Heute braucht Anne doppelt so lange für ihren Heimweg. Irgendwie
fällt ihr das Laufen schwer. Es ist, als ob sie eine große
Last in ihre Schultasche gepackt hätte, die ihren Rücken
beugt. Jeder Schritt kostet sie Überwindung. Am meisten quälen
sie die bangen Gedanken:
„Was wird Mama für eine Strafpredigt vom Stapel
lassen, wenn sie das Zeugnis sieht? Wird Papa enttäuscht
und wütend reagieren auf die dicke Fünf in Deutsch?
Welche Verbote werden ihnen einfallen? Muss ich dann noch länger
üben und bleibt mir dann überhaupt keine Zeit mehr zum
Spielen? Dabei habe ich mich doch so angestrengt. Am liebsten
würde ich einfach vom Erdboden verschwinden!“
Druck verhindert den Lernerfolg
Erinnern Sie sich noch, wie Sie sich gefühlt haben, als Sie
Ihren Eltern ein mieses Zeugnis oder eine schlechte Note vorlegen
mussten?
In der Presse häufen sich die Berichte über Kinder,
die so verzweifelt sind, dass sie ihrem Leben aus diesem Grund
ein Ende setzen wollen.
Schlechte Noten sind für alle Kinder schon eine Strafe an
sich, weil sie sich mit den Leistungen ihrer Mitschüler vergleichen
und sich selbst abwerten:
„Ich bin dümmer als die anderen.“, „Ich
bin zu blöd.“, „Ich kann es nicht.“ ...
Nach mehreren Misserfolgen und den entsprechenden Reaktionen der
Eltern, Lehrer etc. verfestigen sich solche negativen
Selbstbilder schnell. Unbewusst sabotieren
sie den zukünftigen Lernerfolg und schwächen
das Selbstwertgefühl noch mehr!
Mit Vorhaltungen, Druck und Strafen würden Sie diesen Prozess
nur verstärken. Ihr Kind braucht jetzt ihr Mitgefühl,
Verständnis und vor allem ihre liebevolle Wertschätzung.
Das ist leichter gesagt als getan, wenn man gerade aus allen Wolken
fällt, weil es schlechte Noten hagelt. Da kommt auch bei
Ihnen alter Stress aus der Schulzeit hoch.
Bitte machen Sie sich zunächst klar, dass die Noten in unserem
linkshirnorientierten Schulsystem nur sehr unzureichend
die ganze Breite der Leistungen und Fähigkeiten ihres Kindes
widerspiegeln.
Sensible Kinder reagieren auf den zunehmenden Notendruck –
besonders in der 4. Klasse, wenn es auf jede Note „ankommt“
– mit Blockaden und extremer Prüfungsangst.
Plötzlich haben sie keinen Zugang mehr zu dem Gelernten.
Da blockiert das Gehirn leicht und sie wissen nicht mehr, was
sie am Vortag noch konnten.
Es folgen ein paar praktische Tipps zum Ausprobieren.
Was tun bei Zeugnisstress?
* Entspannen Sie sich, bevor Sie reagieren:
* Halten Sie Stirn/Hinterkopf, stellen Sie sich Ihren
Ärger, Ihre Sorgen als Farbe vor und atmen Sie alles
in langen Zügen aus (dabei bis zehn zählen).
– Stellen Sie sich fünf Situationen vor, in
denen Sie stolz auf Ihr Kind waren.
– Stellen Sie sich fünf Situationen vor, in
denen Sie stolz auf sich als Mutter waren. Lassen Sie
Ihr Kind das Gleiche tun.
* Stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihres Kindes,
indem Sie es für andere Erfolge loben und ihm sagen,
dass Sie es gern haben – egal wie die Noten aussehen.
* Besprechen Sie die Schulprobleme Ihres Kindes mit dem
Partner oder anderen nicht im Beisein des Kindes etc..
* Prüfen Sie, ob Ihr Kind täglich mindestens
einen Liter Wasser trinkt (fördert die Gehirntätigkeit
und die Konzentration).
* Unterstützen Sie Ihr Kind mental, d.h., verlegen
Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Fähigkeiten und Fortschritte
Ihres Kindes und loben Sie es für seine Erfolge.
* Hören Sie Ihrem Kind genau zu. Versuchen Sie mit
ihm gemeinsam herauszufinden, wo die Ursachen liegen und
welche Unterstützung es wirklich braucht. Mehr Druck
erzeugt nur noch mehr Versagensängste und Blockaden.
Meine Erfahrung zeigt, dass die meisten Schulprobleme
aus Versagensängsten und Wahrnehmungsblockaden resultieren.
* Sprechen Sie mit der Lehrkraft und teilen Sie ihr Positives
über Ihr Kind mit: was Ihr Kind interessiert, motiviert
und begeistert.
* Lassen Sie nicht zu, dass die Lehrerin,/der Lehrer allein
verantwortlich gemacht wird für die ganze Situation.
Schuld verhindert Veränderung. Deshalb ist es besser,
sich darauf zu konzentrieren, was dem Kind helfen würde,
wieder selbst die Verantwortung zu übernehmen.
* Warten Sie nicht so lange, bis die Situation sich unnötig
zugespitzt hat. Sondern holen Sie Sich rechtzeitig professionelle
Hilfe, z.B. bei dem schulpsychologischen Dienst, der Familienberatung
oder einer One-Brain-Beraterin (Kinesiologin).
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Vielleicht können Sie wählen, das Problem „Zeugnis“
auf eine neue Art zu sehen – als eine ganz neue Möglichkeit,
gemeinsam mit Ihrem Kind zu wachsen.
Kontakt:
Balance-Institut
Sigrid Limberg-Strohmaier
Leiblstr. 8
90431 Nürnberg
Tel.: 09 11/31 56 07
E-Mail: sigrid@balance-nbg.de
www.balance-nbg.de