TTouch® for you!
Gesundheit und Wohlgefühl mit dem Tellington TTouch®

Von Tamara Gersitz

 

1. Bekanntschaft mit TTouch®
Über zwei Seminare der Paracelsusschule lernte ich Tellington-Touch kennen und wollte mehr darüber erfahren. Im Mai 2006 ergab sich die Gelegenheit, direkt bei Linda Tellington-Jones zu lernen.

2. Entstehung des TTouch®
Linda wuchs auf einer Farm in Kanada auf. Tiere gehörten bei ihr zur Familie, waren ebenso wichtig wie die Menschen. Linda absolvierte eine „Feldenkrais-Ausbildung“ und übertrug diese Methode auf die Behandlung von Pferden (TTEAM). 1983 entwickelte sich durch Inspiration daraus das TTouch®. Eine unruhige, aggressive Stute reagierte entspannt, aufmerksam und konzentriert, nachdem sie zuvor mit intuitiven Kreisbewegungen berührt wurde.
Es entwickelte sich aus dieser Erfahrung heraus ein System spezieller kreisförmiger Bewegungen, die positive Wirkung auf Gesundheit, Verhalten und Kommunikation zeigten.
Die TTouchs® bekamen Tiernamen in Erinnerung an Tiere, mit denen Linda arbeitete. Damit wollte sie auch ihre Achtung und Liebe gegenüber den Tieren ausdrücken und dem, was sie von ihnen lernen durfte.
Die erste Erprobung am Menschen erfolgte in einem Pferdekurs, wo Reiter aneinander die TTouchs® ausprobierten und deren Wirkung spürten.
1987 wurde TTouch® erstmals in den USA für Menschen unterrichtet. An den Kursen nahmen neben Laien vorwiegend Menschen aus medizinischen und therapeutischen Berufen teil.
1999 erwarb eine Intensiv-Krankenschwester und Dozentin der Universität von Minnesota, Cecilia Wendler, ihren Doktor mit einer Arbeit über das TTouch®.
In Deutschland organisiert Karin Petra Freiling (Dipl.-Biologin) TTouch®-Kurse.
Auch sie arbeitet an einer Studie über die Wirkung des TTouch®, in Zusammenarbeit mit der Med. Hochschule Hannover.

3. Grundlage des TTouch®
Linda sieht TTouch® als „Sprache der Hände“, eine nonverbale Kommunikation zwischen Lebewesen, auf einer „Zelle zu Zelle-Ebene“. Lange bevor ein Mensch die ersten Worte spricht, kommuniziert er über Berührung.
Zitat, S. 218* im Buch „TTouch® for you!“:
„Rein körperlich gesehen, besteht Berührung aus fünf Empfindungen: Kontakt, Druck, Schmerz, Hitze und Kälte. Diese Empfindungen werden dem Gehirn durch ein unglaubliches Internet von speziellen neurologischen Rezeptoren und Sensoren vermittelt. Es ist wie ein Wunder, unsere Haut verfügt über 5 Mio Berührungsrezeptoren, 3000 allein in jeder Fingerspitze.“ (*siehe auch am Ende des Artikels)

Auf eine gute Entwicklung achten sowohl Mediziner als auch Pädagogen und Therapeuten, denn sie entscheidet darüber, wie wir uns in das Leben integrieren bzw. es mitgestalten.
Viele Menschen sehnen sich nach Berührung. Unsere Zeit ist von Hektik geprägt, vieles geschieht flüchtig – auch Berührung. Häufig wird sie auf bestimmte Situationen reduziert, wie als Morgen- und Abendritual bei Kindern, das Streicheln von Haustieren, funktionelle Massage, die Paarbeziehung.

Die heilende Berührung ist schon alt, bekannt aus der Bibel (Handauflegung), aus dem Yoga und auch aus dem asiatischen Shiatsu, wo durch Druck auf bestimmte Körperstellen der Energiefluss stimuliert wird. In der Kinesiologie arbeiten wir ebenfalls mit Berührung. Auch die Cranio-Sacral-Therapie arbeitet vor allem auf dieser sensorischen Ebene, um Blockaden zu lösen.
Als Linda einmal gefragt wurde, was die TTouch®-Kreise bewirken, antwortete sie: „Sie lösen auf der Ebene der Zellen die Angst.“ Jahre später entdeckten Neurobiologen die Beziehung zwischen Emotionen und Zellen.
Linda war fasziniert von der Theorie Moshe Feldenkrais, der Mensch nutze nur 10% der ihm zur Verfügung stehenden Gehirnzellen. Dieses bedingt sich durch den Rahmen, in dem wir aufwachsen und leben. Ziel ist es, durch neue behutsame Bewegungen Gehirnzellen zu stimulieren und ungenutzte neuronale Wege zu erschließen. Dieses ermöglicht, gespeicherte Reaktionsmuster auf negative Situationen loszulassen und neue Handlungsmuster zu entwickeln. Hier besteht die Chance, ein neues Selbstbild zu entwickeln, erweiterte Lernfähigkeit zu erfahren und veränderte Reaktionsweisen auszuprobieren.
Weiter wurde Linda von einem Buch inspiriert: „Man on his nature“ von Sir Charles Sherrington (britischer Arzt und Nobelpreisträger). Seine Überzeugung war, dass jede Körperzelle ihre eigene Intelligenz besitzt, ihre normale Funktionsweise kennt (vorausgesetzt, sie ist gesund), ihre Rolle im Ökosystem des Körpers, sowie ihre Rolle im Universum. Hier wird die Kommunikation zwischen Zellen gesehen, sowie die Beziehung aller Körperteile untereinander. Jede Zelle besitzt ein Gedächtnis, in dem vergangene Gefühle, Erfahrungen und Traumata gespeichert sind. Auch Schmerzen sind im Zellgedächtnis verankert und prägen unser Verhalten.
Linda sieht die Kraft des Kreises als umfassende alte Kraft und den Kreis als Symbol der Unendlichkeit, der Gemeinsamkeit und Ganzheit. Sie geht davon aus, dass die kreisende Berührung die Intelligenz der Zellen aktiviert und ermöglicht, angstbesetzte Erinnerungen abzugeben sowie durch neue Energie zu ersetzen.

4. Die Wirkung des TTouch®
TTouch® bringt das System in einen Zustand der Akzeptanz, Wertschätzung und Liebe für das Gute (siehe Buch: „TTouch® for you!“). Werden Angst, Trauer, Wut und Trauma auf Zellebene gelöst, kann Raum für Liebe und Freude entstehen. Wichtig ist, auf Körper-, Geist- und Seelen-Ebene einen hohen Grad an Selbstannahme zu erreichen. Kinder mit ADS oder ADHS haben häufig ein niedriges Selbstwertgefühl, ecken überall an, haben Kommunikationsprobleme, nehmen sich selbst als „falsch“ wahr. Hier greift die Zellaktivierung und Verbesserung der Körperwahrnehmung durch TTouch®.
Cecilia Wendler stellte im Rahmen ihrer Doktorarbeit (1999) fest, dass Blutdruck und Herzschlag aufgeregter Patienten durch 5 Min. TTouch® sanken. In einer weiteren Studie (2000) äußerten Teilnehmer, TTouch® wirke entspannend, beruhigend und beschützend.
Anna Wise, eine Spezialistin für Biofeedback und Gehirnstromaktivitäten, leitete eine Testreihe von Gehirnstrommessungen bei TTouch® Practitionern. Dabei wurde nach einer Woche TTouch® völlige Hirnintegration festgestellt. Bei gegenseitiger Behandlung sendeten beide Partner alle vier Gehirnwellenmuster aus. Sie bereicherten sich gegenseitig. Die Behandlung schuf einen höheren Grad an Wahrnehmungsfähigkeit und Hirnintegration.
(www.AnnaWise.com „Power Mind Training“)

5. Ausführung
TTouch® besteht aus kreisenden Bewegungen, Hebern und gleitenden Berührungen der Hände.
Zu Beginn der Arbeit ist es sinnvoll, innerlich zur Ruhe zu kommen, den Kopf frei zu haben und sich auf sein Gegenüber einzustellen.
Wichtig ist die Absicht, die Zellenergie unseres Gegenübers aktivieren zu wollen. Es geht primär nicht um Heilung oder Umerziehung. Wenn dieses geschieht, so ist es wunderbar. Es geschieht aber aus dem berührten System heraus (Selbstregulation/Selbstheilung).

Die Grundform des Kreises

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Eine Hand liegt als Stütze am Körper der zu berührenden Person. Die andere Hand führt die Kreisbewegung aus.
Der Behandler stellt sich ein Zifferblatt einer Uhr vor. Die Finger der Hand werden zusammengehalten und der Mittelfinger führt. Beginn ist bei der 6 und die Haut wird in einem 1 Kreis fortgeführt. Es geht immer von unten nach oben, es ist gleich, wo am Körper begonnen wird. Die Hand bewegt die Haut im Uhrzeigersinn. Wenn ein Kreis beendet ist, gleitet die Hand auf einer Linie zur nächsten Stelle. Auf jeder Körperstelle wird nur ein Kreis gemacht, außer es handelt sich um eine akute Verletzung oder Schmerzen. In diesem Fall oder wenn sich jemand nur ungern berühren lässt, können Kreise gegen den Uhrzeigersinn hilfreich sein.

Der Druck auf der Haut
Die Druckstärke, mit denen TTouchs® ausgeführt werden, liegen zwischen 1 und 10 auf einer Skala.
Babys und ältere Menschen benötigen meist Druckstärke 1.
Die meisten Menschen wünschen sich Stärke 3 bis 4.
Bei Schmerz oder Entzündungen arbeitet man in der Regel mit Druckstärke 2 bis 3.
Wichtig ist es, die zu berührende Person um Rückmeldung zu bitten.
Eine Druckstärke zwischen 7 und 10 wird nur beim Bär-Touch verwendet. Dieses begründet sich darin, dass TTouch® das Nervensystem und die Zellen (Sensorik) beeinflussen soll, und weniger das muskuläre System. Eine hohe Druckstärke kann auf dem Rücken hilfreich sein, um tiefer am Muskel zu arbeiten. Die Fingernägel sollten kurz sein, damit die Fingerkuppen aufsetzen können.

Übungen:
Stärke 1:
- rechte Hand an das Gesicht legen.
- den Ellbogen des rechten Armes mit der Hand des linken Armes stützen.
- der Daumen der rechten Hand wird an die Wange gelegt, die Fingerkuppe des Mittelfingers zieht auf dem Augenlid (oder direkt unter dem Auge) einen zarten Kreis.
- Struktur der Haut spüren, nicht aber den Knochen.
- der Bewegung nachspüren und diese auf den Arm übertragen.

Stärke 3:
- Ausgangsstellung von Übung 1 übernehmen, wobei der Druck auf dem Augenlid verstärkt wird. Es muss noch angenehm sein.
- unter dem Auge kann der Druck so verstärkt werden, dass der Knochen spürbar wird.
- der Bewegung nachspüren und diese auf den Arm übertragen.

Stärke 6:
- direkt über dem Wangenknochen einen festen Kreis ziehen.

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Stärke 9:
- die Finger werden aufgestellt und es wird mit den Fingerkuppen Druck ausgeübt.

Rahmen
In der Regel sitzt oder steht die zu touchende Person. Möglich ist aber auch das Liegen. Linda zieht die aufrechte Position aus Gründen der Aufmerksamkeit/Konzentration vor. Ihrer Meinung nach lösen sich auch Schmerz und Anspannung dann leichter. Im Liegen lässt die Aufmerksamkeit nach und die liegende Person überlässt sich mehr dem Behandler. Wichtig ist auch, dass sich der Touch-Geber wohl fühlt und eine angenehme Stellung einnimmt. Bequeme Kleidung unterstützt den Prozess.
Eine Sitzung kann zwischen wenigen Minuten und mehr als 30 Min. dauern. Wichtig ist die Rückmeldung des Empfängers. Gewöhnlich wird an einer bekleideten Person getoucht. Bei Menschen, die ängstlich oder misstrauisch sind (mit schlechten Erfahrungen/Traumata), bedeutet Kleidung auch eine Form von Schutz. Sie brauchen die Sicherheit/das Empfinden, die Situation kontrollieren zu können. Wichtig ist mitzuteilen, wo berührt wird.

 

Kontakt:

Tamara Gersitz
Eisenbahnstr. 42
97084 Würzburg
Tel.: 0931/620 44


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www.lichtstrahl-magazin.de

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Copyright Dieter Schmitt

Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin