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Gesundheit

Krank durch Schimmelpilze


Von Werner Bopp

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Während im Sommer hauptsächlich Kellerschäden durch Kondensat und Undichtigkeiten auftreten, entstehen besonders im Winter Schimmelschäden in Wohnräumen, wenn durch ungenügendes Lüften die Luftfeuchtigkeit zunimmt.

Bedenkt man, dass beispielsweise eine vierköpfige Familie pro Tag bis zu 15 Liter Feuchtigkeit als Wasserdampf in die Raumluft abgibt und eventuell falsche Materialien (zu wenig hygroskopisch, diffusionsoffen und alkalisch), ungeeignete Innendämmungen, nicht fachgerecht ausgeführte Dampfbremsen und andere Baumängel vorhanden sind, wird schnell klar, wodurch der Schimmelwuchs unterstützt wird.
Schimmelpilzbefall erkennt man an Wänden, Tapeten, Fenstern, Möbeln, Bildern u. a. durch seine schwarz-gelben Flecken. Diese sind nicht nur unansehnlich, sondern auch gesundheitsschädlich, da die freigesetzten Pilzsporen millionenfach durch die Luftbewegung im Raum verbreitet und vom Menschen eingeatmet werden. Hinzu kommen noch die gefährlichen Mykotoxine, die häufig bei versteckten, nicht sichtbaren Schäden ein Problem darstellen. Jeder Tag mit feuchten Wänden oder Gegenständen erhöht das Risiko eines Schimmelpilzwachstums. Allergien mit heuschnupfenähnlichen Symptomen, Asthma sowie Kopfweh, Fieber, Haut- und Schleimhautreizungen könnten eventuell auf Schimmelpilze zurückzuführen sein.
Laboranalysen stellen die Art und damit die Gefährlichkeit des Schimmelpilzes fest. Ob und welche Laboranalyse veranlasst werden sollte, kann der Baubiologe vor Ort entscheiden. Sofortiger Handlungsbedarf besteht, wenn in Wohnräumen Aspergillus fumigatus, A. flavus oder Stachybotrys atra nachgewiesen werden. Gezieltes Lüften und Beheizen der befallenen Stellen verbessert die Kondensatproblematik der betroffenen Oberflächen und schränkt ein weiteres Schimmelpilzwachstum ein. Dies bedeutet zumeist aber auch stärkere Luftbewegungen, was wiederum ein Aufwirbeln und Umherwirbeln der Schimmelpilzsporen mit sich bringt. Gelüftet wird bei Befall nur, wenn zuvor bereits vorhandene Schimmelpilzsporen entfernt worden sind. Nicht betroffene Wohnräume sind abzuschotten, um die weitere Verbreitung und höhere Konzentrationen von Schimmelsporen in der Raumluft zu vermeiden. Sanierungen kleineren Umfangs können, unter Beachtung der Sicherheitsvorkehrungen, von Laien durchgeführt werden. In diesen Fällen besteht für gesunde Personen kein großes Risiko, wenn dabei vorsorglich Schutzhandschuhe, Mundschutz und Schutzbrille getragen werden. Für Allergiker oder Vorgeschädigte mit chronischen Erkrankungen der Atemwege sowie für Menschen mit geschwächtem Immunsystem wird ein akutes gesundheitliches Risiko durch die Schimmelpilzsporen nicht ausgeschlossen. Diese Personen sollten sich nicht an der Sanierung beteiligen.

schimmelpilz


Zum Desinfizieren bei kleinerem, oberflächlichem Befall eignet sich zum Beispiel eine Mischung aus heißem Sodawasser 3–4 %, Ethylalkohol 70 % oder Wasserstoffperoxid 30 %, was als Zubehör im Naturbaustoffhandel erhältlich ist. Weiterhin darf die Feuer- und Explosionsgefahr bei Verwendung von Alkohol nicht unterschätzt werden. Daher ist es wichtig, gut zu lüften, nicht zu rauchen und offenes Feuer zu vermeiden. Generell muss vor jeder Sanierung die Ursache für das Schimmelwachstum erkannt und beseitigt werden, da nur so eine nachhaltige Wirkung möglich ist.
Die endgültige Sanierung von schimmelpilzbefallenen Materialien hat das Ziel, die Schimmelpilze vollständig zu entfernen. Es reicht daher nicht aus, diese nur abzutöten, da sie weiterhin allergische und reizende Wirkungen auslösen.
Bei massivem, großflächigem Schimmelpilzbefall müssen qualifizierte Fachleute die Sanierung vornehmen, denn dabei können unter Umständen sehr hohe Konzentrationen an gesundheitsbelastenden Sporen freigesetzt werden. Der Einsatz von Hausmitteln zur Schimmelpilzbekämpfung ist hier nicht nachhaltig genug. Fungizide oder chlorhaltige Präparate zur Pilzabtötung in Innenräumen zu verwenden, sollte vermieden. Grund: Bei Anwendung von Fungiziden sind gesundheitliche Risiken nicht auszuschließen. Ebenso ist auch Essiglösung als Hausrezept nicht zu empfehlen, denn viele Baustoffe neutralisieren die Essigsäure und schaffen so ein noch besseres Milieu für das Pilzwachstum.
Bei glatten Oberflächen – wie etwa bei Metall, Keramik, Glas – entfernt Wasser mit normalem Haushaltsreiniger die Schimmelpilze. Anschließend sollten die Flächen mit Alkohol – wie oben bereits beschrieben – desinfiziert werden.
Es ist sinnlos, stark befallene poröse Materialien – etwa Tapeten, Putze, Gipskartonplatten, poröses Mauerwerk, poröse Deckenverschalungen – so zu reinigen. Leicht ausbaubare Baustoffe wie Gipskartonplatten oder leichte Trennwände sind zu entsorgen. Starker Schimmelpilzbefall auf nicht ausbaubaren Baustoffen sollte vollständig – das heißt auch in tiefer liegenden Schichten – durch Abtragen der Baustoffe entfernt werden. Feuchtes Holz mit aktivem Schimmelpilzwachstum ist sehr schwierig zu sanieren, weshalb es entsorgt wird, was der Experte vor Ort entscheidet. Oberflächlicher Pilzbefall an tragenden Teilen wird eventuell durch Abschleifen entfernt, was Fachleute ausführen sollten. Um Sekundärkontaminationen zu vermeiden, wird nach der fachgerecht ausgeführten Sanierung nochmals gründlich gesaugt, gelüftet und gereinigt.
Während und nach der Sanierung sollten Maßnahmen ergriffen werden, die nachhaltig ein erneutes Auftreten von Schimmelpilz verhindern. Welche Vorgehensweise hier richtig ist, hängt von vielen Faktoren ab, wie z. B. vorhandener Wandaufbau, Isoliermaterial, Dampfbremse oder Dampfsperre usw. Viele Detailfragen lassen sich nur vor Ort durch einen ausgebildeten und erfahrenen Baubiologen klären. Eine entsprechende Liste mit Adressen hält das Institut für Baubiologie und Ökologie Neubeuern (IBN) bereit.


Anschrift:


Holzham 25,
83115 Neubeuern
Tel. 08035/2039
www.baubiologie.de

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Copyright Dieter Schmitt

 

Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin.