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Die Indigo-Kinder kommen

Unruhiger Zappelphilipp – ADS und
Hyperaktivität – Wie ist ihm zu helfen?

von Axel Englert

 

 

Bei der ganzen Erörterung der ADS- und Hyperaktivitätsproblematik gilt es, den Kontrapunkt in Form der so genannten Indigo-Kinder nicht zu vergessen, die vielerorts in die oben genannte Krankheitsformen etikettiert werden.

Hierbei geht es um die Tatsache, dass in den letzten Jahren Kinder geboren wurden, die ganz anders sind als wir Erwachsene oder die Kinder beispielsweise aus den 50er bis 70er Jahren. Kinder, die bereits sehr jung eine unerwartete Intuition, ganzheitliche Sichtweisen und eine ungeheure emotionale Intelligenz, gepaart mit Hypersensibilität, aufweisen.
Seit Jahren in der Lebensberatung tätig, beschäftigte ich mich selbst als päd. Psychologe mit den Lebensläufen von angeblich hyperaktiven Jugendlichen. In vielen Gesprächen sprach ich selbst mit immer mehr Eltern, die mit ihren Kindern Probleme hatten, weil diese „so ganz anders waren“. Es scheint, als hätten die Kids ein „Nervenkostüm“, das sie für das Tempo der HighTechÄra fit macht, während sie heranwachsen. Ihre Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten, ist für Erwachsene nicht mehr nachzuvollziehen. Zugleich sind diese Kinder ungemein kreativ, unabhängig, selbstbewusst und allergisch gegen Autoritäten.

Das Indigo-Kind widersetzt sich jedem Druck und jedweder Kategorisierung. Es ist nicht bereit, fremde Autorität zu akzeptieren; sie werden ihr eigenes Leben führen, so wie sie es wollen. Erziehungsberechtigte haben null Chance, wenn es nicht will.

Seit Lee Carroll und Jan Tober ihr Buch über die „Indigo-Kinder“ publizierten, ist das Thema in aller Munde. Die US-Autoren stellen und beschreiben darin eine neue, einzigartige Generation von Kindern, die zwischen Hyperaktivität und ungewöhnlicher Begabung hin und her pendeln, keine Autorität akzeptieren, extrem selbstbewusst sind und oft schon große Reife zeigen. Die Auffälligkeit von einander unterschiedlichen Kindern in Schulklassen ist sogar heute Lehrern sehr geläufig:
Diese Gruppe besteht aus Schülern, die stark verhaltensauffällig sind, sich wild und ungebändigt, unruhig, aggressiv gebärden und die sich nicht konzentrieren können, die typische Zappelphilippe darstellen. Die Lehrer können sie kaum beruhigen und zum Mitarbeiten bewegen. Hier werden von Medizinern und Therapeuten oft ungerechtfertigt oben genannte ADS- oder Hyperaktivitätssyndrome diagnostiziert mit den dementsprechenden Ruhigstellungsmaßnahmen wie Ritalin o.ä.
Diese oft auffälligen Kinder sind aber oft hoch begabt, was durch die Einschulung aber oft durch die psychologischen veralteten Messinstrumente nicht erkannt wird. Diese Kinder langweilen sich in den unteren Klassen, weil sie vieles schon wissen oder verhalten sich in oben beschriebener Weise auffällig und boykottieren jede Mitarbeit. Diese Kinder ziehen es auch vor, möglichst eigene Antworten zu finden und haben in sich eine große Selbständigkeit, die sich gegen jegliche Autorität auflehnt. Auf Anweisungen und Befehle reagieren sie mit Trotz und Verweigerung. Sie waren und sind nur bereit zu handeln, wenn man ihnen die Entscheidung zum Handeln selbst in eigener Verantwortung überlässt. Diese Indigo-Kinder haben dann natürlich ernsthafte Konflikte mit den Erziehungspersonen und werden oft unverstanden, obwohl hoch begabt, in die ADS- oder Hyperaktivitätsproblematik geschoben. Sie leiden letztendlich am staatlichen Erziehungssystem mit seinen sehr starren Unterrichtskriterien und den durch übergroße Klassen überforderten und völlig überlasteten Pädagogen.

Kriterien und Merkmale solcher Indigo-Kinder:
- Es ist sehr sensibel.
- Es weiß nicht, wohin mit seiner Energie.
- Es kann sich langweilen und so wirken, als hätte es nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne.
- Es widersetzt sich jeder Autorität von oben herab. / Es bevorzugt eigene Lernkriterien.
- Es lernt durch Erforschen und widersetzt sich reiner Wissensspeicherung und Gedächtnisdrill.
- Es ist sehr mitfühlend.
- Es hat großartige Ideen und hat aber nicht die Menschen, die es dafür unterstützen.


Indigo-Kinder sind dann auch oft Kinder, die sich im Gespräch auf den Level von Erwachsenen stellen und fällen mit großer Intuition Urteile, ohne das notwendige Faktenwissen im Voraus zu kennen, was sie in den Augen der Erwachsenen dann abwertet. Ihre Sinne arbeiten auf Hochtouren mit überschäumender Vitalität und Bewegungsdrang, wo sie dann mit wirklich hyperaktiven Kindern verwechselt werden. Ihre Ansichten sind oft viel tief gehender, als sie dies in einem normalen Unterricht akzeptiert verständlich machen können.
Andererseits zeigen diese Kinder schon früh ungewöhnliche Reife und helfen ihren Eltern, auch übernehmen sie oft Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister. Sie sind selbstdiszipliniert und haben die Fähigkeit, sich auf selbst gewählte Aufgaben zu konzentrieren.

So sollte heute diese ADS- und Hyperaktivitätsproblematik grundsätzlich hinterfragt und relativiert werden und zu den notwendigen Änderungen im Erziehungssystem führen, die nicht mit dem Rundumschlag Gesamtschule und Ausbau des herkömmlichen Erziehungs- und Ausbildungssystems gelöst werden können. Hier bedarf es einer neuen Qualität von pädagogischen Sichtweisen und erzieherischer Maßnamen.

Wir sollten neu lernen, wie wir diese neue Qualität von Menschen achtsam und gut erziehen!

Bei der ganzen Erörterung der ADS- und Hyperaktivitätsproblematik sollte auch die folgende wichtige Schlagzeile ein wenig provokativ nicht vergessen werden:

Unruhige Eltern, wie ist ihnen zu helfen?

In vielen Fällen von Lebensberatung der letzten 15 Jahre musste ich mir die Frage stellen, ob überhaupt eine so genannte Hyperaktivität des Kindes vorhanden ist, oder ob es vielmehr eine Kontextinterpretation notwendig macht, die das Kind hyperaktiviert, oder ob die Eltern sich zu stark messen an veralteten Ansichten über oft rigide oder überbehütende moralische Erziehungsvorstellungen. Diese stammen oft aus ihrer eigenen Kindheit, die, auf das Kind projiziert, dieses in die vorhandene Vorstellungswelt von Zucht und Ordnung und Demut pressen soll.
Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass unser Leben heute so verrechtlicht und innerlich und äußerlich so zubetoniert ist mit Verhaltensnormen und auch symbolisch zubetonierten Landschaften, dass Kindern die Möglichkeit zur lebhaften Auseinandersetzung (früher nannte man das Jugendstreich!) mit der Umwelt genommen wird und die Eltern ängstlich jede abweichende Regung ihres Kindes mit teuren, eventuell rechtlichen Auseinandersetzungen in Verbindung bringen, die sie einsichtiger Weise tunlichst vermeiden wollen. Dieses, aus der Natur eines unbelasteten Kindes, neugierige Erforschen und Erproben in der Umwelt wird dann überschnell und überempfindlich so manch einem Arzt oder einem jungen Psychotherapeuten vorgestellt, der auch noch in die vorgegebene Falle von Erziehungspersonen tappt und so von den Ängsten der Eltern die angebliche Hyperaktivität als solche attestiert und annimmt und therapiert. Das Grundwerk der Psychiatrie, der so genannte „GK3“, leistet mit seinen formelhaften Aussagen darüber einen recht oberflächlichen Beitrag.

Aus ganz einfachen psychologischen Grundüberlegungen sind Kinder aber auch ein „Spiegel der inneren Befindlichkeit“ der Eltern.
Diese Kinder wollen ihren Eltern etwas sagen über ihre Hyperaktivität in deren Inneren. Sie berichten von einer Unsicherheit in den Eltern, die selbst kein Vertrauen dem Leben gegenüber haben, mit großer Angst und Panik dem Leben gegenüberstehen, dieses selbst hektische nervöse Flattern in ihnen, das mit normaler Bürgerlichkeit überdeckt wird, diese energetische Vibration einer Nervosität zunächst verschiedenster Ursache, die mehr oder minder erfolgreich nach außen unterdrückt wird.
Es ist eine unterdrückte Kreativität, ein bloses reaktives Leben, eine aktive Verweigerung, das Leben selbst zu gestalten, eine innere eigene Ordnung im Außen selbstbewusst zu verwirklichen.

Würden solche Eltern darauf angesprochen werden, würden sie dies natürlich leugnen und kundtun, dass dieses Problem ganz allein im Außen, beim Kind oder einer angeblichen Krankheit liegt. Die Schwierigkeit oder die Problematik liegt natürlich jetzt darin, auch diesen Eltern, oder betroffenen Personen, bewusst zu machen, dass nicht nur das Kind krank ist, sondern es als Symptomträger einer restriktiven Umwelt einer elterlichen inneren Konflikt-/Stresssituation fungiert.
Ja, Kinder sind Spiegelbilder der Eltern, Kinder sind Spiegelbild der emotionalen Welt der Erwachsenen. Kinder sind das, was Eltern nie gelebt haben. Ist also ihr Kind hyperaktiv, so müssen sich die Bezugspersonen auch einmal fragen, wo sie ihre eigenen Anlagen, ihr individuelles Leben nie gelebt, ihre innere Ordnung nie ins Außen gestaltet haben.

Wenn Kinder nun in eine Umgebung hineingeboren werden und auf einmal eine Umgebung vorfinden, die (natürlich offen oder verdrängt!) Unsicherheit, Konflikte und Angst spiegelt und nahezu gelegentlich Panik darstellt, kommen die Kinder natürlich auch sehr rasch aus ihrer Balance, die dann statt gestärkt nur verunsichert wird, und das äußert sich dann in einer Hektik, in einem nicht Stillsitzen, nicht Konzentriert-sein-Können. Man ist immer auf der Flucht vor sich selbst, selbst in einer aktiven intellektuellen oder körperlichen Aktivität.
Das Kind ist immer auf der Flucht vor sich selbst - es flieht vor der Erkenntnis, dass es in seinem Leben als Mensch an sich hilflos ausgeliefert ist. Hier zeigt das Kind oft den großen blinden Fleck von Eltern, der oft von diesen selbst nicht erkannt werden kann.
Neben all den therapeutischen Maßnahmen, die natürlich ein ehrliches Bemühen darstellen, dem Kind zu helfen, ist es als Erziehungs- und Bezugsperson wichtig zu erkennen, nicht zu differenzieren zwischen dem betroffenen Kind oder diesen.
Es gilt auch, sich selbst und den Lebensstil mit den eigenen Einstellungen infrage zu stellen und selbst in die Ruhe und Gelassenheit zu gehen. Dann wird sich sicherlich auch die Problematik des Kindes mitunter entscheidend relativieren. – Es ist natürlich die Panik und Angst der betroffenen Bezugspersonen, die sie im Außen beim Kind erleben, dass sie hier auf in ihnen „da seiendes“ Problem hingewiesen werden.
Denn allein das Strampeln in Bezug auf das Kind nützt nichts, vielmehr ist eine neue innere Einstellung zu sich und zum Leben notwendig. Eine Bewusstseinsgestaltung hin zur Ruhe, Relativierung der eigenen Lebensangst, Gelassenheit an sich selbst ist wichtig, um das Chaos in sich selbst zu bändigen.
Erkennen, und das klingt jetzt sehr provokativ, die betroffenen Elternteile ihre eigene Heilungsbedürftigkeit und arbeiten daran, wird sich dies auch gemäß dem Gesetz der Spiegelung beim Kind auswirken. Vielleicht erkennen diese in dem Kind selbst das Dunkle, nicht Gelebte und sehen das Kind als Orientierungshilfe, um etwas im eigenen Leben und in der Einstellung zu sich selbst zu verändern.
Das hyperaktive Kind spiegelt Betroffenen die Notwendigkeit, aus einer Angst und Unsicherheit in die Weite zu gehen. – Aus einer Angst in die Freude einer weiteren Selbstverwirklichung zu gehen, eine Brunnenfroschperspektive des eigenen Lebens zu verlassen. Aber das funktioniert nur über eine innere neue, sinnhafte Einstellungsänderung zum Leben.
Sind Betroffene selber bereit, sich mehr anzunehmen, dann mildern sich auch die äußeren Konflikte. Aber Menschen, die sich weigern, ihre Angst anzuschauen, ihre Unsicherheit zu konfrontieren, diese Menschen, die sozusagen die Schuld im Außen suchen und/oder stellvertretend für sich nur das hyperaktive Kind therapieren, diese Menschen kommen selbst in größere Schwierigkeiten, auch in Bezug auf das hyperaktive Kind, weil sie sich dagegen wehren, ihr eigentliches Sein anzunehmen und sich daher selbst nicht lieben können. Sie therapieren verzweifelt mehr und mehr ihr Kind, registrieren aber nicht, dass sie nur am eigenen Spiegelbild kurieren und der Spiegel sich dadurch nicht verändert, sondern nur, wenn sie sich selbst ändern. Die Änderung bezieht sich auf die Arbeit zum Empfinden hin, mit sich selbst ins Reine zu kommen und in den eigenen Beziehungen, konflikthafte Motive klärend, Harmonie und Verständnis zu schaffen.


Kontakt:


Axel Englert
Schulstr. 4
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Tel.: 06021/485 52



 

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Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin.