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Ökostrom genauer betrachtet

von Dieter Schmitt

 

von Dieter Schmitt

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Strom ist nicht gleich Strom, da er überwiegend aus fossilen Brennstoffen und Atomkraft hergestellt wird. Die bestehenden Risiken der Atomenergie haben wir bisher noch nicht im Griff und die Endlagerung stellt ein ungelöstes Problem dar. Brennstoffe wie Erdgas und Kohle sind begrenzt vorhanden und erzeugen klimaschädliche Gase bei deren Verstromung.

Die Lösung: Ökostrom von Sonne, Wasser, Wind, Biomasse oder Erdwärme (= REG-Strom). Bei dieser Art der Energiegewinnung werden Teile des gewonnen Stromes abgezweigt und für uns nutzbar gemacht. So wird beispielsweise bei Wasserkraftwerken kinetische Energie zum Antrieb von Wasserturbinen genutzt, um diese durch einen angeschlossenen Generator in elektrischen Strom umzuwandeln. Demgegenüber steht der Abbau fossiler Energiequellen wie Erdöl oder Steinkohle, die nur verbraucht werden. Somit ist bei erneuerbaren Energien das Prinzip der Nachhaltigkeit gegeben: Ressourcen werden nur insoweit beansprucht, als die Regeneration der Quelle gesichert ist. Glücklicherweise ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch in den letzten Jahren stetig gestiegen.
Beziehen wir Endverbraucher aus unserem Stromnetz sogenannten Ökostrom, besteht dieser aus einer Mischung unterschiedlicher Energiequellen. Da der Betriff „Ökostrom“ von Gesetzgeber nicht klar definiert ist, bleibt er undurchsichtig und irreführend. Da dies so ist, können Ökostromanbieter individuell bestimmen, welche erneuerbaren Energiequellen oder Mixtur ihr Angebot auszeichnet. Mit einem legalen Trick kann der Erzeuger Atom- und Kohlestrom in Ökostrom „umetikettieren“. Wie dies genau funktioniert, würde hier den Rahmen des Artikels sprengen, ist aber im angefügten Buch-Tipp am Ende nachzulesen.


Der Energiemix im Stromsee

Erschreckend ist: Egal ob wir von einem Ökostromanbieter oder vom konventionellen Stromversorger beziehen, wir erhalten immer den gleichen „dreckigen“ und „sauberen“ Energiemix. Der Grund dafür liegt am Übertragungsnetz, da sich dieses in der Hand von E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall befindet. Stellen Sie sich einen Stromsee vor, in dem ebenso Atom- und Steinkohlestrom eingeleitet wird, wie auch der von erneuerbaren Energien. Daraus wird der Strom für die Haushalte abgezapft.
Nichtsdestotrotz ist es sinnvoll, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln, da sie somit ausschließlich eine „saubere“ Stromerzeugung finanzieren, in der Hoffnung, dass der Stromsee irgendwann nur mit sauberer Energie gespeist wird.


Ist Ökostrom gleich Ökostrom?

Die Antwort auf diese Frage lautet eindeutig: NEIN.
Dazu ein Beispiel: Der drittgrößte deutsche Energieversorger, EnBW, vermarktet seine in Atom-, Kohle- und Wasserkraftwerken hergestellte Elektrizität unter verschiedenen Namen. Einer davon ist als »Yello-Strom« bekannt oder die unternehmenseigene Tochter »Naturenergie«. Theoretisch kommt bei »Naturenergie« der Strom ausschließlich aus einem der großen Wasserkraftwerke von EnBW. Bei allen anderen konzernanhängigen Anbietern müsste der Anteil dieser erneuerbaren Energien im konventionellen Strommix mit Kohle- und Atomstrom dann fehlen. Tut er aber nicht, da eine Trennung von physischem und virtuellem Strom nicht möglich ist. Daher bleibt alles beim Alten und es wird keine zusätzliche »grüne« Kilowattstunde produziert und kein Gramm CO2 eingespart. Das Angebot von »Naturenergie« ist klarer Etikettenschwindel. Allein in Deutschland ist EnBW an vier Kohlekraftwerksplanungen beteiligt, die das Klima bei Inbetriebnahme mit über 17,1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr belasten würden. Es ist somit blanker Hohn, wenn EnBW in einer Imagekampagne behauptete: »Wir sparen am meisten CO2 — versprochen!«
Was tun?

Am besten wählen Sie einen Stromanbieter, der unabhängig von den vier großen Stromkonzernen ist. Nur so können wir ein politisches Signal setzen und dem Atom- und Kohlestrom die rote Karte zeigen. Ebenso weichen dadurch langsam, aber sicher die monopolistischen Strukturen der deutschen Energiewirtschaft weiter auf. Die bekanntesten Ökostromanbieter sind Greenpeace Energy (www.greenpeace-energy.de), die Naturstrom AG (www.naturstrom.de), EWS (www.ews-schoenau.de) und LichtBlick (www.lichtblick.de) mit nachfolgenden, kleinen Einschränkungen. Weiterhin sind einige kleinere Elektrizitätswerke unabhängig, die den Strom dort erzeugen, wo er sofort gebraucht wird. Leider gehören mittlerweile schon 50% dieser genannten Werke den großen Stromerzeugern, sodass kaum ein freier Wettbewerb möglich ist. Die genannten Ökostromanbieter verkaufen echten, grünen Strom und keinen „grün gefärbten konventionellen Strom“. Weiterhin fördern diese bestehende Anlagen und Neuanlagen im Ökobereich. Sogenannte Ökolabels signalisieren dem Verbraucher, dass der Ökostromanbieter seriös ist bzw. diesen tatsächlich von „Ökokraftwerken/Betreibern“ kauft. Alle eben genannten Labels haben eines gemeinsam: dass der Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. So manches Siegel fordert auch, dass der Strom aus neuen Anlagen kommen muss, um sicherzustellen, dass der Anteil des grünen Stroms stetig wächst. Uneinigkeit unter den Labels besteht jedoch bei den Kriterien und Anforderungen an die Quellen regenerativer Energien. Teilweise werden sogar RECS* als Herkunftsnachweise akzeptiert. Die fünf bekanntesten Labels sind: „Grüner Strom Label“, „ok-Power“, „TÜV-Nord“, „TÜV-Süd“ und das Ökostromlabel der „Landesgewerbeanstalt Bayern“.


Die LichtBlick-Schummelei?

LichtBlick ist ein unabhängiger Ökostromanbieter, der mit »100 Prozent Ökostrom« wirbt. Ihm haftet jedoch ein kleiner, aber entscheidender Makel an: Im Juni 2008 deckte die Financial Times Deutschland auf, dass LichtBlick auch herkömmlichen Strom aus Kohle- und Atomkraft an der Leipziger Strombörse EEX einkauft. Nach Informationen der Zeitung soll LichtBlick im Dezember 2006 und ab Oktober 2007 zeitweise knapp 4000 Megawattstunden täglich und in 2007 insgesamt 20 Gigawattstunden zugekauft haben. Das entspräche rund zwei Prozent der Strommenge, die das Unternehmen an seine Ökostromkunden abgab1. Auch im Jahr 2008 habe LichtBlick weiter Schmuddelstrom eingekauft und das seinen Kunden verschwiegen bzw. es sogar abgestritten. LichtBlick hat nach eigenen Angaben über 500000 Kunden. Der Unternehmensgründer Heiko von Tschischwitz war 2006 »Ökomanager des Jahres«. Seiner Firma war durch den TÜV-Nord bestätigt worden, »zu 100 Prozent regenerativen Strom« anzubieten.
In einer Erklärung gab LichtBlick schließlich zu, dass das Unternehmen konventionellen Strom an der EEX einkaufe, wenn der tatsächliche Stromverbrauch seiner Kunden nicht mit dem prognostizierten Bedarf übereinstimmt. Diese Kompensationsmengen machen laut LichtBlick jedoch »weniger als ein Prozent der Gesamtmenge aus«, und »diese sogenannte Regelenergie kann nicht >grün< beschafft werden«. Darüber hinaus sei der Bezug dieser Energie »seit Beginn der Liberalisierung gängige Marktpraxis bei allen Stromversorgern«, und damit auch bei den Ökostromanbietern. Alle Anbieter und alle Zertifizierer von Ökostromprodukten würden diese Abläufe des Strommarktes kennen und akzeptieren.

EWS und Greenpeace Energy wiesen diese Unterstellungen sofort entschieden zurück. Beide Anbieter stellten klar, dass sie Abweichungen vom prognostizierten Strombedarf über offene Lieferverträge ausgleichen und eben nicht an der EEX zukaufen. Die festgelegten Mengen für offene Lieferverträge können sich in verschiedenen Größenordnungen bewegen. Dies ist jedoch vorher, innerhalb eines definierten Zeitrahmens, anzumelden. Der Vertrag kommt somit einer ständig verfügbaren Option gleich, die immer sofort dann gezogen wird, wenn der notwendige Bedarf höher ist als der prognostizierte. Dadurch, dass das Prognose- und Volumenrisiko dem Anbieter des offenen Liefervertrages obliegt, sind offene Lieferverträge deutlich teurer. »Unsere Methode ist sicherlich nicht die billigste, aber die glaubwürdigste«, erklärte Robert Werner, Vorstandsmitglied von Greenpeace Energy.

»Es gibt viele Gründe, zu Ökostromanbietern zu wechseln«, sagt Uwe Leprich, Energieexperte von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, »aber der Strom selbst gehört nicht dazu.«
Resümee

Die Naturstrom AG ist als einziger Anbieter mit dem „Grünen Strom Label“ ausgezeichnet. Greenpeace Energy und EWS ziehen auch keine RECS*-Herkunftsnachweise heran und sind daher ebenfalls ein guter Tipp. Da die Preise Schwankungen unterworfen sind, sollten diese regelmäßig verglichen werden.
So wie es aussieht, ist momentan das „Grüne Strom Label“ das zuverlässigste Gütesiegel für Ökostrom, da es einerseits ein Mischmodell (aus Händler- und Fondsmodell) ist und auf zweifache Weise grünen Strom garantiert und andererseits lässt es RECS als Herkunftsnachweis nicht gelten.
Was sofort und unmittelbar unserem Klima hilft, ist nach wie vor das Energiesparen, aber bitte nicht mit Energiesparlampen wie in vorangegangenen Ausgaben schon berichtet.

* Renewable Energy Certificate System = Grünstromzertifikat = RECS
Buch-Tipp:

1„Die Ökolüge“
Wie Sie den grünen Etikettenschwindel durchschauen von Stefan Kreutzberger, 288 S.,
broschiert, 16,90 €, Econ
ISBN 978-3-430-30045-2

 

Der Autor:
Dieter Schmitt beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit dem Thema Wasser und allen verwandten Themen wie z. B. Ernährung, Salz usw. Er ist Autor des „Wasser-Praxisbuches“ ISBN 978-3-930403-61-5 das im www.Siva-Natara-Verlag.de erschienen ist. 

Weitere Informationen zum Thema Wasser finden Sie auch auf der Internetseite:

www.belebtes-wasser.de

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Kontakt:

Dieter Schmitt
Am Höchberg 34
97234 Reichenberg

 

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Copyright 2000 – 2011 Dieter Schmitt

 

 

Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin.