Der Gundermann wird auch Gundelrebe, Erdefeu,
Guckdurchdenzaun oder Kranzkraut genannt.
Vorkommen und Standort:
Der Gundermann (lat. Glechoma hederacea L.) ist in Europa, Asien
und Nordamerika heimisch. Er mag Sonne ebenso wie Schatten, wobei
er an einem schattigen Ort meist kräftiger rankt und wächst.
Er gedeiht an Waldsäumen, Mauern, Zäunen und Hecken
und liebt die Umgebung von Baumstämmen. Die Pflanze liebt
einen nahrhaften, feuchten Boden und wächst gerne in der
Nähe von Brennnesseln.
Inhaltsstoffe:
Die Gundelrebe enthält ätherisches Öl, Gerbstoff,
Bitterstoffe (Glechamin), viel Vitamin C, Mineralstoffe (vor
allem Kalium), Saponine und Cholin und vieles mehr ...
Beschreibung und Erkennung der Pflanze:
Die Wildpflanze gehört zur Familie der Lippenblütengewächse.
Wir können uns von April bis Juni an ihren wunderschönen,
kleinen blauvioletten Blüten erfreuen. Die Blätter sind
nieren- bis herzförmig und auf der Unterseite oft rotviolett überlaufen.
Der Blattrand des immergrünen Wildkrauts ist deutlich eingekerbt.
Auch im Winter ist der kriechende Stängel des Bodendeckers
belaubt. Er schlängelt sich am Boden entlang wie Efeu, mit
oberirdischen Ausläufern bis zu 1 Meter lang.
Frisch gesammelte Blätter haben einen aromatischen Geruch.
Der Geschmack ist würzig, aromatisch und leicht bitter.
Volksheilkunde und Magie:
Gundermann ist eine alte germanische Arznei und Zauberpflanze.
Die Pflanze ist einer der wichtigsten Bestandteile einer jeden
Gründonnerstagssuppe, jener vitaminreichen und kräftestärkenden
Kräutersuppe, welche im Frühjahr aus neun verschiedenen
Kraftpflanzen zubereitet wurde. Auch heute noch sollten wir uns
diese Köstlichkeit im Frühling nicht entgehen lassen.
In allen Kulturen galt damals die Zahl Neun als heilig, sie war
der weiblichen Muttergöttin geweiht, die das neue Leben bringt
und schützt.
Die Gründonnerstagsnacht war das erste Fest im Jahreskreislauf,
an dem der nahende Frühling begrüßt wurde. Man
verbrachte die Nacht tanzend draußen im Wald, man trug als
Zeichen der Verbundenheit mit den Kräften der Natur geflochtene
Kränze aus Gundermann und aß anschließend diese
köstliche Suppe zur Stärkung des Körpers nach dem
harten Winter.
Die Menschen verbanden sich so mit der erneuernden Kraft der Natur.
Auch wer in der heutigen Zeit Gundelrebe zu sich nimmt, verbindet
sich sehr stark mit der Mutter Erde. Wer also in seinem Leben wieder
eine stärkere Erdung sucht, dem sei dieses kleine Pflänzlein
besonders ans Herz gelegt.
Man glaubte früher, dass ein in der Walpurgisnacht gewundener
Gundelrebenkranz hellsichtig mache, ja dass man damit sogar Hexen
erkennen könne. Ihm wurden antidämonische Kräfte
nachgesagt.
Gundermann soll aufgrund seiner violetten Farbe für die „andere,
nichtalltägliche Wirklichkeit“ öffnen.
Hildegard von Bingen erwähnte ihn ebenfalls. Die Kräuterbücher
des 16. und 17. Jahrhunderts empfahlen ihn z. B. als Mittel
gegen entzündete Augen, Halsentzündungen, Fisteln und
Geschwüre.
Schon Pfarrer Kneip sagte: „Gundermann, Heil aller Welt“.
Er ist ein Zaunreiter, wuchs oft am Zaun, d. h. zwischen Übergang
von kultiviertem Garten und wilder Natur als Abgrenzung. Beschützer
von Haus und Hof für die Menschen.
Verwendung zu Heilzwecken:
„Gund“ war im germanischen Sprachgebrauch die Bezeichnung
für Eiter. Es kann als Wundkraut verwendet werden, zur Unterstützung
bei eitrigen oder schlecht heilenden Wunden oder bei eitrigem Ausfluss.
Gundelrebe wirkt außerdem aufgrund seiner Inhaltsstoffe:
– Anregend und stimulierend auf den Stoffwechsel
– Positive Wirkung auf Leber und Galle
– Entzündungshemmend und zusammenziehend
– Schmerzstillend bei Neuralgien, Ischias, Gicht und Zahnschmerzen
– Schleimlösend bei Erkrankung der Atemwege (Bronchialkatarr,
Lungenentzündung, Asthma oder Keuchhusten)
– Heilend bei Mund- und Rachenentzündungen, Zahnfleischentzündungen
– Unterstützend bei eitrigen Blasen-, Harnleiter- und
Nierenerkrankungen, Nierensteine
– Wirkt harntreibend
– Magen/Darm entzündungshemmend und wohltuend bei einer
Schwäche im Verdauungstrakt
– Putzt den Körper von innen aus
– Zur Akne-Behandlung
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Gundelrebe soll gegen Schwäche durch geistige Überanstrengung,
also bei zu viel Stress, ausgleichend wirken. Also ein ideales
Managerkraut in unserer modernen Welt!
Rezept-Inspirationen
Wunderblättchenöl:
Zur Behandlung von eitrigen Wunden, Narben und Verletzungen eignet
sich am besten das Öl aus den Blättern:
Frische Gundermann-Blättchen im Juni oder Juli sammeln, vom
Schmutz reinigen, aber nicht waschen. Ein helles Schraubglas zu
einem Drittel mit den fest zusammengepressten Blättern füllen
und in die Sonne stellen. Nach einigen Tagen setzt sich eine klare
Flüssigkeit am Boden des Glases ab. Diese vorsichtig abseihen
und in eine dunkle Glasflache füllen. Kühl aufbewahren.
Bei Bedarf Wunden mehrmals am Tag damit bestreichen.
Gundermann-Vollbad:
4 Hand voll Gundermann-Kraut frisch oder getrocknet mit 4 Liter
Wasser überbrühen und die Mischung 1 Std. ziehen lassen.
Abseihen und dem Badewasser zufügen.
Einfach toll – ohne jegliche chemische Zusätze – eine
Wohltat für den Körper!
Gundermann-Umschlag oder Waschung äußerlich
zur Wundbehandlung:
10 Gramm Kraut auf ½ Liter heißes Wasser, ca. 15 Min.
ziehen lassen, abseihen.
Gundermann-Tee:
Bringt Heilung von innen.
Ein Teelöffel Kraut, frisch oder getrocknet, mit einer Tasse
(150 ml) heißem Wasser übergießen und zehn Minuten
bedeckt ziehen lassen. Teeaufguss durch ein Sieb abgießen.
Zwei bis drei Tassen täglich trinken.
Köstlichkeiten für die Küche:
Die frischen Blättchen werden als aufpeppendes Kraut im Frühjahr
hoch geschätzt, zum Vertreiben der Frühjahrsmüdigkeit.
Verwendung findet er als Beimischung
in Frühlingssalaten,
Wildgemüsegerichten, Kartoffelgerichten, Suppen oder im Auflauf.
Auch für Kräuterbutter als Brotaufstrich oder in Quark
gemischt, ist er hervorragend geeignet.
Gründonnerstagssuppe:
Jeweils 1 Hand voll Löwenzahn, Gänseblümchen, Sauerampfer,
Brennnessel, Spitz- oder Breitwegerich, Schafgarbe, Huflattich,
Frauenmantel und ½ Hand voll Gundelrebe klein hacken, mit
einer Zwiebel in etwas Butter andünsten und mit Gemüsebrühe
auffüllen.
Wer seine Power-Suppe cremig mag, sollte sie noch pürieren
und mit gerösteten Brotwürfeln servieren. Guten Appetit!
Kräuterpulver als
Salzersatz:
Gundermann ist durch sein stark würziges Aroma ein vorzüglicher
Salzersatz.
Gedörrtes Kraut mörsern und abfüllen. Pur verwenden
oder noch mit etwas Steinsalz mischen. Aufs Butterbrot gestreut – eine
Naturköstlichkeit!
Der Gundermann ist einer meiner Lieblings-Wildkräuter und
ich möchte jedem Menschen ans Herz legen, sich mit diesem
kleinen „Pflanzengeist“ intensiver zu befassen. Es
lohnt sich!
Noch viel mehr Möglichkeiten, was man alles
mit der Gundermannpflanze machen kann finden Sie in diesem Buch: