in den USA lehrte. Erst im Jahre 1984 erschien das erste christliche Enneagramm-Buch in den USA. 1989 erschien das erste Buch in Deutschland. Zum Thema Enneagramm sind bis heute zahlreiche Bücher erschienen, z.B. von Helen Palmer, Eli Jaxon-Bear oder aber auch Richard Rohr, um nur einige bekannte Enneagramm-Lehrer zu nennen.
Die Arbeit mit dem Enneagramm
Das Enneagramm ist eine Beschreibung des Ich-Gedankens, der den Knoten des Egos bildet. Ich bin ... Die Charakterfixierung taucht zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Kindheit auf, dann, wenn sich die Persönlichkeit, die Struktur des Egos ausbildet. Dies geschieht im Alter zwischen 3 und 5 Jahren. Von da an entwickeln wir Strategien, um unseren Mangel und unsere Angst zu beseitigen, nicht zu spüren, zu verdrängen etc. Im Alter von 20 bis 30 Jahren ist die Fixierung auf ihrem Höhepunkt und sehr ausgeprägt. Wir suchen in unseren äußeren Erscheinungen nach Frieden, Glück und Liebe, weil unsere wahre Identität eingeschlafen ist. Es gibt Möglichkeiten, diesen Kreislauf zu durchbrechen, indem wir diesem endlosen Bemühen den Rücken kehren, indem wir aufhören, unserer Erfüllung im Außen nachzujagen.
Die Fixierungen/Charaktermuster: Typ 1: Der Perfektionist Typ 2: Der Helfer/der Geber Typ 3: Der Macher/der Dynamiker Typ 4: Der Individualist/der tragische Romantiker Typ 5: Der Beobachter/der Forscher Typ 6: Der Loyale/der Advokat des Teufels Typ 7: Der Enthusiast Typ 8: Der Herausforderer/der Boss Typ 9: Der Friedliebende/der Vermittler Die zentralen Punkte bewegen sich auf dem inneren Dreieck.
Die 9 = der zentrale Zornpunkt Die 6 = der zentrale Angstpunkt Die 3 = der zentrale Imagepunkt
Zu den Zornpunkten gehören ebenfalls Typ 8 und Typ 1 im oberen Drittel. Typ 9, der seinen Zorn nicht spüren kann und ihn zu vermeiden weiß. Typ 8, der seinen Zorn schlechthin lebt und nach außen trägt. Typ 1, der seinen Zorn im Inneren trägt, Zorn auf eine nicht perfekte Welt.
Zu den Angstpunkten gehören ebenfalls Typ 7 und Typ 5 im linken Drittel. Typ 6, die Basis der Angst liegt im Kopf. Typ 7, um die Angst nicht spüren zu müssen, ist er ständig am Planen. Typ 5 findet seine Sicherheit durch den Verstand.
Zu den Imagepunkten gehören ebenfalls Typ 2 und Typ 4 im rechten Drittel. Typ 3, der zentrale Typ des Herzzentrums hat große Schwierigkeiten, eigene Gefühle wahrzunehmen. Typ 2 braucht es, gebraucht zu werden, Selbstwertgefühl aus seiner Großzügigkeit. Typ 4, Zufriedenheit und Liebe sind unerreichbar.
Einflüsse: Die Flügel – jede Charakterfixierung hat einen angrenzenden Flügel in eine nebenstehende Fixierung. Dieser eine Flügel nimmt ebenfalls Einfluss auf die Charakterfixierung. Die Untertypen Sozialer Untertyp (hat gern mit Gruppen und in Gruppen zu tun) Selbsterhaltender Untertyp (ist sehr auf sich selbst fixiert) Sexueller Untertyp (liebt die Zweierbeziehung)
Stress- und Trostpunkt Jedes der neun Charaktermuster steht mit zwei anderen in einer dynamischen Verbindung, wie im nachstehenden Neuneck zu erkennen ist. Die Linien mit den Pfeilen symbolisieren die Stresspunkte.
Durch äußere Situationen und innere Erfahrungen geraten wir hin und wieder in Stress, der uns unsere Not zeigt. In diesen Momenten bewegen wir uns in unseren Stresspunkt. Hier erleben wir eine andere Wahrnehmung, andere Denk-, Fühl- und Verhaltensstrategien, die uns aus Notfallsituationen oder Krisen bekannt sind, und was wir seit unserer Kindheit verstecken.
In den Trostpunkt bewegen wir uns in Momenten, in denen es uns besonders gut geht. Wir erleben diesen als eine Art „Geschenk“. Allerdings können wir im Trostpunkt erkennen, was unserem eigenen Charaktermuster fehlt und was vermieden wird. Die Pfeile laufen dann entgegengesetzt. Im inneren Dreieck die drei zentralen Punkte, 9 in die 3 in die 6. Die 2 in die 4 in die 1, in die 7, in die 5, in die 8 in die 2. Aus all diesen Punkten, die ich hier kurz angerissen habe, ergibt sich unser Charaktermuster oder aber unsere Charakterfixierung. Ich selbst benutze gern den Begriff Fixierung, denn Fixieren bedeutet festhalten. Festhalten an dem Muster, um mich zu schützen. Es macht mich aber auch unbeweglich, und da hilft das Enneagramm, frei zu werden, mich und meine Mitmenschen anzunehmen.
Abschließend der Schlüssel zur Selbsterkenntnis - Andere nicht festlegen und mich von anderen nicht festlegen lassen. - Mein wahres Selbst finden, dass Gott in mir angelegt hat. - Das Tempo meiner Entwicklung bestimme ich. - Wenn der eigene Typ nicht gleich herausgefunden wird, nicht schlimm. - Die Betrachtung der eigenen Lebensgeschichte im Spiegel der 9 Typen und daraus Gewinn ziehen. - Kein Typ ist dem anderen überlegen. - Typ 1 ist nicht auf Platz 1 und der Sieger und Typ 9 nicht der Letzte. - Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Wenn dieser Artikel neugierig gemacht und neue Impulse gesetzt hat, würde mich das sehr freuen. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern weiterhin eine schöne Zeit.
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Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin. |