Pflanzenkunde

Gundermann
Von Brigitte Addington

 

Der Gundermann wird auch Gundelrebe, Erdefeu, Guckdurchdenzaun oder Kranzkraut genannt.

Vorkommen und Standort:
Der Gundermann (lat. Glechoma hederacea L.) ist in Europa, Asien und Nordamerika heimisch. Er mag Sonne ebenso wie Schatten, wobei er an einem schattigen Ort meist kräftiger rankt und wächst. Er gedeiht an Waldsäumen, Mauern, Zäunen und Hecken und liebt die Umgebung von Baumstämmen. Die Pflanze liebt einen nahrhaften, feuchten Boden und wächst gerne in der Nähe von Brennnesseln.

Inhaltsstoffe:
Die Gundelrebe enthält ätherisches Öl, Gerbstoff, Bitterstoffe (Glechamin), viel Vitamin C, Mineralstoffe (vor allem Kalium), Saponine und Cholin und vieles mehr ...

Beschreibung und Erkennung der Pflanze:
Die Wildpflanze gehört zur Familie der Lippenblütengewächse. Wir können uns von April bis Juni an ihren wunderschönen, kleinen blauvioletten Blüten erfreuen. Die Blätter sind nieren- bis herzförmig und auf der Unterseite oft rotviolett überlaufen. Der Blattrand des immergrünen Wildkrauts ist deutlich eingekerbt.
Auch im Winter ist der kriechende Stängel des Bodendeckers belaubt. Er schlängelt sich am Boden entlang wie Efeu, mit oberirdischen Ausläufern bis zu 1 Meter lang.
Frisch gesammelte Blätter haben einen aromatischen Geruch. Der Geschmack ist würzig, aromatisch und leicht bitter.

Volksheilkunde und Magie:
Gundermann ist eine alte germanische Arznei und Zauberpflanze.
Die Pflanze ist einer der wichtigsten Bestandteile einer jeden Gründonnerstagssuppe, jener vitaminreichen und kräftestärkenden Kräutersuppe, welche im Frühjahr aus neun verschiedenen Kraftpflanzen zubereitet wurde. Auch heute noch sollten wir uns diese Köstlichkeit im Frühling nicht entgehen lassen.
In allen Kulturen galt damals die Zahl Neun als heilig, sie war der weiblichen Muttergöttin geweiht, die das neue Leben bringt und schützt.

Die Gründonnerstagsnacht war das erste Fest im Jahreskreislauf, an dem der nahende Frühling begrüßt wurde. Man verbrachte die Nacht tanzend draußen im Wald, man trug als Zeichen der Verbundenheit mit den Kräften der Natur geflochtene Kränze aus Gundermann und aß anschließend diese köstliche Suppe zur Stärkung des Körpers nach dem harten Winter.
Die Menschen verbanden sich so mit der erneuernden Kraft der Natur. Auch wer in der heutigen Zeit Gundelrebe zu sich nimmt, verbindet sich sehr stark mit der Mutter Erde. Wer also in seinem Leben wieder eine stärkere Erdung sucht, dem sei dieses kleine Pflänzlein besonders ans Herz gelegt.
Man glaubte früher, dass ein in der Walpurgisnacht gewundener Gundelrebenkranz hellsichtig mache, ja dass man damit sogar Hexen erkennen könne. Ihm wurden antidämonische Kräfte nachgesagt.
Gundermann soll aufgrund seiner violetten Farbe für die „andere, nichtalltägliche Wirklichkeit“ öffnen.

Hildegard von Bingen erwähnte ihn ebenfalls. Die Kräuterbücher des 16. und 17. Jahrhunderts empfahlen ihn z. B. als Mittel gegen entzündete Augen, Halsentzündungen, Fisteln und Geschwüre.
Schon Pfarrer Kneip sagte: „Gundermann, Heil aller Welt“.
Er ist ein Zaunreiter, wuchs oft am Zaun, d. h. zwischen Übergang von kultiviertem Garten und wilder Natur als Abgrenzung. Beschützer von Haus und Hof für die Menschen.

Verwendung zu Heilzwecken:
„Gund“ war im germanischen Sprachgebrauch die Bezeichnung für Eiter. Es kann als Wundkraut verwendet werden, zur Unterstützung bei eitrigen oder schlecht heilenden Wunden oder bei eitrigem Ausfluss.
Gundelrebe wirkt außerdem aufgrund seiner Inhaltsstoffe:
– Anregend und stimulierend auf den Stoffwechsel
– Positive Wirkung auf Leber und Galle
– Entzündungshemmend und zusammenziehend
– Schmerzstillend bei Neuralgien, Ischias, Gicht und Zahnschmerzen
– Schleimlösend bei Erkrankung der Atemwege (Bronchialkatarr, Lungenentzündung, Asthma oder Keuchhusten)
– Heilend bei Mund- und Rachenentzündungen, Zahnfleischentzündungen
– Unterstützend bei eitrigen Blasen-, Harnleiter- und Nierenerkrankungen, Nierensteine
– Wirkt harntreibend
– Magen/Darm entzündungshemmend und wohltuend bei einer Schwäche im Verdauungstrakt
– Putzt den Körper von innen aus
– Zur Akne-Behandlung

Gundelrebe soll gegen Schwäche durch geistige Überanstrengung, also bei zu viel Stress, ausgleichend wirken. Also ein ideales Managerkraut in unserer modernen Welt!

 

Rezept-Inspirationen

Wunderblättchenöl:
Zur Behandlung von eitrigen Wunden, Narben und Verletzungen eignet sich am besten das Öl aus den Blättern:

Frische Gundermann-Blättchen im Juni oder Juli sammeln, vom Schmutz reinigen, aber nicht waschen. Ein helles Schraubglas zu einem Drittel mit den fest zusammengepressten Blättern füllen und in die Sonne stellen. Nach einigen Tagen setzt sich eine klare Flüssigkeit am Boden des Glases ab. Diese vorsichtig abseihen und in eine dunkle Glasflache füllen. Kühl aufbewahren. Bei Bedarf Wunden mehrmals am Tag damit bestreichen.


Gundermann-Vollbad:
4 Hand voll Gundermann-Kraut frisch oder getrocknet mit 4 Liter Wasser überbrühen und die Mischung 1 Std. ziehen lassen. Abseihen und dem Badewasser zufügen.
Einfach toll – ohne jegliche chemische Zusätze – eine Wohltat für den Körper!

Gundermann-Umschlag oder Waschung äußerlich zur Wundbehandlung:
10 Gramm Kraut auf ½ Liter heißes Wasser, ca. 15 Min. ziehen lassen, abseihen.

Gundermann-Tee:
Bringt Heilung von innen.
Ein Teelöffel Kraut, frisch oder getrocknet, mit einer Tasse (150 ml) heißem Wasser übergießen und zehn Minuten bedeckt ziehen lassen. Teeaufguss durch ein Sieb abgießen. Zwei bis drei Tassen täglich trinken.

Köstlichkeiten für die Küche:
Die frischen Blättchen werden als aufpeppendes Kraut im Frühjahr hoch geschätzt, zum Vertreiben der Frühjahrsmüdigkeit.

Verwendung findet er als Beimischung in Frühlingssalaten, Wildgemüsegerichten, Kartoffelgerichten, Suppen oder im Auflauf.
Auch für Kräuterbutter als Brotaufstrich oder in Quark gemischt, ist er hervorragend geeignet.

Gründonnerstagssuppe:
Jeweils 1 Hand voll Löwenzahn, Gänseblümchen, Sauerampfer, Brennnessel, Spitz- oder Breitwegerich, Schafgarbe, Huflattich, Frauenmantel und ½ Hand voll Gundelrebe klein hacken, mit einer Zwiebel in etwas Butter andünsten und mit Gemüsebrühe auffüllen.
Wer seine Power-Suppe cremig mag, sollte sie noch pürieren und mit gerösteten Brotwürfeln servieren. Guten Appetit!

Kräuterpulver als Salzersatz:
Gundermann ist durch sein stark würziges Aroma ein vorzüglicher Salzersatz.
Gedörrtes Kraut mörsern und abfüllen. Pur verwenden oder noch mit etwas Steinsalz mischen. Aufs Butterbrot gestreut – eine Naturköstlichkeit!
Der Gundermann ist einer meiner Lieblings-Wildkräuter und ich möchte jedem Menschen ans Herz legen, sich mit diesem kleinen „Pflanzengeist“ intensiver zu befassen. Es lohnt sich!

Noch viel mehr Möglichkeiten, was man alles mit der Gundermannpflanze machen kann finden Sie in diesem Buch:

 


Kontakt:

Wildkräuter-Seminare
Brigitte Addington
Speckweg 35
91096 Möhrendorf
Tel.: 09131/931 72 96
www.sonnetra.de

 

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Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin