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Zen Buddhismus

Östliches und Westliches Denken

zum Ende

 

Wir sind auf dem Wege zum "Welt-Dorf". In diesem steht auch das "Haus Europa". Philosophen und andere arbeiten daran, es zu errichten. Sie alle schöpfen in ihrem Bauplan aus einem gemeinsamen geistigen Grund: den griechisch-jüdisch-christlichen, aber auch islamischen Abendland, das die drei großen monotheistischen Offenbahrungsreligionen hervorbrachte. Das nennen wir "den Westen".

Anderen ebenfalls im Bau befindlichen "Häusern" liegt ein anderer geistiger Bauplan zugrunde, vor allem beim "Haus Asien". Dort schöpft man aus dem Geist des Buddhismus, Hinduismus und Taoismus (der Konfuzianismus ist lediglich ein erstarrter Taoismus und der Zen-Buddhismus eine Verknüpfung von Buddhismus und Taoismus; die Naturreligionen wie der japanische Shintoismus, der auch sicher eine Verbindung mit dem Zen-Buddhismus eingegangen ist, bleiben unberücksichtigt!). Das ist für uns "der Osten".

Wenn diese Häuser einst wirklich in einem gemeinsamen "Welt-Dorf" stehen sollen, dann sind dafür enorme geistige Anstrengungen nötig, um einander zu verstehen. Denn ohne Verständnis für einander bzw. ohne den Nachbarn "begriffen" zu haben, kann ein Dorf nicht bestehen, mag es durch das Design einer am Westen orientierten wissenschaftlich-technischen Welt-Zivilisation auch noch so harmonisch erscheinen. Das westliche Denken verläuft in der Kette Ursache und Wirkung bzw. von These und Anti-These, und enthält " mystische Spuren" nur in den Religionen, da es ansonsten wissenschaftlich logisch ist und zum sich selbstbewussten Ich führt. Das östliche Denken hält solche Subjektivität für blosse Sinnestäuschung und meidet die Widersprüche, ohne diese zu überwinden. Die emanzipierte Gegensätzlichkeit des Westens strebt nach Gleichberechtigung und die akzeptierte Polarität des Ostens schafft Gleichwertigkeit. Im Westen philosophiert man und macht Aussagen, im Osten meditiert man und schweigt sich aus. Dem vorausgesetzten Chaos kommt das westlichen Denken durch die Vernunft bei, im Osten schätzt man die Erleuchtung als Abwendung von der Welt. Im Baugeschehen des "Welt-Dorfes" hat schon eine Phase des gegenseitigen Durchdringens begonnen, wobei sich die Architektur aus beiden Denkgründen sättigt. Wir werden wie alle Anderen auch Bürger dieses "Welt-Dorfes", und so liegt es aus sogar existentiellen Gründen auf der Hand, voneinander zu wissen. Dieses Manuskript soll einen vertieften Einblick in die beiden "Denkschulen", die in ihrer inneren und äußeren Vielfalt den "Dorfgeist" bestimmen, geben.

1. Paradigmenwechsel in Ost und West

Unter "Paradigma" wird die Grundeinstellung von Wissenschaftlern gegenüber einem Bereich von Phänomenen verstanden oder was den Mitgliedern einer wissenschaftlichen Gemeinschaft gemeinsam ist. Aus einem Paradigma erwachsen bestimmte festgefügte Traditionen der Forschung: es ist also vom Paradigma abhängig, wie etwas gesehen und gedeutet wird. Die Unlösbarkeit der die gesamte Welt bedrohenden Probleme hat im Westen den zeitgenössischen Paradigmenwechsel ausgelöst! Er versucht, die in 2600 Jahren entstandenen Gegensätze zwischen westlichem und östlichem Denken wieder zu überbrücken.

2. Was ist Philosophie?

Die übliche Übersetzung aus dem Griechischen befriedigt nicht: aus "Liebe zur Weisheit" erwachsen zwei neue Fragen: was ist "Liebe" und was ist "Weisheit"? Mit den verschiedenen Standpunkten zum Begriff "Liebe" lassen sich Bibliotheken füllen. "Weisheit" lässt sich dagegen einfacher definieren.

Es gibt jedoch eine grundlegende Problematik in der westlichen Philosophie, die widersprüchliche Unterscheidung zwischen Sein und Seiendem und die sich ergebende Falschsetzung des Seienden lässt in dieser Gegensetzung keine Versöhnung zu (es gibt kein Drittes!). Dieser Widerspruch setzt sich im Westen bis heute im Gegensatz zwischen Religion und Wissenschaft, Jenseits und Diesseits, Gott und Welt, Idealismus und Materialismus, Geist und Körper, magischem und pragmatischem Denken usw. fort.

3. Von den verschiedenen Denkformen und Kategorien des Denkens

Nicht nur die Art, wie mit dem Widerspruch umgegangen wird, unterscheidet die Denkformen. Es gibt auch mehrere Möglichkeiten, wie der Einzelne mit der Summe der Wahrnehmungen, Informationen und Wirklichkeiten, die sein Bewusstsein prägen, umgeht: erst dieses Wie des Vergleichens, Wertens und Ordnens führt zum Wesentlichen, Allgemeingültigen, Zusammenhängenden und Gesetzmässigen des jeweiligen Weltbildes. Judentum, Christentum und Islam übernehmen in ihren Lehren mystische Elemente: im Christentum werden dem Rabbi Joshua bzw. Jesus eine Reihe von Wundertaten zugeschrieben, und im Islam wird dem Propheten ein Blick in den Himmel gestattet. Die katholische Kirche setzt irrationale Dogmen wie die jungfräuliche Geburt Christi. Daraus mussten sich schon früh Widersprüche zwischen christlicher Lehre und rationaler Philosophie einerseits und der erwachenden Naturwissenschaft andererseits (die mit Galileo Galilei ihren Anfang nahm), ergeben.

Mit Hilfe der Kategorie wollen die westlichen Philosophen die Einheitlichkeit der Denkstrukturen aller Menschen bestimmen: einend und teilend, verknüpfend und zerlegend, zählend und wertend, klassifizierend und hierarchisierend. Diese Kategorien sind aber für die Schwierigkeiten verantvvortlich, die auftreten, wenn östlich gedacht wird: östliches Denken ist nicht quantifizierend, nicht qualifizierend, relationiert nicht und kennt keine Logik. Aussagen über das Eine sind nicht falsch, sondern unlogisch. "Falsch" als Gegensatz zu "wahr" ist etwas nur, wenn es einen logischen Widerspruch enthält. Einen solchen stellt das Eine nicht dar, da es nicht Gegenstand einer zweiwertigen Logik (wahr/ falsch) sein kann. Das Eine zu fassen, bedarf es einer dreiwertigen Logik.

4. Vom "logischen" Anthropormophismus des Westens

Der scheinbare "Zwang" des westlichen Menschen, die Welt nach seinen Vorstellungen interpretieren zu müssen, hat zur Zweiteilung der Welt in ein "Diesseits" und "Jenseits" geführt. Dabei ist das Diesseits gestaltbar, während man sich dem Jenseitigen ausgeliefert fühlt. Es kommt dabei zu Abhängigkeiten von Ahnen, Geistern und Dämonen bis hin zu Göttern oder einem patriachaischen Eingott. Die westliche Logik teilt die Welt in Subjekt und Objekt, die westliche Religion in Diesseits und Jenseits, wobei die Wahrheit jeweils anders definiert wird. Im Denken des Ostens kommt es nicht zu solchen Widersprüchen: wahr ist allein das Ein-Alles.

5. Mystik im Osten und in der Religion des Westens

Der Osten versucht, die Welt ohne Analysen und Hierarchien zu begreifen. Dies ist aus westlicher Sicht "unlogisch", weil die Vernunft nicht als allein gültiges Maß genommen wird. Auch in den Religionen des Westens gilt die Vernunft nicht als Maß.

Der Glaube an das Geschieden-sein von Gott gilt im Osten als irrig, in den Religionen des Westens als "(erb)sündig" ("Verlust des Paradieses"). Auch im (religiösen) Glauben des westlich Denkenden wird die Vernunft verneint, wenn Hoffen und Vertrauen als Ausdrücke des Glaubens an ihre Stelle treten. Glaube, Hoffnung und Liebe kommen dort zum Einsatz, wo die Vernunft keinen Ausweg mehr weiß bzw. sie einen Widerspruch nicht mehr lösen kann. "Koans" (paradoxe Sinnsprüche im Zen) hingegen werden gezielt eingesetzt, um die Vernunft auszuschalten und die Trennung zwischen Ich und Welt zu überwinden.

6. Monismus, Kausalität und Negation

Die Polarität von "Yin" und "Yang", den weltkonstituierenden Prinzipien sind im "Tao" gegründet, das der Urgrund der Welt ist.

Yin ist das weiblich-passive Prinzip und steht für "negativ", "irdisch" und "Dunkelheit". Yang ist das aktiv-männliche Prinzip und "positiv", "himmlisch" und "Licht".

Tao ist aber als "Urgrund" nicht "erste Ursache" in der falschen Gleichsetzung von "Grund" und "Ursache". Das Eine (das Selbst) oder die Identität wird im Westen durch das erste logische Axiom und das Ichbewusstsein ausgesagt. Im östlichen Denken wird das Eine als das untrennbare Zusammenspiel von Yin und Yang gesehen.

7. Geschlechtlichkeit als Widersprüchliches

Im Westen wird die ursprüngliche Polarität von Mann und Frau in der Emanzipationsbewegung geleugnet und als aufzuhebender Widerspruch gedeutet. Im Osten dagegen gilt die Mann-Frau-Beziehung nach wie vor als eine notwendige metaphysische und damit unauflösbare Einheit. Akzeptierte Polarität verlangt nach Gleichwertigkeit, emanzipierte rationalisierte Gegensätzlichkeit aber nach Gleichberechtigung! Im Osten ist man um die Erhaltung der Polarität von Mann und Frau als Wert der Einheit bemüht, im demokratischen Westen strebt man nach gleichen Rechten für beide Geschlechter. Der Osten handelt wertmetaphysisch, der Westen wertpositivistisch.

8. Technik und Religion als Bewältiger von Widersprüchen

Die Widersprüche zwischen Mensch und Natur fordern zu ihrer Bewältigung Techniken, mit deren Hilfe

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ständig Neues geschaffen wird. Das Neue ruft abermals Widersprüche hervor, die "fortschreitend" überwunden werden müssen. In den westlichen Religionen müssen die Widersprüche zwischen Gott und Mensch "gelöst" werden. Diese über die Zeiten gehende Entwicklung wird unter dem Begriff Heilsgeschichte zusammengefasst und bewegt sich auf die Heilserwartungen wie Jüngstes Gericht und anschließendes Gottesreich auf Erden zu. Die Entwürfe rationaler Schöpfungsmythen widersprechen der östlichen Einheit von Yin und Yang bzw. dem "Samsara" ("das Rad der Wiedergeburt") und "Lila" ("das göttliche Spiel") der Inder. Die ursprüngliche Einheit der polaren Kräfte in "Taoismus" und der Allseele des Brahman der alten Veden wird von Zarathustra erstmals nicht mehr als Identität bzw. Monismus verstanden. Die beiden Kräfte erhalten Widerspruchscharakter und zerfallen in die Zweiheit von Gut und Böse. In ihr bekämpfen sie einander, bis heute!

9. Westliche Philosophie als Widersprüchliches

Aus den Widersprüchen der rationalisierenden Mystik in der Scholastik erfolgte in der Aufklärung die Rückbesinnung auf die Vernunft.

Renè Descartes findet sein Fundament im Ich.

Der Nachkantianer Johann Gottlieb Fichte setzt dieses Ich dann als Absolutes und Überindividuelles mit Gott gleich. Georg Wilhelm Friedrich Hegel bestimmt Gott als "absolute Vernunft": sein Denkgebäude gipfelt in der Dialektik als eigentliche Methode der Philosophie. Die westliche Philosophie bedient sich insofern der Methode der Vernunft, indem sie Fragen stellt und darauf antwortet. Dabei sind so viele Antworten möglich, wie Philosophen Fragen stellen. Die dabei auftretenden Widersprüche werden durch unterschiedliche Wahr/Falsch-Setzungen gelöst.

Erst Hegel findet durch die Synthese von These und Antithese, die dialektisch im absoluten Geist münden, eine spekulative Lösung.

10. Das Ich im Westen und im Osten

Für den östlichen Denkenden werden das Ich und sein subjektives Begehren nur durch die äußerliche Welt (Karma) bestimmt. Dies entspricht dem westlichen Verständnis vom Ich, das zwischen der Identität des Menschen, also seinem Selbst und der Umwelt vermittelt. Diese Kommunikation mit der Außenwelt erfolgt über die Sinne als Sinneswahrnehmung. Unterschiedlich ist nur die Bewertung des Ich!

Das Ich ist die Angel, in der sich westliche und östliche Philosophie drehen.

Dem Westen ist das Ich das Zentrum des Philosophierens, das durch Empirie (Erfahrung) und Ratio (Vernunft) bestimmt wird. Im Osten gilt es, das Ich zu überwinden und zum Selbst vorzudringen, um "Satori" (Befreiung) oder "Nirwana" (Erleuchtung) zu erlangen.

11. "Ismen" als ideologische Widersprüche und die Wissenschaften der Widersprüche

Die Individualität wird im Westen als Befreiung von der Gesellschaft angesehen.

Individualität ist gewünscht und der Kapitalismus in Form der "sozialen Marktwirtschaft" ist den echten Demokratien gut und wahr. Liberalismus gilt als Befreiung vom Staatseinfluss. Als Widerspruch dazu entsteht der Kommunismus, der sich selbst als höchste Organisationsform gesellschaftlichen Lebens mit einheitlichem gesellschaftlichem Eigentum an allen Produktionsmitteln definiert, wobei durch die Solidarität aller Werktätigen gegenüber dem Bürgertum als Fernziel die klassenlose Gesellschaft entstehen soll. Die Widersprüche zwischen Welt und Gott werden wiederum nach katholischer Lehre durch den heiligen Geist, der sich im Papst und im Kardinalskollegium unfehlbar äußert und in der Kirche als permanente Offenbarung wirkt, überwinden geholfen. Bei Hegel treibt ein Weltgeist dialektisch ein an sich logisches Spiel mit der Welt. Marx verhöhnt Hegel und seine Epigonen für diese Spekulation und erlöst den Menschen, indem er ihn aus der ökonomischen Entfremdung befreit, mit Zwang allerdings, denn das Gesetz der Dialektik (Diamat) fordert es.

Aus der Jenseitsideologie des Katholizismus ist über eine Spekulation der Vernunft bei Hegel die Diesseitsideologie geworden. Wissenschaft und Technik haben von der Einheit der Welt Abstand genommen. Für sie gibt es nur Vieles, das als Verschiedenes und Kausal Verbundenes betrachtet wird. Nach Entwürfen der Vernunft werden Gesetzmäßigkeiten aufgestellt und mit ihnen die Natur erklärt. Das Ergebnis ist das allmähliche Vernichten der Natur durch die Vielzahl der Techniken. Diese formen die Welt nach der Vernunft, aber die Welt ist Chaos! Mit Kants "Kopernikanischer Wende" hat sich das Bild des westlichen Denkenden von der Welt geändert. Von der Einsicht, die Welt sei gar nicht so, wie sie uns erscheint, sondern unsere Vernunft mache sich nur ein Bild von ihr, bis zu dem Entwurf, die Welt sei gar nicht im Sinne der Vernunft geordnet, vergingen rund zweihundert Jahre.

12. Mystizismus im Westen: Die Liebe

Nach rund dreitausend Jahren entwickelte sich aus der Religion des Judentums die Lehren Jesu. Christus sollte es vorbehalten bleiben, den Absolutheitsanspruch des jüdischen Gesetzes aufzuheben und die Gebote zu relativieren: nicht der Mensch ist für den Sabbat geschaffen, sondern der Sabbat für den Menschen. Nicht der Mensch hat den Gesetzen zu dienen, sondern Gesetze sollen das Leben der Menschen erleichtern. Im Osten erfolgt die Ichüberwindung (und damit auch die Überwindung des Todes!) durch Versenkung, Meditation und erhoffte Erleuchtung ("Satori"): in Abwendung von der Welt. Im Westen hat Christus den Weg der Liebe aufgezeigt. Die westliche Mystik überwindet das Ich (und den Tod!) durch Hinwendung zur Welt, durch Nächstenliebe und Liebe. In ihr wird das Selbst, die nicht mehr entfremdete Einheit, erreicht (siehe "Erlösung", "Auferstehung")...!

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Philosophische Praxis "Ignoramus"
Kurt Vlasak (Sanpaku)
Adolph-Kolping-Str. 15
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Tel.: 0 93 21/3 46 06
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Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin.