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Klassische Homöopathie -
Mit Ähnlichem sanft heilen

von Birgit Hartmann

 

 

"Die Homöopathie ist eines der wenigen Spezialgebiete der Medizin, das keine Nachteile, sondern nur Vorteile mit sich bringt."

Yehudi Menuhin

zum Ende

 

Man hört und liest aller Orten, dass in unseren Tagen das Zeitalter der Information begonnen habe. Information ist das Zauberwort seit den 90er Jahren. Information: Das sind geheimnisvolle Codes in derartig grossen Mengen, dass sie nur ein Kasten namens Computer bewältigen kann. Und wer sich damit auskennt, dem gehört die Zukunft.

Information ist aber in der alternativen Medizin nichts Neues mehr. Es gibt eine Heilmethode, die darauf fußt: die klassische Homöopathie. In ihr werden Arzneimittel verwendet, die eine spezielle, wenn man so will, "Heilungs-Information" in sich tragen. In der homöopathischen Arznei muss von der Ursubstanz, aus der sie gewonnen wird, kein einziges Molekül mehr vorhanden sein. Doch sie wirkt!

Im Gegensatz zur Technik des Computers gibt es die Heilkunst der Homöopathie schon seit geraumer Zeit. Sie wird aber – darauf deutet alles hin – ein fester Bestandteil einer Medizin der Zukunft sein, so lautet auch ein Buchtitel des griechischen Homöopathen Georges Vithoulkas. Er hat 1996 den alternativen Nobelpreis für seine Verdienste in der Homöopathie bekommen. Genau in diesem Jahr wurde auch die Homöopathie 200 Jahre alt.

Die Geburt der Homöopathie

Entdeckt und formuliert hatte dieses homöopathische Prinzip Dr. med. Friedrich Christian Samuel Hahnemann.

Samuel Hahnemann wurde am 10. April 1755 in Meißen als Sohn eines Porzellanmalers geboren. Er hatte noch vier Geschwister und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Das Schulgeld konnte sein Vater nicht bezahlen, so wurde er von Vater und Mutter unterrichtet. Sein Vater legte großen Wert auf selbständiges Denken und Handeln und so bekam er schon in jungen Jahren Denksportaufgaben gestellt, über die er solange sitzen musste, bis er sie gelöst hatte, was er dann später bei der Entwicklung der Homöopathie gut gebrauchen konnte. In Leipzig studierte er Medizin und nebenher auch Chemie. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit Übersetzungen medizinischer Schriften, denn er beherrschte acht Sprachen. Hahnemann konnte sich mit den Behandlungsweisen der damaligen Zeit nicht identifizieren und verurteilte sie in mehreren Schriften aufs Schärfste. Die Methoden der Medizin jener Zeit nämlich waren nichts für zimperliche Patienten: Um sie von schädlichen Körpersäften zu befreien, waren Klistiere, Aderlässe, die Verabreichung von Brechmitteln und giftigen Stoffen an der Tagesordnung. Mancher Patient, der die Krankheit überlebt hätte, ging statt dessen an der "Therapie"“ zugrunde. Mit der Zeit gab Hahnemann seinen Beruf auf. Er forschte, schrieb und übersetzte Bücher, damit er seine elf Kinder ernähren konnte.

Der Chinarinden-Versuch

Hahnemann arbeitete an der Übersetzung einer Abhandlung über Heilkräuter, die von Dr. Cullen, einem schottischen Pharmakologen, verfasst worden war. Er stiess sich dabei an einem Passus über die Wirkung der Chinarinde bei der Behandlung von Malaria. Cullen schrieb die Wirkung den bitteren, zusammenziehenden Eigenschaften der Chinarinde zu. Doch Hahnemann fragte sich, warum andere Stoffe, die noch wesentlich bitterer waren, dann keine Wirkung bei der Behandlung von Malaria zeigten. Um besseren Aufschluss über die Wirkung zu gewinnen, nahm er mehrere Dosen dieses Mittels im Selbstversuch ein.

Ähnliches heilt Ähnliches

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Erstaunliches geschah! Hahnemann bekam nach jeder Einnahme für kurze Zeit Symptome, wie sie ein Malariakranker hat: Fieber, Schweißausbrüche, Schüttelfrost, Schwächeanfälle. Das Mittel aus der Chinarinde bewirkte beim Gesunden Symptome, ähnlich denen, die es beim Kranken bekämpft. Aber was sollte das bedeuten?

"Ähnliches heilt Ähnliches" Hahnemann wiederholte den Chinarinden-Versuch an Familienangehörigen und Freunden. Sodann probierte er es auch mit anderen Stoffen. Als "Arzneimittelprüfungen" gingen diese Versuchsanordnungen in Hahnemanns Lehre ein. Die Ergebnisse dieser Prüfungen deckten sich in einem Prinzip: Das, was den Kranken gesund macht, ruft beim Gesunden Symptome hervor, die der Krankheit ähnlich sind. Das erste Prinzip einer neuen Lehre war entdeckt:

"Similia similibus curentur", zu deutsch: "Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden".

Dieser Grundsatz wird kurz Simileprinzip oder Ähnlichkeitsregel genannt. Ganz neu war das zu Hahnemanns Zeit allerdings nicht. Schon in den untergegangenen Kulturen der Menschheit, wie der Mayakultur, war nach diesem Prinzip geheilt worden. Im europäischen Kulturkreis hatten es Ärzte wie Hippokrates 460 - 375 v. Chr. und Paracelsus 1493 - 1541 bereits gekannt. In der Schulmedizin zur Zeit Hahnemanns hatte sich jedoch das Gegenteil durchgesetzt: Ein Stoff, der zur Arznei taugte, sollte Wirkungen hervorbringen, die den Symptomen der Krankheit nicht ähnlich waren, sondern diese geradezu unterdrückten. Ein Grundsatz, der auch heute noch jedem Arzt beigebracht wird.

Samuel Hahnemann nannte seine eigene Lehre "Homöopathie", ein Begriff, den er aus den griechischen Wörtern "homoios" (ähnlich) und "pathos" (Leiden) zusammensetzte. Die Schulmedizin bezeichnete er demgegenüber als "Allopathie", aus dem Griechischen "alloion" (andersartig, gegensätzlich).

Verdünnung und Verschüttelung

Doch damit war Hahnemanns Entdeckungszug keineswegs zu ende. Denn bei Versuchen mit der Arznei ohne Bearbeitung (das heißt in der Ursubstanz) stellte Hahnemann fest, dass je nach Ausgangsstoff entweder die Arzneireaktion beim Kranken zu stark war (Nebenwirkungen, heftige Erstverschlimmerungen z. B. durch Gifte), oder sie war ungenügend, wegen zu geringer Aufschließung des Arzneistoffes (z. B. unlösliche Mineralstoffe oder Metalle). Zur Vermeidung dieser – wie er es nannte – "Erstverschlimmerung", die er auf eine zu hohe Dosierung zurückführte, ging Hahnemann dazu über, seine Mittel zu verdünnen. Er nahm einen Teil der von ihm hergestellten Urtinktur und fügte ihm 99 Teile Weingeist hinzu. Das Mischungsverhältnis betrug also 1:100. Um beide Flüssigkeiten gut zu vermischen, tat Hahnemann ein übriges: Er schüttelte die Mixtur auf eine bestimmte Weise, indem er mit dem Behälter, in der sie sich befand, auf ein harte Unterlage schlug – genau 100mal. Wie Hahnemann auf ausgerechnet dieses Verfahren kam, das "Verschüttelung" genannt wird, ist nicht genau nachzuvollziehen. Es war wohl geniale Intuition, die ihm den Weg zum Erfolg wies.

Das Ergebnis der Verschüttelung war jedenfalls, dass es bei den nun verabreichten Mitteln keine so starken Erstverschlimmerungen mehr gab. Obendrein ergab sich etwas Paradoxes: Obwohl nach üblichem Verständnis "weniger drin" war in der Arznei, wirkte sie offenbar effektiver – und dies umso mehr, je höher der Verschüttelungsgrad war. Hahnemann nannte diese Wirkungssteigerung "Potenzierung", es kommt aus dem Lateinischen "potentia"= die Kraft.

Die Potenzen

Hahnemann stellte eine Centesimal- (= Hunderter) Skala seiner Potenzierungen auf. Das eben beschriebene Verhältnis 1:100 ergibt eine C1-Potenz. Gibt man vom so potenzierten Mittel wiederum 1 Teil zu 99 Teilen Weingeist und verschüttelt das Gemisch, so erhält man eine C2- Potenz. Und so fort kann man immer weiter verdünnen, verschütteln und somit potenzieren.

In der klassisch homöopathischen Praxis sind Arzneimittel in der 30. oder 200. Potenz und noch weitaus höher üblich. Man kann sich vorstellen, welchen Aufwand die Herstellung einer solchen Arznei erfordert. Von der Ursubstanz enthalten diese Potenzen ab C12 kein einziges Molekül mehr.

In seine letzten Lebensjahren in Paris hat Hahnemann noch die Q-Potenzen (LM) entwickelt (= Quinquagintamille, also 50 000; röm. LM). Das Ausgangsmaterial ist die C3 als Verreibung. Davon wird 60 mg in 500 Tr. Alkohol gelöst. Jetzt wird 1 Tr. mit 100 Tr. Alkohol 100x verschüttelt das gibt die QI. Mit einem Tropfen von dieser Lösung werden 500 Globuli (Rohrzuckerkügelchen) befeuchtet. Nun wird wieder 1 Globulus in 1 Tr. Wasser aufgelöst und mit 100 Tr. Alkohol 100x verschüttelt, das ergibt die QII. Homöopathische Arzneimittel sind also Energiestrukturen und ihre Herstellung ist ein Verfahren zur Gewinnung dieser Energiestrukturen aus physischen Stoffen und zu ihrer Umwandlung in ein übertragbares und aufbewahrungsfähiges Medium.

Wie ist es aber möglich, dass diese Energiestrukturen auf den Menschen wirken?

Der Patient als ganzer Mensch

Die herkömmliche Medizin betrachtet den menschlichen Körper als Objekt, das ständig von bösen Viren und Bakterien belagert wird – wie eine mittelalterliche Burg von Raubrittern. Sie trachtet danach, diese "Raubritter" wegzujagen, und nimmt dafür gewalttätige Mittel zur Hilfe, die zwar vordergründig ihren Zweck erfüllen, aber in Wirklichkeit die Krankheitssymptome unterdrücken und oft auf andere Organsysteme verschieben. Sogar die Festung, die es zu schützen galt, wird nicht ganz unversehrt gelassen, Mittel mit vielen Nebenwirkungen, die Störungen im Wohlbefinden und wiederum Leiden hervorbringen, werden gegeben. Ohne Zweifel kann auf die Schulmedizin nicht verzichtet werden, sie hat große Verdienste in vielen Bereichen, leider ist vieles in ihrer Entwicklung aus dem Fahrwasser einer humanen Behandlung des Patienten geraten.

Die "Kunst", Symptome zu missachten

Wenn zum Beispiel in Ihrem Auto die Warnleuchte für Ölmangel blinkt – was tun Sie da? Sie werden wohl das Öl nachfüllen und nicht die Warnleuchte austauschen oder beseitigen. Wenn nach kurzer Zeit wieder die Lampe blinkt, werden Sie in der Werkstatt die Ursache des zu vielen Ölverbrauchs klären lassen.

In der Schulmedizin aber gibt es die prinzipielle Tendenz, lieber die Warnleuchte zu beseitigen. Oder einen Lappen darüberzulegen, damit man ihr Blinken nicht mehr sieht. Manchmal wird auch die Stromzufuhr zur Warnleuchte unterbrochen. Das Blinken der Warnleuchte ist das Anzeichen, dass etwas nicht stimmt. Beim menschlichen Körper ist dieses Warnende das Krankheitssymptom. Um auf menschlichere Weise heilen zu können, muss man natürlich wissen, was das Warnsignal, das sich zeigt, bedeutet und auf welche ihm zugrundliegenden Ursachen es hinweist. Andernfalls bleibt es als Symptom isoliert. Doch für diese Ursachenforschung braucht der professionelle Behandler außer Interesse auch Zeit. Zeit, die oft in den überfüllten Arztpraxen nicht vorhanden ist. Wo gibt es aber die Möglichkeit, unter der Oberfläche isolierter Krankheiten den Patienten noch als ganzen Menschen wahrzunehmen und zu behandeln?

Die homöopathische Erstanamnese

An dem Tag, an dem Sie zum erstenmal zur Heilpraktiker/in gehen, der/die klassisch homöopathisch therapiert (siehe Adressrubrik unter Heilpraktiker), werden Sie einen Termin haben. Im Wartezimmer werden Sie wahrscheinlich niemanden antreffen, da es Ihr Termin ist. In einer entspannten Atmosphäre werden Sie von der Homöopathin empfangen. Sie hat 2 –3 Stunden Zeit für Sie.

Nun beginnt die Aufnahme Ihrer Beschwerden, die lange Erstanamnese. Die Homöopathin hört sich nicht nur an, welche körperlichen Symptome Sie plagen, sondern sie will auch vieles über Ihr seelisches Befinden und über das Leben wissen, das Sie führen. Sie betrachtet ein einzelnes Symptom nicht isoliert für sich, sondern im Zusammenhang aller "Äußerungen" Ihres Organismus.

Wichtig für sie ist zum Beispiel zu erfahren: Wie ist Ihr Schlaf? Was essen Sie leidenschaftlich gerne? Und auch scheinbar Seltsames, etwa: Haben Sie Angst vor Gewitter? Wie gehen Sie mit Trost und Kummer um? Wie war Ihre Kindheit? u. s. w.

All dies muss sie wissen, um ein Gesamtportrait Ihrer Konstitution zu erstellen – wobei die akuten Symptome, unter denen Sie leiden, nicht außer Acht gelassen werden. Sie sieht in Ihnen ein unverwechselbares Individuum, das es genau so nicht ein zweites Mal gibt. Ihren Krankheitssymptomen heftet sie kein Etikett an, wie es in der Schulmedizin üblich ist: die XY-Krankheit. Für sie gilt das Motto: "Behandle keine Krankheit, sondern behandle den Menschen."

Nun muß sie Ihren individuellen Fall erst unter anderem aufgrund von dokumentierten Arzneimittelprüfungen "repertorisieren", wie es in der Fachsprache heißt. Gerade die Besonderheit Ihres Falles bedingt es, dass nicht immer gleich ein Mittel aus dem Hut gezaubert werden kann, so wird es oft einige Tage dauern bis Sie Ihr passendes Mittel verordnet bekommen.

Das Prinzip der Lebenskaft

Hahnemann hatte zunächst große Schwierigkeiten, sich die Wirkungsweise seiner homöopathischen Mittel zu erklären. Er hatte ja beobachtet, dass die Wirksamkeit der Mittel mit dem Verdünnungsgrad beziehungsweise der Potenz zunimmt, was der vorherrschenden Lehrmeinung grundlegend widersprach. Er schloss daher, dass der menschliche Körper über irgendeine unsichtbare Energie verfügen müsse, die auf die feine Stimulierung durch die homöopathischen Mittel reagiert und den Körper anregt, sich selbst zu heilen. Hahnemann nannte diese Energie die "Lebenskraft des Körpers"

Gesundheit – Krankheit

Der Mensch in seiner harmonischen Ordnung ist gesund. Gesundheit ist also das ausgewogene körperliche, seelisch-geistige und soziale Gleichgewicht und das subjektive Wohlbefinden der Person. Der Mensch in seiner disharmonischen Unordnung ist krank. Krankheit ist also ein Verlust der Dynamik, des Rhythmuses, des Taktes, der schöpferischen Ordnung.

Die Lebenskraft ist die Kraft oder Energie, die den Körper gesund erhält, indem sie die Abwehrkräfte gegen die Krankheit steuert. Wird diese Kraft durch Stress, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel, angeborene Schwächen oder Umwelteinflüsse gestört, können sich Krankheiten entwickeln. Ist die Lebenskraft stark, werden zeitweilige Belastungen, auch schwerere, leicht bewältigt. Der Körper erholt sich schnell und bleibt bei guter Gesundheit. Bei schwacher Lebenskraft fehlt dem Körper die Energie, um Krankheiten zu bekämpfen, so dass sie sich festsetzen und die Lebenskraft weiter schwächen können. Die Symptome der Krankheit sind das äußerlich sichtbare Anzeichen dafür, dass die Lebenskraft versucht, das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen.

Jede Störung drückt sich im seelisch-geistigen Bereich, später auch als körperliches Krankheitssymptom aus.

Der körperlichen Krankheit geht also eine geistig-seelische Störung voraus, auf die eine arzneiliche Therapie ausgerichtet sein muss, um auch die Heilung der körperlichen Beschwerden zu erlangen.

In der Homöopathie ist die Lebenskraft der Schlüssel zum Verständnis der Wirkungsweise von Arzneimitteln und dem Verlauf der Heilung.

Akute und chronische Krankheiten

Abgrenzung akute – chronische Krankheiten

Das, was ich bisher in den ersten 3 Teilen über die Homöopathie berichtet habe, gilt vom Prinzip her gleichermaßen für akute wie für chronische Krankheiten und alle Prozesse, die dazwischen liegen. Die Basis für die Homöopathie ist das richtige Simile!

Das bedeutet für den Homöopath einen recht großen Aufwand und viel Aufmerksamkeit. Bei akuten Krankheiten läuft dies verhältnismäßig überschaubar ab, hier werden alle Veränderungen seit Bestehen der Krankheit aufgenommen und für die Arzneimittelbestimmung herangezogen. So spielen etwaige Krankheitsauslöser (Causa) z. B. eine Unterkühlung, Durchnässung, Luftzug, Ärger, Schreck, Kummer, Überanstrengung oder etwa eine Unterdrückung durch schwere Medikamente eine zentrale Rolle. Die Aufgabe des Therapeuten besteht nun darin, das Mittel zu bestimmen, das in seinen typischen Symptomen dem Wesen der Krankheit am nächsten kommt, die Idee der Krankheit also erfasst. Nur dieses Mittel wird die Krankheit in kurzer Zeit ausheilen können.

Das wesentliche Merkmal von akuten Krankheiten liegt in ihrer Tendenz, von selbst zu heilen. Sie haben einen Anfang, einen Höhepunkt und ein Ende, mit und ohne Arzneimittel.

Bei den chronischen Krankheiten dagegen ist eine Selbstheilung nicht möglich. Die Lebenskraft ist zu schwach und kann sich von der Krankheit nicht selbst befreien. Die chronischen Krankheiten verlaufen in Phasen und Schüben mit dazwischenliegenden Latenzzeiten und kommen immer wieder in einer mehr oder weniger abgeänderten Gestalt und mit neuen Symptomen ausgestattet zum Vorschein. Das bedeutet, es kommen jedes Jahr Beschwerden dazu. Die chronischen Krankheiten enden erst mit dem Tod.

Die Schulmedizin sieht zwischen den zwei Begriffen akut- und chronische Krankheit nur einen zeitlichen Unterschied. Laut medizinischem Wörterbuch bedeutet akut = plötzlich, schnell, heftig verlaufende Krankheit, während unter chronischer Krankheit = langsam sich entwickelnde und langsam verlaufende Krankheit verstanden wird.

Die Homöopathie sieht jedoch nicht nur die zeitliche Dimension, sondern auch den Charakter und das Wesen der Erkrankung. Der Unterschied zwischen akut und chronisch liegt in der Art und Weise der Reaktion der Lebenskraft. Hier sprechen wir von den chronischen Grundkrankheiten (Miasmen). Zu der näheren Beschreibung dieses Begriffes komme ich später.

Schon bei der Behandlung der akuten Krankheiten benötigt man gute medizinische und fundierte homöopathische Kenntnisse. Denn Akutkrankheit ist nicht gleich Akutkrankheit. Wir dürfen die akute Erkrankung nicht vollständig isoliert sehen und müssen ständig hinterfragen, welche Wechselwirkungen zu den chronischen Hintergrundprozessen und einer etwaigen klassischen homöopathischen Konstitutionsbehandlung besteht.

Es lassen sich vier verschiedene Typen von Akutkrankheiten unterscheiden:

1. Die "einfache" akute Krankheit,

2. Die akute Verschlimmerung oder Steigerung der Symptome einer tief im Inneren fortschreitenden chronischen Krankheit.

 Sie ist also kein eigenständiges Geschehen, sondern die akute Ausprägung einer Neigung, immer wieder an derselben Krankheit zu erkranken, z. B. häufig auftretende Anginen, Mittelohrentzündungen, Krupphusten, Infekte, Blasenentzündungen, Bronchitiden und so weiter.

3. Die interkurrente akute Erkrankung. Sie kann nur im Verlauf einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung auftreten.

4. Die epidemische akute Erkrankung.

Die einfache akute Erkrankung

Die einfachste Form der Akutkrankheit ist die Form, die keinerlei Bezug zu irgend etwas anderem hat. Die Symptomatik der akuten Krankheit ist klar umrissen. Das, was vor dieser Erkrankung noch nicht da war und nun dem Patienten zu schaffen macht, wird aufgenommen, nach Wichtigkeit hierarchisiert und führt dann zum heilenden Arzneimittel, dem Simile.

Zur Behandlung werden also nur die akuten (neuen) Symptome herangezogen. Das gilt auch dann, wenn der Patient schon seit längerem chronisch krank ist. Es lassen sich selbst dann immer noch objektive und subjektive deutliche Änderungen feststellen, die zur Mittelwahl eines Akutmittels führen.

Die akute Exacerbation

Ein anderer Typ von Akutkrankheit ist die akute Exacerbation. Sie bedeutet eine Verschlimmerung oder Steigerung der Symptome einer tief im Inneren fortschreitenden chronischen Krankheit.

Während eines akuten Anfalls wird man selbstverständlich mit dem entsprechenden Akutmittel behandeln, jedoch die Neigung immer wieder an der gleichen Krankheit zu erkranken wird hierdurch in keiner Weise genommen.

Eine echte Heilung ist nur dann zu erzielen, wenn die zugrunde liegenden chronischen Grundkrankheiten (Miasmen), mittels einer Konstitutionsbehandlung beseitigt werden. Erst dann wird sich mit der Zeit echte Gesundheit einstellen.

Die interkurrente akute Erkrankung

Die sogenannte interkurrente akute Krankheit kann nur im Verlauf einer chronischen Behandlung auftreten, wenn also schon ein Konstitutionsmittel gegeben wurde. Sie ist eine zwischenlaufende oder dazukommende Krankheit, und der Homöopath muss zunächst einmal beurteilen, ob es sich um eine von außen herantretende neue Krankheit handelt oder ob es alte, dem Patienten bereits von früher vertraute Erscheinungen sind. Im letzteren Fall handelt es sich um einen Rückspulungsprozess, denn das Wesen der chronischen Therapie besteht darin, dass mit dem homoöpathischen Simile schrittweise alte, noch nicht vollständig ausgeheilte Krankheitszustände wieder an die Oberfläche gebracht werden, um diese dann komplett und dauerhaft auszuheilen. Es handelt sich um einen völlig normalen biologischen Vorgang, in den nach Möglichkeit nicht eingegriffen werden sollte (Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn z. B. der Schweregrad der Erkrankung dies erforderlich macht).

Die epidemische Krankheit

Zuletzt kommen wir zu den epidemischen Krankheiten. Dieser Typ von Akutkrankheiten ist laut klinischem Wörterbuch durch ihr gehäuftes Auftreten in örtlicher und zeitlicher Begrenzung definiert z. B. Schnupfen, Durchfall, Grippe, Masern, Cholera u. s. w. Die Schulmedizin macht die Erreger dafür verantwortlich. Das besondere bei den epidemischen Erkrankungen in homöopathischer Hinsicht ist, dass es sich bei dieser Art von Erkrankungen quasi um eine Kollektivkrankheit handelt, der die individuellen Symptome und Zeichen fehlen. Gesucht wird deshalb das Gemeinsame, nicht das Individuelle. Das bedeutet: Das epidemische Heilmittel ist die Arznei für die Krankheit, nicht für den einzelnen Kranken.

Schon Hahnemann hat damals bei einer bestimmten Scharlachepidemie Belladonna als das heilende Arzneimittel herausgefunden und öffentlich empfohlen, so dass damit glänzende Erfolge erzielt werden konnten.

Wo liegen die Anwendungsgebiete der Homöopathie?

Eine homöopathische Behandlung ist angezeigt:

Bei chronischen Erkrankungen:

Hier liegt die größte Herausforderung für die Medizin und ein Anwendungsgebiet, in dem die Homöopathie ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen kann. Chronische Erkrankungen, die die Schulmedizin als dauerhaft und unheilbar darstellt, z. B. Neurodermitis, Rheuma, chronischen Asthma, Nervenleiden auch psychische Krankheiten wie Depression, Angstzustände, Verfolgungswahn, Suchtverhalten usw. können durch sorgfältig gewählte homöopathische Therapie allmählich geheilt werden. Für den Heilerfolg in diesem schwierigsten Anwendungsgebiet der Homöopathie ist besonders viel Erfahrung nötig.

Bei akuten Erkrankungen:

Der Einsatz des richtigen Arzneimittels kann rasch und ohne Nebenwirkungen zur Heilung akuter Erkrankungen führen, von Erkältung mit Ohrenschmerzen und Husten bis hin zu Infektionskrankheiten von Magen und Darm. Ebenfalls möglich ist eine homöopathische Behandlung von Kinderkrankheiten, die dann wesentlich schneller und ohne Nebenwirkungen ausheilen.

Vorbeugung von Rückfällen:

Durch die Stabilisierung des emotionalen und biologischen Gleichgewichts trägt die homöopathische Behandlungsmethode zur Optimierung der Abwehrkräfte bei und beugt anderen Angriffen auf das Immunsystem durch Umwelteinflüsse, Epidemien und starken Gemütsbewegungen vor.

Als ergänzende Maßnahme zu chirurgischen Eingriffen bei Operationen:

Machen eine Erkrankung, ein Unfall oder ein Trauma einen chirurgischen Eingriff nötig, kann Homöopathie behandlungsergänzend zum Beispiel gegen Unruhe, Schock, Infektionsgefahr, Schmerzen und durch den Eingriff ausgelöste Komplikationen eingesetzt werden.

Erste Hilfe

Auch in diesem Anwendungsgebiet sind die Einsatzmöglichkeiten der Homöopathie vielfältig. Viele Menschen setzen homöopathische Arzneimittel wie Arnica gegen Traumata, Schlagverletzungen und Muskelkater bei Überanstrengung ein, Calendula zur Narbenheilung und Wundreinigung, Ledum gegen Insektenstiche, usw. ein. Ausführliche Einsatzmöglichkeiten siehe unten.

Auch in der Schwangerschaft und unter der Geburt wirkt die Homöopathie schnell und nebenwirkungsfrei.

Die Auswahl des geeigneten Mittels und seine Anwendung ist deutlich einfacher als bei chronischen Erkrankungen und kann von jedermann vorgenommen werden. Daher auch mein Interesse an der Vermittlung dieser Kenntnisse an einen möglichst großen Personenkreis, da eine richtig eingesetzte Notfallapotheke eine rasche und wirksame Hilfe gewährleistet.

Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, die Möglichkeiten der homöopathischen Medizin breiteren Schichten zugänglich zu machen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden die althergebrachten und über Generation weiter gegebenen Erfahrungen und Fähigkeiten zur Behandlung alltäglicher Unfälle und einfacher Krankheiten des Alltagsleben immer mehr vergessen und in die Hände von hochspezialisierten Fachleuten abgegeben. Das Wiedererlangen dieser Kenntnisse würde dem modernen Menschen die teilweise verlorengegangenen Fähigkeiten zur Selbsthilfe bei einfachen Gesundheitsproblemen wieder zurückbringen.

Die kleine Notfallapotheke Teil 1

Arnica montana Arnika-Bergwohlverleih

Irgendetwas Beruhigendes und Zuverlässiges haftet an ihr. Die Gestalt ist von strahlender Schönheit, die goldgelben Blütenstände leuchten uns wie kleine Sonnen in den Gebirgswiesen unserer Alpen entgegen. Sie liebt die Höhe und die intensive Bestrahlung der starken Bergsonne, von der sie ihre Kraft bekommt. Sie ist eine Heilpflanze ersten Ranges.

Selbst Goethe sagte, dass diese Pflanze den freien Höhen des Urgesteins angehört, und dass sie an den Stufen von Götterthronen wächst. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Pflanze die Aufmerksamkeit der Menschen schon früh auf sich zog und in der Heilkunde ausgiebig erprobt wurde. Gerade in der Volksmedizin hat sich Arnika einen großen Namen gemacht. Von ihr erhoffte man sich eine unermessliche Wirkung, dass sie selbst im Mittelalter bei Gewitter unter das Dach gelegt wurde, um sich vor dem Blitzschlag zu schützen. Die Zeiten sind vorbei, als man mit Blumen und Kräutern versuchte, Schutz, Glück und Wohlbefinden herbeizuziehen. In unserer modernen Zeit forscht man nach den Heilprinzipien, die bei Arnica nicht unbedeutend sind. Die wissenschaftliche Medizin hat nachgewiesen, dass die inhaltlichen Wirkstoffe der Blüten bakterienwachstumshemmend, entzündungswidrig, schmerzlindernd, desinfizierend, wundheilend, krampflösend, herzstärkend, kreislaufanregend, gefäßerweiternd und durchblutungsfördernd wirken. Mit ihrem Wirkstoffkomplex gleicht die Pflanze einem natürlichen biologischen Labor, das im Jahreszeitenwechsel wertvolle Inhaltsstoffe produziert.

Wer hat seine Verletzungen nicht schon mit Arnica kuriert? Aus alter Erfahrung weiß man, dass Arnica bei allen Schäden heilend wirkt, die durch Stoß, Stich, Fall, Schnitt und Überanstrengung entstanden sind. Die Pflanze ist ein Universalmittel in Form von verdünnten Waschungen, Einreibungen, Umschlägen und Kompressen zur Linderung von Hexenschuß, Muskelschmerzen, Muskelkater, Verstauchungen, Verrenkungen, Quetschungen, Prellungen, Blutergüssen, Überanstrengung der Knie- und Fußgelenke, Schleimbeutel und Sehnenentzündungen usw.

Die häufigste Anwendungsform ist der Arnika-Umschlag. Es kommt selten vor, dass empfindliche Leute bei zu häufiger Anwendung allergisch reagieren.

Arnica montana in der Homöopathie.

In der Homöopathie wird nicht die Blüte, sondern die Wurzel für die Herstellung des homöopathischen Mittels verwendet.

Diese Arznei sollte in keiner Hausapotheke in der C 6 und in der C 30 fehlen. Sie ist ein Hauptmittel bei stumpfen Verletzungen, selbst wenn das Trauma schon längere Zeit zurückliegt. Es ist angezeigt nach Verletzungen durch Sturz, Schlag, Stoß, Schnitt, Fall, Hieb oder Stich. Auch ist es angezeigt bei Zerrungen, Wunden oder Überanstrengungen, die mit Schmerz, Entzündungen, Gefühl einer Quetschung und Bewegungsschwierigkeiten einhergehen, vor allem aber auch bei frischen Muskelverletzungen mit schmerzhaften Blutergüssen. Es verhindert Entzündungen, Eiterungen und baut einen Bluterguss schneller ab oder verhindert ihn bei rechtzeitiger Einnahme sogar.

Muskelschmerz zieht Kraftverlust nach sich und das Gefühl in einem zu harten Bett zu liegen, was zu fortwährendem Hin- und Herwälzen des Betroffenen auf der Suche nach einer weichen Stelle führt. Er hat Angst davor, berührt zu werden oder mit jemanden zusammenzustoßen, wenn man sich ihm nähert und ist übermäßig schmerzempfindlich. Arnica ist auch bei schmerzhaftem Muskelkater nach langen Fußmärschen z. B. ausgedehnten Bergwanderungen mit Ermattungsgefühl und dem Gefühl, Quetschungen erlitten zu haben, passend.

Auch bei Extraktion der Zähne, Nasenbluten und Gehirnerschütterung verhindert es die Blutung. Ferner ist es empfehlenswert, einen Tag vor einer Operation und bis zu drei Tagen nach einer Operation Arnica in der C 30 einzunehmen. Es ist ein vorbeugendes Mittel bei Blutungen nach einer Entbindung und gegen Komplikation im Wochenbett.

Anwendung:

Bei leichten Beschwerden ist eine C 6 ausreichend, bei heftigen Beschwerden benötigt man eine C 30.

Drei bis fünf Globuli im Mund zergehen lassen. Nicht unmittelbar vor oder nach dem Essen einnehmen.

 

Kontaktadresse:

Praxis für Klassische Homöopathie
Birgit Hartmann
Heilpraktikerin
Brunnenstube 23
97234 Reichenberg-Lindflur
Tel. 093 66/98 13 40


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Copyright 2000 – 2007 Dieter Schmitt

Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin.