Die Begegnung mit dem Feuer
Von Michael Raja Fode

 

„Wie um alles in der Welt kommen Menschen auf die ungewöhnliche Idee, über glühende Kohlen zu gehen, und viele tun dies sogar regelmäßig?“ – Eine gute Frage, für die es vielschichtige Antworten gibt. In der mehrjährigen Tätigkeit als Feuerlauf-Trainer habe ich immer wieder feststellen können, dass es dem Menschen ein natürliches Bedürfnis zu sein scheint, etwas wirklich Außergewöhnliches zu tun. In dieser menschlichen Eigenschaft liegt ein großer Wert. Etwas tatsächlich zu tun, von dem wir erst einmal nicht erwarten, dass es funktioniert, verändert unser Bild von uns selbst und damit „unserer Welt“ zutiefst. Das, was wir uns in unserem Leben zutrauen, hängt im Wesentlichen mit unseren tatsächlichen Erfahrungen zusammen. Durch einen barfüßigen Gang über die glühenden Kohlen können wir eine eindrucksvolle Referenz zu positiven Überzeugungen unseres Selbst setzen. Erstaunlicherweise funktioniert dies auch für die Menschen, die sich für ein ehrliches „Nein“ entscheiden und nicht über die glühenden Kohlen gehen. Die Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass ein klares „Nein“ zum richtigen Zeitpunkt wesentlich richtungsweisender, wertvoller und aufbauender sein kann, als ein halbherziges „Ja“ zum falschen Zeitpunkt. Das bedeutet für uns letzten Endes, dass der eigentliche Feuerlauf nicht das wirklich Bedeutende ist, vielmehr die aufrichtige Auseinandersetzung mit unseren Überzeugungen! Im Angesicht des beeindruckenden Feuers – einer unbestechlichen Instanz – gelingt dies besonders gut.

Ein Feuerlauf erfordert unter anderem:


• Ein hohes Maß an Bereitschaft
• Ein inneres Verlangen, Negatives, Veraltetes zu verändern
• A --> A = Angst in Aktion zu verwandeln
• Mit anderen Menschen an einem Strang zu ziehen
• Die Quelle der Lebenskraft zu entdecken
• Grenzen des Verstandes zu überwinden
• Die Lösung von Blockaden
• Zweifel anzuerkennen und aktiv auszuräumen


Feuerlauf ist weder eine Erfindung von ein paar Ausgeflippten, die bei einer Grillparty nach ein paar Bier mal eine coole Idee hatten, noch das Ergebnis eingehender Studien von Mentaltrainern. Das Feuerlaufen hat eine erdweite Geschichte und es finden sich Spuren davon in vielen Traditionen, die zum Teil auch heute noch lebendig sind. Bekannte Feuerläufer sind die Kahuna auf Hawaii, einzelne Traditionen auf Bali und in Indien, die Anastenariden in Griechenland, einige Stämme Nordamerikas, Afrikas etc.. Einige dieser Traditionen sind in entsprechender Literatur ausgiebig studiert und eingehend beschrieben worden. Die mit dem Feuerlauf in allen Kulturen verbundenen Rituale sind so vielfältig, wie die Völker unterschiedlich sind. Gleichzeitig gibt es eine Komponente, die sich bei aller Verschiedenheit durch alle Kulturen zieht: Der innere Kontakt zu „Gott“, „Spirit“, dem „universellen Wissen“, oder wie auch immer wir dies bezeichnen mögen, spielt eine sehr entscheidende Rolle. Sinn und Zweck in vielen dieser traditionsreichen Rituale ist, über „die Begegnung mit dem Feuer“ in einen solchen Kontakt zu treten und sich selbst als ein „Stückchen göttlich“ zu erleben.


Der moderne Feuerlauf, wie er heute in der westlichen Welt mit großer Begeisterung praktiziert wird, findet seinen Ursprung im Kalifornien der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Man kann wohl sagen, dass Peggy Dylan und Tolly Burkan als Wiederentdecker und Modernisierer des Feuerlaufens viel geleistet haben. Der besondere Verdienst ihrer Arbeit liegt in meinen Augen in der Verknüpfung zu den Aufgaben unserer modernen Welt. Dabei wird der Mensch durchaus als „Schöpfer“ seiner Welt gesehen, aber zugleich wird auch seiner Eingebundenheit in etwas „Größeres“ oder „Höheres“ Rechnung getragen. Die Idee, dass wir zu mehr fähig sind, als wir oft glauben, ist nun beileibe keine neue Erkenntnis, findet jedoch im Feuerlaufen eine durchaus beeindruckende Möglichkeit, nicht nur verstanden, sondern bewusst erfahren zu werden. Diese Erfahrung senkt sich zumeist so tief in das Bewusstsein des Feuerläufers, dass eine tief greifende Veränderung des Blicks auf die eigenen Möglichkeiten erreicht wird. Ein Blick, der von einem vertrauensvollen Platz aus gelenkt wird und weniger von Ängsten, (Selbst-)Zweifeln und negativen Erfahrungen geprägt ist.
Damit diese Ergebnisse erzielt werden können, ist das Prinzip der Selbstbestimmung des Feuerläufers auch als besonders hoch einzuschätzen. Nach meinem Verständnis sollte der Klient in jedem Fall die alleinige entscheidende Instanz sein. Die Entscheidung über den rot glühenden Teppich aus mindestens 600° C heißen Kohlen zu schreiten, ist für jeden Menschen ein persönlicher Prozess. Hierbei spielt die Verbindung zur inneren Weisheit, zu dem Teil in uns, der weiß, eine große Rolle. Wichtig ist, zur getroffenen Entscheidung stehen zu können, die Verantwortung für die Entscheidung zu übernehmen und die entsprechenden Konsequenzen zu tragen. Daher sollte man auch im Vorfeld genau prüfen, in welchem Rahmen man sich einem so einschneidenden Erlebnis stellen möchte. Es gibt viele Angebote für Großveranstaltungen, bei denen es wohl eher um eine Erfahrung mit Gruppendynamik und Adrenalin geht. Wer sich hingegen seinen eigenen Themen stellen möchte, eine persönliche, konzentrierte und ruhige Vorbereitung wünscht, wird bestimmt in den „spirituellen“ Angeboten fündig.

Kontakt:

Michael Raja Fode
Bibrastr. 17
D - 97070 Würzburg
Tel: 0931-40 45 955
Mail: info@tranceformer.de
Web: www.tranceformer.de



Michael Raja Fode, Feuerlauftrainer nach Sun-door, Jahrgang 1963, Vater zweier Töchter, Restaurantfachmann, Industrieunternehmer und leidenschaftlicher Bergsteiger. Er leitet seit vielen Jahren unterschiedliche Rituale wie Trance Tanz, schamanische Reise, Schwitzhütte, Feuerlauf und systemische Energiearbeit in Deutschland, Österreich und Schweiz. Die wichtigsten Lehrer sind Bhagwan Shree Rajneesh, Frank Natale, Peggy Dylan, Markus Klepper und viele andere ...

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Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin