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Stress durch Elektrosmog von Dr. Dietrich Moldan
Eine 70-jährige Frau kann nachts nicht mehr schlafen. Sie wälzt sich unruhig im Bett, findet keinen erholsamen Schlaf, bekommt Schweißausbrüche, muss mehrmals in der Nacht den Schlafanzug wechseln. Regelmäßige Arztbesuche, immer neue Medikamente und Therapien schlagen nicht an. Dieser Zustand dauert schon zwei Jahre. Die Frau ist verzweifelt. Durch Zufall bekommt sie Kontakt zu einem Baubiologen, dem sie von ihren Problemen erzählt und der eine Untersuchung ihres Schlafplatzes vorschlägt. Er nimmt in der Wohnung der alten Dame verschiedene Messungen vor. Augenfällig sind für ihn die beiden Steckdosen an der rechten und linken Seite des Bettes, daran angeschlossen je ein Verlängerungskabel mit einem Nachttischlämpchen. Die Frau staunt nicht schlecht, als er einfach die Stecker herauszieht um 180 Grad dreht und wieder einsteckt. Diese einfache Maßnahme und eine zusätzlich eingebaute Netzfreischaltung für das Schlafzimmer bewirkt, dass die Frau zwei Wochen später absolut tablettenfrei ist und wieder erholsamen störungsfreien Schlaf findet. Die alte Dame ist glücklich und schöpft neue Lebenskraft. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, mit denen baubiologische Sachverständige ständig konfrontiert werden. Welche unerwünschten Nebenwirkungen und auch gesundheitlichen Gefahren von der zunehmenden Technisierung unserer Umwelt ausgehen können, wird oft verkannt. Den in Deutschland praktizierenden Baubiologen geht es nicht darum, Panikmache zu betreiben, sondern Informationen und Denkanstöße zu geben, wie man diese Gefahren reduzieren kann, ohne deswegen gleich auf angenehme Errungenschaften der Technik wie Fernseher oder Computer verzichten zu müssen. Im Fall der 70-jährigen stellte der Baubiologe beispielsweise fest, dass die zweiadrigen Kabel mit den Euroflachsteckern an den Nachttischlämpchen falsch eingesteckt waren, wodurch Bauteile des Gerätes unnötig unter Spannung standen und dadurch vergleichsweise hohe elektrische Wechselfelder erzeugten. Durch die Spannung und die Strahlung in unmittelbarer Nähe der Schlafstätte, wurde der Körper der Frau unnötig gestresst und reagierte auf schmerzliche Weise. Ein Zustand, der durch relativ einfache Maßnahmen geändert werden konnte. Schätzungsweise 4 Prozent der deutschen Bevölkerung sind als elektrosensibel einzustufen. Dabei sind Kinder, Kranke und Alte dreimal so sensibel gegenüber technischen Feldern wie ein gesunder erwachsener Mensch. Sie spüren gesundheitliche Veränderungen und Beeinträchtigungen sobald sie Feldern ausgesetzt sind, seien es elektrische Wechselfelder von Stromkabeln und netzbetriebenen Geräten, magnetische Wechselfelder von stromdurchflossenen Leitungen und Transformatoren, Wellen von Funk, Fernsehen, Radar und getakteten Mobilfunktelefonen, elektrische Gleichfelder von Synthetikmaterialien, magnetische Gleichfelder von Metallteilen und Gleichstrom. Ursache "Elektrosmog"? In den letzten Jahren taucht das Wort "Elektrosmog" immer öfter in Presse, Funk und Fernsehen auf. Eine klare Definition gibt es nicht. Elektrosmog entsteht, wenn Elektrizität produziert, transportiert oder verbraucht wird, wenn elektrische Spannung anliegt oder elektrischer Strom fließt. Neben den gewünschten Wirkungen treten auch unerwünschte Nebenwirkungen auf. Der Begriff Elektrosmog soll die Belastung durch technische Felder und Wellen umschreiben und vor deren gesundheitlichen Gefahren warnen. Immer wieder also leiden Menschen unter bestimmten Symptomen, die nicht sofort diesen Feldern und Wellen zugeordnet werden können. Hier liegt das Problem: Jeder Mensch reagiert anders. Außerdem führt oft erst die Summe an Belastungen durch Strom und Strahlung, Luftschadstoffe, Schimmelpilze, Chemie im täglichen Gebrauch, Medikamente, Ernährung, Amalgam usw. zum Auslösen bestimmter gesundheitlicher Beeinträchtigungen, Krankheiten und Allergien. Wenn solche Symptome auftauchen, ist es sicher sinnvoll von qualifizierten Baubiologen entsprechende Untersuchungen durchführen zu lassen. Informationen gibt es über den Verband der deutschen Baubiologen, der auch ein kostenloses Sorgentelefon unter der Nummer 0800/2001007 eingerichtet hat. Baubiologen und Mediziner, die mit Umweltanalytikern zusammenarbeiten, stellen wiederholt fest, dass nach dem Beseitigen einer oder mehrerer Störquellen die gesundheitliche Beeinträchtigung des Menschen nachlässt oder ganz verschwindet. Plausible, durch Studien, Blindversuche oder Doppelstudien abgesicherte Erklärungsmodelle fehlen oft, so dass viele Wissenschaftler und Schulmediziner keine gesundheitsbeeinträchtigenden Ursachen im Elektrosmog sehen. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse über die „Nebenwirkungen“ des Elektrosmogs sind die existierenden Grenzwerte als eindeutig zu hoch anzusehen. (4, 17, 18, 20, 24) Zum besseren Verständnis der komplizierten Materie der Elektrizität sollen im Folgenden einige grundlegende Begriffe näher erläutert werden. Bewegte und ruhende Felder Zu den bewegten Feldern gehören die elektrischen und magnetischen Wechselfelder und die hochfrequenten Wellen. Unter Frequenz versteht man, wie viele Schwingungen pro Sekunde stattfinden. Die Einheit hierfür ist Hertz (Hz) so benannt nach dem deutschen Physiker Heinrich Hertz. Die Wechselfelder weisen Frequenzen zwischen 1 und ca. 30.000 Hertz (30 Kilohertz) auf man spricht von niederfrequenten Schwingungen. Der Übergang zur Hochfrequenz ist nicht starr, sondern erfolgt zwischen 30 kHz und 100 kHz. Die Hochfrequenz geht dann über den Megahertzbereich MHz (Millionen Schwingungen pro Sekunde) in den Gigahertzbereich GHz (Milliarden Schwingungen pro Sekunde) und endet bei etwa 300 GHz, den Mikrowellen. Im Anschluss daran folgen die elektromagnetischen Wellen von Infrarot, sichtbarem Licht und Ultraviolett, sowie der Röntgen- und Gammastrahlung. Zu den ruhenden Feldern gehören die elektrischen und magnetischen Gleichfelder, auch unter Elektrostatik und Magnetostatik bekannt. Die bewegten Felder sind zwar kritischer einzustufen als die ruhenden, dennoch sollte man vor allem im Schlafbereich Felder beider Arten vermeiden. Dies ist oft ohne komplizierte oder teure Maßnahmen schnell möglich. Wichtig ist nur, Missstände rechtzeitig zu erkennen und sich zu informieren, wie Abhilfe geschaffen werden kann. Elektrische Wechselfelder Unsere Stromversorgung wird mit einer Wechselspannung von 230 Volt (V) bei einer Frequenz von 50 Hz betrieben. Das bedeutet für unsere Hausstromversorgung, dass 50-mal pro Sekunde eine positive und 50-mal pro Sekunde eine negative Spannung anliegt. Es erfolgen somit 100 Ladungsumkehrungen pro Sekunde. Im Vergleich dazu arbeitet eine Batterie mit Gleichspannung von z. B. 9 Volt. Es erfolgen also keine Ladungsumkehrungen und somit kein Einfluss auf das biologische System. Durch elektrische Wechselspannungen in elektrischen Geräten, Leitungen und Installationen entstehen elektrische Wechselfelder. Diese breiten sich strahlenförmig rund um ihre Quelle aus. Das heißt: je größer der Abstand, desto geringer ist das Feld. Schuko oder Euro? Elektrische Wechselfelder sind auch an allen nicht abgeschirmten Stromkabeln, netzbetriebenen und nicht geerdeten Geräten sowie bei elektrisch leitfähigen Materialien in unmittelbarer Nähe von Stromkabeln messbar. Viele elektrische Kabel sind nicht mehr dreiadrig, sondern aus Kostengründen nur noch zweiadrig und ohne Schutzleiter ausgestattet. Die Stecker dazu fallen unter den Begriff "Euro-Flachstecker" und sind heute an den meisten Geräten wie Radio, Kassettenrecorder, Nachttischlampe, usw. zu finden. Diese Geräte weisen ein Kunststoffgehäuse bzw. nicht metallisches Gehäuse auf. Hier treten, physikalisch bedingt, drei- bis viermal so große elektrische Wechselfelder auf, denn ihnen fehlt die Ableitung des elektrischen Feldes über den Schutzleiter in die Erde. Im Gegensatz dazu gibt es Schuko-Stecker. "Schuko" ist die Kurzbezeichnung für Schutzkontakt. So werden Stecker bezeichnet, die ein dreiadriges Kabel haben und an den Schutzleiter (Erdung) angeschlossen sind. Aufgenommen und weitergeleitet werden elektrische Wechselfelder von allen elektrisch leitfähigen Materialien. Sie sind auch bei nicht direkt an das Stromnetz und somit nicht direkt unter Spannung stehenden Materialien anzutreffen, wie Stahlträgern ohne direkten Erdkontakt und anderen metallischen Materialien wie Federkernmatratzen, Stahlrohrmöbeln (Bettrahmen, Schreibtische, Stühle) oder Heizkörpern mit Kunststoffrohren und somit fehlender Erdung. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich diese in der Nähe von elektrischen Wechselfeldern, wie z. B. in der Nähe eines Verlängerungskabels befinden. Unter Strom stehen Neben Metallen nehmen auch Flüssigkeiten, z. B. die im menschlichen Körper, elektrische Felder auf.
Dabei reagiert jeder Körper auf Grund seiner geometrischen Abmessungen und jedes innere Körperteil unterschiedlich stark auf die Felder und deren Frequenzen. Das elektrische Wechselfeld verursacht im Körper einen Strom, der die körpereigenen Ströme überlagert und sie verändert. In der Praxis sind Schlafstörungen, nächtliches Schwitzen, Unruhe, Angst, Depressionen und Kopfschmerzen als erste Folgen festzustellen [11, 13, 14, 27, 31]. Die Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) haben 1984 in einer Arbeitsinformation [15] mitgeteilt, dass die Reizung der Nervenzellen bereits bei Spannungen oberhalb von 15 20 Millivolt stattfindet. Die künstlichen elektrischen Wechselfelder können jedoch im Körper Spannungen von deutlich über 1.000 Millivolt (1 Volt), ja bis hin zu über 100.000 Millivolt (100 Volt) verursachen [24, 30, 31, 48]. Die größte Empfindlichkeit der Nerven lässt sich bei ungefähr 50 Hz feststellen. Strahlungsarme Monitore Ein Ergebnis intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema Elektrosmog am National Council for Metrology and Testing, MPR, Stockholm, sind strahlungsarme Computer-Monitore. Die ersten Begrenzungen der Felder und Wellen erfolgten durch die Mess- und Emissionsrichtlinie für Computerarbeitsplätze in der MPR-Norm. Ihr folgten die MPR II-Norm und die TCO-Norm [43]. Seit 1995 liegt der Entwurf der MPR III-Norm vor. MPR- und TCO-Normen sind heute Standard für jeden Monitor. Die Geräte sind auch entsprechend gekennzeichnet. Die TCO-Norm wurde von der schwedischen Zentralorganisation der Angestellten und Beamten in Stockholm zusammen mit Vertretern von Regierung und Behörden, Herstellern von elektrischen und elektronischen Geräten, dem Verband der schwedischen Elektroindustrie und dem Naturschutzverein entwickelt. Nach der TCO-Norm dürfen 30 cm vor einem Bildschirm nicht mehr als 10 V/m (Volt pro Meter) gemessen werden (Tabelle 1).
Die deutsche Norm DIN/VDE 0848 des Verbands deutscher Elektrotechniker schreibt als Grenzwert für die Bevölkerung 7.000 V/m vor. Dies ist insofern unverständlich, als im Gegensatz dazu kritische Wissenschaftler insbesondere für Ruhebereiche weniger als 10 V/m empfehlen. Dieser Wert wurde durch zahlreiche Untersuchungen von Schlafplätzen bestätigt [13, 16, 27, 30, 48] und wird z. B. auch in den "Baubiologischen Richtwerten für Schlafbereiche" berücksichtigt [25]. Die Maßnahmen zum Reduzieren und Beseitigen der elektrischen Wechselfelder sind vielfältig und meist kostengünstig. Dazu gehören z. B. das Umpolen von Steckern, so dass nicht mehr der Nullleiter, sondern die Phase am Schalter unterbrochen wird, der Phasentausch im Sicherungskasten, das Erden von Geräten und Materialien, der Einsatz von Netzfreischaltern und schaltbaren Tischverteilerleisten, Abschirmmaterialien wie Farben, Putze und Vliese oder einfach das Umstellen des Bettes in eine störungsfreie Zone. Anzumerken ist auch, dass der unnötige "Stand-by"-Betrieb von Geräten nicht nur Geld kostet, sondern auch jede Menge Felder produziert. Aber auch der bewusste Umgang mit verschiedenen Geräten, wie z. B. Heizkissen und Wasserbetten, reduziert die Feldbelastung ohne Verzicht auf den üblichen Komfort. Beim Neubau von Häusern sollte auf eine bewusste Leitungsführung geachtet und je nach örtlichen Gegebenheiten abgeschirmte Kabel und Netzfreischalter eingesetzt werden. Magnetische Wechselfelder Sie sind immer dann vorhanden, wenn Wechselstrom durch Kabel, Leitungen und Transformatoren fließt. Im Gegensatz zu elektrischen Wechselfeldern entstehen magnetische Wechselfelder nur, wenn ein Gerät in Betrieb ist, also Strom fließt. Rund um den stromdurchflossenen Leiter wird ein Feld aufgebaut, welches mit zunehmenden Abstand deutlich abnimmt. Verursacht werden die magnetischen Wechselfelder zum Beispiel durch mangelhafte Elektroinstallationen, Transformatoren in Geräten und Umspannanlagen in Kellern von Häusern in Städten, Niedervolthalogenanlagen, verschiedene Hausstromversorgungsleitungen und Hochspannungsleitungen. Übrigens: Deutschland ist überzogen von mehr als 110.000 Kilometern Hochspannungsleitungen und insgesamt rund 500.000 km Stromleitungen ab 400 V [47] sowie ungezählten Kilometern Freileitungen und nicht frei sichtbaren Erdleitungen. Hinzu kommen mehr als 18.000 km elektrifizierte Eisenbahnlinien [7]. Der Weg des geringsten Widerstandes Die elektrischen Eisenbahnen werden in Deutschland mit einer Frequenz von 16,7 Hz betrieben. Im Bereich der elektrifizierten Eisenbahnlinien fließt der Strom über die Hochspannungsoberleitung zur Lokomotive und über die Schienen bzw. das Erdreich zurück. Der Strom sucht sich hierbei den Weg des geringsten Widerstandes: einmal ist es mehr die Schiene, ein andermal mehr das feuchte Erdreich oder die metallischen Versorgungsleitungen im trockenen Boden. So kann man nicht nur in der Nähe von Eisenbahnlinien diese Felder messen, sondern unter Umständen auch in größeren Entfernungen. Bei magnetischen Feldern wird in der Regel die magnetische Flussdichte ermittelt. Sie wird in Tesla T bzw. dem milliardsten Teil, in Nanotesla nT angegeben. Bei Niedervolthalogenanlagen können in nächster Nähe mit 5.000 – 7.000 nT annähernd so große Felder wie im Bereich von Hochspannungsleitungen gemessen werden. Bei mangelhaft ausgeführten Elektroinstallationen und älteren Häusern können vagabundierende Ströme auftreten. Hierbei fließt ein Teil des Stromes nicht mehr vollständig über den Rückleiter, den Nullleiter, sondern über Heizungs- oder Wasserleitungen zurück ins Erdreich. Somit werden große Felder verursacht. In neueren Elektroinstallationen sind Fehlerstromschutzschalter, sogenannte FI-Schalter, eingebaut, die die Stromversorgung in einem solchen Fall sofort unterbrechen. Gefährliches Schlummerlied Bei Transformatoren, wie sie in Telekommunikationsgeräten, Niedervolthalogen-anlagen, Radioweckern und elektrischen Uhren sowie HiFi-Anlagen eingebaut sind, werden in nächster Nähe 3.000 nT und mehr ermittelt [16, 24, 32, 48]. Bei vielen Geräten wird in der Regel die Spannungszufuhr erst hinter dem Trafo abgeschaltet. Kinderkassettenrekorder, die zum Einschlafen leise Musik spielen und sich daher in der Regel in unmittelbarer Nähe des Kinderkopfes befinden, sind nicht gerade harmlos. Nach dem automatischen Abschalten des Gerätes am Ende der Kassette steht der Trafo die ganze Nacht über weiterhin unter Spannung und verbraucht Strom. Zusätzlich werden permanent magnetische Wechselfelder verursacht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Geräte nach dem Gebrauch komplett vom Netz zu trennen. Kritisch ist auch der Einsatz von Radioweckern in unmittelbarer Nähe zum Kopf. Die Magnetfelder, die in 20 cm Entfernung durchaus 1.000 nT und mehr erreichen, können die Ursache u. a. für Migräne, Kopfschmerzen, Nervosität, Gereiztheit und Schlafstörungen sein [11, 14, 27, 31, 32]. Zahlreiche Studien wurden bisher über den Einfluss von magnetischen Wechselfeldern auf den Organismus durchgeführt. Magnetische Wechselfelder können besonders bei Kindern zu erhöhter Leukämie [12, 33, 49], Gehirntumoren [41, 45, 49] oder anderen Krebsarten [36, 41, 49] führen. Ratten, die ein chemisches Karzinogen zur Induzierung von Brustkrebs erhalten hatten, wurden 50 Hz-Feldern mit starken Feldstärken bis zu 30.000 nT und niedrigen von 300 bis 1.000 nT ausgesetzt. Selbst bei den schwachen Magnetfeldern ergaben sich Hinweise auf eine krebsfördernde Wirkung, wobei die statistische Absicherung noch fehlt [22]. Gestörter Biorhythmus Melatonin, das in der Zirbeldrüse produziert wird, spielt beim menschlichen Biorhythmus, bei Wachstum, Fortpflanzung und im Immunsystem eine wichtige Rolle. Die nächtliche Melatoninsynthese wird durch die Einwirkung magnetischer und elektrischer Wechselfelder reduziert. Eine gehemmte Melatoninproduktion könnte für degenerative Veränderungen wie Parkinson und Alzheimer, für Depressionen und Schlafstörungen verantwortlich sein [35]. Auch der Kalziumstoffwechsel in den Zellen, verantwortlich für die Zellkommunikation, kann durch magnetische Felder beeinflusst werden [2]. Die Bildung der Erbsubstanz und die Steuerung des Größenwachstums von Zellen wird durch den Kalziumstoffwechsel gesteuert. Grenzwerte ohne Grenzen Die schwedische TCO-Norm schreibt für Monitore in 30 cm Abstand maximal 200 nT vor. Ebenso niedrig sind die Empfehlungen für schwedische Kindergärten oder für kalifornische Neubaugebiete im Bereich von Hochspannungsleitungen. Wissenschaftler haben im Auftrag der amerikanischen Umweltbehörde EPA während neun Jahren in allen verfügbaren Forschungsarbeiten den Einfluss elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen analysiert [34]. Seit 1996 empfiehlt daher der US-Kongress 200 nT als Grenzwert. Die deutsche Norm sieht für die Bevölkerung einen Grenzwert von 400.000 nT vor. Kritische Wissenschaftler empfehlen für den Schlafbereich dagegen maximal 100 nT [9, 46]. Es ist deshalb zu empfehlen mit "Grenzwerten" jeder Art vorsichtig umzugehen. Oft lohnt es sich zu recherchieren, vor welchem Hintergrund und von wem Grenzwerte festgelegt werden. Einfach mal abschalten Kleine Felder lassen sich oft einfach reduzieren: Gerät abschalten, wenn es nicht mehr gebraucht wird oder bei Dauerverbrauchern entsprechend Abstand nehmen. Eine Sanierung der mangelhaften Elektroinstallation trägt ihren Teil dazu bei. Auf Niedervolthalogenanlagen in Form von Deckenseilkonstruktionen und Schreibtischlampen sollte verzichtet werden. Bei räumlich größeren Feldbelastungen in Wohngebieten kann ein Gespräch mit dem Energieversorgungsunternehmen vielleicht den gewünschten Erfolg erzielen. Elektromagnetische Wellen Zur kabelungebundenen Übertragung von Informationen bedient man sich der Hochfrequenz. Das elektrische Feld und das magnetische Feld verschmelzen zur elektromagnetischen Welle, wenn sie von einem Sender aus abgestrahlt werden. Entsprechend der Wellenlänge, die sich aus der Anzahl der Schwingungen pro Zeiteinheit ergibt, senden verschiedenste Betreiber wie Rundfunk, Fernsehen und Mobilfunk ihre Informationen in den Äther. Zusätzlich werden aber auch im häuslichen Bereich Wellen erzeugt, z. B. durch schnurlose Telefone, Babyphone, ferngesteuertes Spielzeug, Mikrowellenherde oder Monitore. Zur Versorgung der Menschen mit Rundfunk- und Fernsehprogrammen sind nur wenige Sender mit jedoch hoher Sendeleistung notwendig im Vergleich zur flächendeckenden Versorgung im Mobilfunkbereich mit niedrigen Sendeleistungen. In Deutschland gibt es über 100.000 Sendeanlagen (Tabelle 2). Die enorme Anzahl an Funktürmen und -anlagen wird bereits als flächendeckende Verseuchung bezeichnet [24]. Andere wiederum sehen im hemmungslosen Einsatz künstlicher elektromagnetischer Felder mit deren bisher erst zum Teil bekannten Gesundheitsstörungen eine elektromagnetische Umweltverschmutzung [1].
Gefahr Handy Von besonderer Bedeutung sind die Mobilfunknetze D1, D2, E-Plus und E2 sowie die schnurlosen Telefone nach dem DECT-Standard. Völlig neu ist hierbei, im Gegensatz zu den bekannten Radio- und Fernsehsendern, dass es sich nicht mehr um eine permanente Strahlung handelt, sondern um pulsmodulierte digitale Netze, die mit einem niederfrequenten kontinuierlichen Puls von 217 bzw. 100 Hz arbeiten. Das bedeutet, dass z. B. beim Mobilfunk 217 mal pro Sekunde die Funkverbindung zwischen Handy und Basisstation aufgebaut wird. Gleiches gilt für die DECT-Telefone, deren Basisstationen permanent mit 100 Hz senden, 24 Stunden pro Tag und oft vom Nachttisch des Benützers aus. Im Frühjahr 1999 gab es für die 386 Millionen Bewohner Westeuropas rund 100 Millionen Handys. Spitzenreiter ist Italien mit 21 Millionen, gefolgt von Deutschland mit 15, Großbritannien mit 14 und Frankreich mit 12 Millionen. Bezogen auf die Bevölkerung haben rund 60 % der Finnen ein Handy, gefolgt von Schweden mit 53 % und Norwegen mit 49 %. In Deutschland sind es vergleichsweise gerade mal 18 %. Bereits zum Ende des Jahrtausends verfügten etwa 22 Millionen Deutsche über ein Handy und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Schätzungen gehen davon aus, dass der Festnetzanschluss des Telefons in den nächsten 10 Jahren nur noch von einer absoluten Minderheit genützt werden wird. High Tech auf Kosten der Gesundheit? Schon heute gibt es zahlreiche Geräte, die drahtlos miteinander kommunizieren, wie z. B. der Kopfhörer des Fernsehers, die Maus des Computers oder die Wetterstation im Freien. In Zukunft soll das DECT-Telefon zur Überbrückung "der letzten Meile" zwischen einer Sendeanlage an der nächsten Straßenlaterne und zu Hause die Ablösung vom Festnetz ermöglichen. Eine universelle Schnittstelle, Bluetooth genannt, soll künftig Handy, Notebook, Digitalkamera, Scanner, CD-Player und viele andere Geräte im häuslichen Bereich per Funk verbinden. Die zunehmende drahtlose Kommunikation erfordert aber auch das Errichten von immer mehr Sende- und Empfangsantennen bzw. die Erhöhung von Sendeleistungen, was ebenfalls zu bedenken ist. Gesundheitliche Störungen, wie Hormonstörungen, grauer Star und Störungen der Gehirnfunktion, Herzinfarkt [21], Stresssymptome, Immunschädigungen, Nervenreizungen, Schwindel, Ohrensausen und Erbgutschädigung werden mit der hochfrequenten Strahlung in Verbindung gebracht [44]. Für die Beurteilung der Art, Stärke und Dauer von Hochfrequenz sind Analysen des Frequenzspektrums und Langzeitaufzeichnungen unerlässlich. Diese sollten nur von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden. Der Mensch reagiert schon auf kleinste HF-Reize ab einer Leistungsdichte von 10 Picowatt (billionstel Watt) pro cm2 mit der veränderten Kalziumabgabe der Hirnzellen [17]. Kalziumionen werden für den Informationsaustausch zwischen dem Zellinneren und der Umgebung benötigt. In elektromagnetischen Feldern wurde eine Reduzierung der Immunreaktion von Zellen um 62 % beobachtet [6]. Alarmierende Versuchsergebnisse In Tierversuchen haben schon geringe Intensitäten zu Veränderungen im Flucht- und Lernverhalten von Ratten geführt. Bei Mäusen, deren Anlagen zu Krebs gentechnisch verändert wurden, wurde nach einer neunmonatigen, zweimal täglich halbstündlichen Bestrahlung mit Mobilfunkfrequenzen, mehr als eine Verdoppelung der Lymphknotenkrebsrate gefunden [40]. Auf die Katarakt-Bildung (grauer Star) und Missbildungen bei Hühnerembryonen [46] sowie Rindern wurde ebenfalls hingewiesen. Im Alltag werden durch den Einsatz der Hochfrequenztechnik in der Telekommunikation Schwindelgefühle, Herzrhythmusstörungen, Augentränen, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Unruhezustände, Ohrengeräusche, Schlafstörungen sowie Konzentrationsschwierigkeiten festgestellt [1, 14, 27, 30, 31, 48]. Schutz vor Strahlung Ungepulste und gepulste elektromagnetische Wellen dringen ungehindert in unsere Arbeits-, Wohn- und Schlafbereiche ein oder werden dort selbst erzeugt. Sind die HF-Quellen, wie z. B. DECT-Telefone, im häuslichen Bereich, so ist mit Abschalten, Abschirmen und Ausweichen ein erster Schritt getan. Gegen Bestrahlung von außen können je nach örtlicher Gegebenheit HF-reduzierende Stoffe, Vliese, Folien, Tapeten, Putze und Gitter eingesetzt werden. Bei Wärmeschutzverglasung bewirkt die hauchdünne Edelmetallbedampfung, dass keine hochfrequente Strahlung in das Gebäude eindringen kann. Proteste gegen zu hohe Grenzwerte Am 1. Januar 1997 trat in Deutschland die 26. Bundesimmissionsschutz-Verordnung (26. BImSchV) [5] trotz scharfer Proteste zahlreicher Wissenschaftler, Umweltverbände und Parteien in Kraft. Der Anwendungsbereich wurde stark eingeschränkt: im niederfrequenten Bereich werden nur die 16,7 und 50 Hz Frequenzen und zusätzlich erst ab einer Spannung von 1.000 V berücksichtigt, wodurch der gesamte Bereich der elektrischen Energieversorgung mit 230/400 V im Haushaltsbereich ausgeklammert wurde. Im hochfrequenten Bereich werden nur Sendeanlagen, die gewerblichen Zwecken dienen oder im Rahmen wirtschaftlicher Unternehmungen Anwendung finden und zusätzlich nur im Bereich von 10 MHz bis 300 GHz arbeiten, erfasst. Der Bereich von 0,1 bis 10 MHz, in dem unter anderem der Betrieb der Kurz-, Mittel- und Langwellensender erfolgt, wurde nicht berücksichtigt.
Die Grenzwerte sind vergleichsweise extrem hoch (Tabelle 1). Sie dürfen im niederfrequenten Bereich bei elektrischen und magnetischen Feldern kurzfristig um 100% und bei elektrischen Feldern kleinräumig – außerhalb von Gebäuden – auf Dauer um 100% überschritten werden. Im hochfrequenten Bereich werden die Sender-Feldstärken als Mittelwerte über Sechs-Minuten-Intervalle erfasst. Unter einer Mittelwertbildung kann man sich folgendes vorstellen: erhält eine Person einen Tag lang jede Stunde eine kräftige Ohrfeige, so wurde sie im Mittel doch nur sanft gestreichelt. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn nicht nur die Beurteilung der Mittelwertbildung ohne Berücksichtigung der Leistungsspitzen deutlich kritisiert wird [4, 17, 18, 26]. Elektrische Gleichfelder (Elektrostatik) Elektrische Gleichfelder entstehen durch elektrische Spannungsunterschiede an der Oberfläche von Materialien, beispielsweise durch Reibung. Bei Kunststoffen und synthetischen Produkten kommt es überwiegend zu negativen Aufladungen, die sich nur langsam oder überhaupt nicht entladen. Synthetische Materialien weisen fast immer unnatürlich hohe Potentiale auf. Natürliche Materialien haben fast immer positive Aufladungen, die schwächer sind und sich meist schneller abbauen. Beim "elektrischen Schlag", der elektrostatischen Entladung, weist der Körper bereits einen Spannungsunterschied von mindestens 2.000 V zur Umgebung auf. In der Computerbranche werden mit hohem Aufwand elektrostatische Aufladungen vermieden, da Spannungsunterschiede ab 100 Volt zu Zerstörungen elektrischer Bauteile führen. Störungsfreier Schlaf In manchen Wohnungen finden sich gehäuft Verursacher von elektrostatischen Feldern: Oberflächen von Kunststoffgardinen, -tapeten, -möbeln und -teppichen, Monitore, Plastiktüten, Schuhe mit Kunststoffsohlen, Synthetikkleidung und synthetische Schmusetiere von Kindern. Bildschirme brauchen je nach Typ mehrere Stunden bis Tage, um die nach dem Ausschalten noch vorhandenen Felder abzubauen. Fernseher und Monitore haben daher nichts im Schlafzimmer verloren. Durch die Aufladung der Kunststoffe werden unter anderem Schmutzpartikel und mit ihnen Sporen und Pilze angezogen. Elektrische Gleichfelder können Störungen in der Konzentration von lebenswichtigen positiv und negativ geladenen Luftionen verursachen [24]. Sie zerstören somit die Luftionisation und verursachen ein schlechtes Raumklima. Bei Menschen, die sich mit einem hohen Anteil synthetischer Materialien und Gegenstände in ihrer Wohnung oder am Arbeitsplatz umgeben, werden immer wieder Kopfschmerzen, Depressionen, Schnupfen, Schweißausbrüche, Asthmaanfälle und Atemwegsallergien beobachtet [11, 14, 16, 27, 32]. Abhilfe kann u. a. durch die Wahl geeigneter Naturmaterialien, Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und regelmäßiges Lüften erreicht werden. Elektrisch leitfähige Materialien können zusätzlich Hilfe leisten. Magnetische Gleichfelder Wir sind an jedem Ort der Erde von einem natürlichen magnetischen Gleichfeld umgeben: dem Erdmagnetfeld. Zusätzliche magnetische Gleichfelder, auch "statische Magnetfelder" genannt, werden durch Stahlteile und Gleichstrom verursacht. Im Alltag können uns im Schlafbereich Stahlträger und Lautsprecher sowie verschiedene Federkernmatratzen, Telefone, Heizkörper, Metallbadewannen und metallische Bettrahmen als Feldverursacher begegnen. Die magnetischen Gleichfelder können besonders bei Dauerbelastung beispielsweise zu Kopfschmerzen, Rücken- und Nackenverspannungen sowie Magen-Darm-Störungen führen [13, 27, 30, 32, 48]. Durch die künstlichen magnetischen Gleichfelder werden im Menschen störende elektrische Spannungen und Ströme verursacht, deren Höhe von der Feldstärke und der Geschwindigkeit, mit der der Körper durch das Feld bewegt wird, abhängt. Die Beseitigung von störenden magnetisierbaren Materialien ist nicht immer möglich. Deshalb muss durch ausreichenden Abstand, abhängig von der Stärke der Feldquelle, eine störungsfreie Zone gesucht werden. Fazit: Die Auswertung von etwa 10.000 Untersuchungen in Häusern und an Arbeitsplätzen verschiedener baubiologischer Sachverständiger [11, 13, 14, 16, 27, 30–32, 48] ergab, dass mindestens jede dritte Person durch technische Felder in ihrer Gesundheit deutlich beeinträchtigt wird. Junge und alte Menschen, Kranke und solche mit instabilen und geschädigten Immunsystemen reagieren deutlich stärker auf den Einfluss von technischen Störfeldern als Gesunde und Erwachsene. Nach der Entfernung der Störquellen konnten die Betroffenen wieder ohne gesundheitliche Beeinträchtigung leben, arbeiten und schlafen. Daher sollte gerade in der Nacht, der Zeit der Regeneration und Erholung des Körpers vom Tagesstress, auf einen störungsfreien Schlafplatz geachtet werden. Immerhin verbringen wir dort rund ein Drittel unseres Lebens.
Kontaktadresse: Dr.
Dietrich Moldan
Am Henkelsee 13 97346 Iphofen Tel.: 093 23/87 08 10 Dieser Artikel erschien leicht gekürzt und ohne Angabe von Literaturstellen und Tabellen in der Zeitschrift "Natur & Heilen" im Heft 9/2000. Die in Klammer angegebenen Zahlen z. B. (16) beziehen sich auf Literaturstellen, die Sie beim Lichtstrahl-Verlag erhalten können.
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