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Die Entstehung des Wassers

von Ivan Engler

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Zum komplexeren Verständnis des Wassers folgt ein Einblick in die Vermaschung der sich selbst regulierenden Kreislaufe im Kosmos in Form eines vereinfachten und kurzen Überblicks.

Kreisläufe im Kosmos und
die Entstehung des Wasserstoffes

Über die Entstehung des Kosmos gibt es viele und verschiedene Theorien. Die plausibelste ist, dass sich der Kosmos vor etwa fünfzehn bis zwanzig Milliarden Jahren aus einem Urknall gebildet hat und seitdem bis heute expandiert. Nach einer gewissen Zeitperiode wird das Altall wieder zu seiner ursprünglichen Form zusammenschrumpfen; der Kreis wird sich schließen, zu einem neuen Anfang bereit, um das Ende wieder zu erlangen. Das ist die Polarität des Kosmos.
Innerhalb der ersten Sekunden nach dem heißen Urknall existierten nur Strahlung und Neutrinos, in geringen Mengen Protonen, Neutronen und Elektronen. Nach den ersten zweihundert Sekunden kam es zu einem Temperaturabfall, und mit der Bildung des Deuteriums (2H-Wasserstoff) setzte der Prozess der Elementbildung ein. Nach einer Million Jahre entstand aus Wasserstoff und Helium das neutrale Urgas. Durch Gravitation und kosmische Turbulenz kam es zur Verdichtung der Materiewolke in Form von Sternen und Galaxien. Sie alle haben eine Geburtsstunde, eine Lebensdauer, und bei ihrem Ende entstehen aus ihrem Staub wieder neue Sterne und Galaxien. Es ist ein einzigartiger kosmischer Kreislauf mit Selbstregelung der ewigen Materie beziehungsweise Energie im unendlichen Altall, der zum Nachdenken, Philosophieren und zu einer Religion zum Wiedervereinen mit dem Ursprünglichen führt.

Unter der Wirkung der Schwerkraft schrumpfen die Ursterne. Die freiwerdende kinetische Energie wird in Wärme umgewandelt. Die Erde befindet sich als Sonnenplanet am äußeren Rand von einer der Abermilliarden Galaxien, die Milchstraße genannt wird, die etwa zwölf Milliarden Jahre alt ist und Milliarden von Sternen enthält.

Unsere Sonne ist etwa 4,6 Milliarden Jahre alt. Unter der inneren Temperatur von 107 Kelvin und dem unvorstellbar hohen Druck bildet sich in nuklearer Fusion aus Wasserstoff das Helium, und das ganze Spektrum von Sonnenstrahlen strahlt ins All und auf die Erde. Dieses breite energetische Strahlenspektrum ist im Grunde die einzige Energiequelle für alle Kreisläufe der Natur, für alle Lebewesen auf dem Planeten Erde. Die Sonne liegt auch der Energie aus Holz, Kohle, Öl, Gas, Wasser und Kernenergie zugrunde.
Diese Energiespenderfunktion der Sonne wird noch etwa fünf bis zehn Milliarden Jahre dauern, dann ist der Wasserstoff verbraucht. Die Sonne wird sich zum ,,roten Riesen“ aufblasen und alle Planeten, auch die Erde, werden in dieser glühenden Masse verdampfen oder zu heißem Materiestaub werden. Es wird Material zur Bildung eines neuen Sonnensystems bereitstehen.

Jedes Atom auf unserem Planeten wurde einmal oder mehrmals in so einem Sternbrennofen erzeugt. Nur Wasserstoff hat einen direkten Ursprung aus dem Urknall. So verlaufen im Kosmos und in jedem einzelnen Stern die geschlossenen, vermaschten und sich selbst regulierenden Kreisläufe der ewigen Materie und unerschöpflichen Energie. Es ist Geburt, Leben, Tod und Auferstehung in der unendlichen Dimension ohne Zeitbegrenzung. Ein ewiges Mysterium des Kosmos. Jedes Wassermolekül trägt zwei solcher Atome des Wasserstoffs mit Urabstammung und Erinnerung an den Urknall und die ganze Milliarden Jahre alte Geschichte des Kosmos. Wasserstoff ist also nicht nur das häufigste Element im Kosmos, es spendet auch die Energie der Sonnenstrahlen; es ist die Mutter des Wassers und die letzte Hoffnung der Menschheit auf eine neue, saubere und unerschöpfliche Energiequelle, die Wasserstoffenergie.

Die Uratmosphäre und Urerde

Unser Planet Erde gehört zu den gesteinshaltigen, äußeren Sonnenplaneten und bildete sich nach den Theorien entweder auf einem ,,heißen“ Weg aus der ausgeschleuderten solaren Materie, die später allmählich abkühlte, oder auf einem ,,kalten“ Weg aus Zusammenballung von Urgas und Staunebel der kosmischen Materie.
Die Erde besitzt einen hochgewichtigen eisenhaltigen Kern, einen heißen Magmamantel und eine relativ kältere und leichtere Schale, die Erdkruste.
Die zentrale Temperatur der Erde beträgt >20 K; der Druck beträgt >3,5 Mill. atü.

Diese Temperatur entstand laut der zweiten Theorie durch Umwandlung von der kinetischen Energie von unzähligen Anprallen, von dem radioaktiven Zerfall, der früher stärker war als heute, und von der Schwerkraft.
Der Urplanet Erde kann wortwörtlich als der „Durchschmelzte“ bezeichnet werden.

Die Erde war immer ein dynamisches System, wobei alle Schichten und später auch alle zusätzlichen Hüllen wie Hydrosphäre, Atmosphäre und Magnetosphäre in vernaschter Verbindung stehen und sich selbst regulierende Regelkreise und Kreisläufe unterhalten. Das Alter der Erde beträgt etwa fünf Milliarden Jahre. Nach allmählicher Abkühlung der Oberschichten aufgrund günstiger Entfernung von der Sonne bildete sich durch Entgasung der Urerde (ähnlich wie bei der heutigen Vulkantätigkeit) die Uratmosphäre. Sie bestand aus wasserstoffhaltigen Gasen, Wasserdampf (H20), Methan (CH4), Ammoniak (NH3); weiter aus Stickstoff (N), Kohlenmonoxid und ganz besonders aus Kohlendioxid (CO beziehungsweise CO2). Sauerstoff (O2) war noch nicht vorhanden beziehungsweise nur in Spuren. Die Gase Methan und Ammoniak stammten aus dem Erdmantel, der metallisches Eisen enthielt; sie haben sich durch den Kontakt mit Eisen zum Stickstoff, Wasser und Kohlendioxid umgesetzt. Der heiße Urwasserdampf stieg in die oberen, relativ kälteren Schichten der Uratmosphäre.
Bei bestimmter Konzentration und bei Unterschreiten der kritischen Temperatur von 374 °C kondensierte er zu den ersten Tropfen des Urwassers und fiel auf die noch heiße Erde, um wieder zu verdampfen. Die Erdkruste kühlte durch die optimale Entfernung von der Sonne, aber auch durch den Urregen allmählich ab.

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Durch die Eigenschaft des Wassers, CO2 zu lösen und mittels des nie ganz aufhörenden Urregens in die sich inzwischen gebildeten Urlaken herunterzuschwemmen, kam es auf der Erde zu keinem starken Treibhauseffekt.
Unter Treibhauseffekt verstehen wir eine „Dunstglocke“ aus Wasserdampf und besonders aus CO2, die die energiereichen UV-Strahlen der Sonne zur Erde durchlässt, aber die abgestrahlte Wärme von der Erde zurückhält und es so zu einer Steigerung der Erdtemperatur mit ungünstigen oder gar tödlichen Wirkungen auf die gesamte Biosphäre kommt.

CO2 absorbiert stark in Wellenlänge 14 bis 16 nm. So bleibt die terrestrische Anstrahlung energetisch in der Atmosphäre. Die Karbonatgesteine, die aus der Uratmosphäre durch das aus dem Urregen ausgeschwemmten CO2 entstanden sind, sind schon 3,8 Milliarden Jahre alt.

Der Urregen dauerte Milliarden Jahre, bis sich durch die Senkung der Temperatur der Erdkruste und durch geotektonische Bewegungen das Urmeer gebildet hatte. Der aus Wasserdampf in der Uratmosphäre durch energiereiche Sonnenstrahlen dissoziierte freie Sauerstoff kam neben anderen sogenannten biogenen Elementen wie Kohlenstoff (C), Stickstoff (N) und Wasserstoff (H) ins Urmeer.

Durch Auswaschung kamen alle Spurenelemente dazu. Das Urmeer wurde durch Wind, Regen, Ströme und Zuflüsse durchgemischt und durch Erdbeben und geotektonische Verschiebungen durchgeschüttelt. Von Sonnenstrahlen durchgestrahlt und von Blitzen aufgeladen, war die Temperatur des Urmeeres optimal. Die biologische Urbrühe gebar die erste Urzelle vor etwa drei Milliarden Jahren, dann die Mehrzellorganismen, und das Leben kam aus dem Urmeer auf die Urerde. Durch die Photosynthese der Blaualgen im Meer und der grünen Pflanzen der Erde wurden die weiteren Mengen von CO2 aus der Luft gebunden und Sauerstoff erzeugt.
So entstand die heutige, an Sauerstoff und Wasserdampf reiche, an Kohlendioxid arme Atmosphäre, ein kosmischer Sonderfall. Die biologisch günstige mittlere Erdtemperatur zwischen Gefrier- und Siedepunkt wurde insbesonders durch den Kreislauf des Wassers allgemein und durch den Kreislauf des Meerwassers als Thermoregulator Nummer 1 gewährleistet. So war es möglich, dass sich auf dem Planeten Erde bunte Arten von Pflanzen und Bäumen, kuriose Arten von Lebewesen beziehungsweise Tiere und der Homo sapiens selbst vor etwa einer halben Million Jahren gebildet hat.

Im Kreislauf des Wassers spiegeln sich alle Kreisläufe der Natur, auch der Kreislauf des Menschen, wider. Im feuchten Schoß der Frau wurde das Ei durch Spermien (Yang) befruchtet und im Fruchtwasser unter Wärme der Gebärmutter (beide Yin) ein neues Leben entwickelt.

Im Kreislauf des Wassers spiegeln
sich alle Kreisläufe der Natur wider – auch der des Menschen

Im Strom von Wasser (Fruchtwasser, Blut, Schweiß, Harn ...) kommt auch heute aus der feuchten Dunkelheit das neue Menschenleben und wird durch das Licht der Sonne und die Bewegung zum Lebendigen, zum Erleuchteten. Die alten Kulturvölker ehrten und beteten zu der Mutter Erde. Das göttliche Prinzip des Wassers und die Lebenspenderin Sonne waren bestens bekannt. Wir haben diese Prinzipien in unserem Zeitalter des Industriekonsums, der Computer, der Atomenergie und der technisierten Wissenschaften verdrängt und vergessen. Wir behandeln Wasser als Konsumgut, Abfalleimer, Energiespender, Transportmittel, Vergnügungsmittel, als Geschäftsgegenstand. Wir haben vergessen, das Wasser zu verstehen, zu schützen und zu ehren als unser lebendiges Lebenselement, wie die Erde, die uns ernährt und trägt, die Sonne, die uns Licht und Wärme gibt, und die Luft, die wir atmen.

Wasser lässt sich nicht vermehren, nicht verbrauchen, sondern nur gebrauchen, verschwenden, verschmutzen und biologisch zerstören. Heute steht der Natur und dem Menschen als Teil der Natur nur so viel Wasser zur Verfügung, wie es vor Milliarden Jahren in langen Prozessen gebildet wurde. Die Entstehungsgeschichte des Wassers ist eng mit der Entwicklungsgeschichte unserer kosmischen Heimat verbunden. Es ist ein sonderbares Gefühl, das einige Millionen Jahre im Achatkristall eingeschlossene Urwasser mit ein paar Blasen von Uratmosphären in Händen zu halten.
Die Fläche von Ozeanen, Meeren, Seen, Sümpfen beträgt mehr als die Hälfte unserer Erdkugel. Dazu kommen noch unzählige Flüsse, von denen einige eine enorme Fläche darstellen. Die tektonische Umgestaltung oder Eiszeit spielte trotz der riesigen Ausmaße bei der Ausbreitung des Wassers auf der Erde eine eigentlich unwesentliche Rolle. Unsere Erde wurde zum Blauen Planeten; die Astronauten bezeichnen die Erde wegen ihres Bildes so. Unser Schicksal hat mit Wasser einst angefangen und wird mit dem Wasser einmal enden.

„Jedes Lebewesen, das aus der Idee seiner Gestalt eine sichtbare Form bildet, muss durch ein flüssiges Stadium hindurchgehen. Manche Lebewesen bleiben nahe diesem flüssigen Zustand stehen, nur wenig verdichtet; andere verlassen die Welt des Wassers, verdichten sich stärker und ordnen sich mehr oder weniger den irdischen Gesetzmäßigkeiten ein. Allen gemeinsam ist, dass sich ihr Durchgang durch das Wässrige in ihren Bildungsformen wiedererkennen lässt ...
Das Wasser, die Leiblichkeit einer darüber stehenden Kräftewelt, ist welche gleichsam in ihm nur in die Stoffeswelt hineinragt und dadurch als Vermittler die Organismen ausformt“ (Schwenk 1980).

Symbolik des Wassers

Symbole zeigen alles was war und was sein wird in einer scheinbar unveränderten Form. C. G. Jung schrieb:
„Um dem verborgenen göttlichen Sinn eines Symbols näher zu kommen, muss der Inhalt tiefer erfahren werden: wenn die Seele das Symbol erforscht, wird sie zur Vorstellung geführt, die jenseits des Zugriffs des Verstandes liegt“ (aus Bauer et al. 1980).

Alles bewegt sich und entwickelt sich, auch die Sprache der Symbole. So entwickelte sich zum Beispiel der Dreizack als Symbol der göttlichen und königlichen Macht (indischer Gott Shiva, hethitischer Wettergott, griechischer Poseidon, römischer Neptun, keltisch-irischer Meeresgott Manan) bis zu den wissenschaftlichen Symbolen von heute. Hegel und Marx brachten den Dreizack als These, Antithese und Synthese in die Geisteswissenschaften des Westens ein, wo auch die Naturwissenschaft schon längst die Dreidimensionierung des Raumes kannte. Die drei Spitzen des Dreizacks bedeuten auch die drei Grundmöglichkeiten unseres Denkens und Tuns:
die Passivität, die Trägheit, die Aktivität: das leidenschaftliche zweckbestimmte Wirken, das zur Erkenntnis führt. Der Dreizack bei Paracelsus ist vor allem ein Symbol der Dreiheit des menschlichen Lebens: Der Archeus – Geist; das Öd – die feinstoffliche Lebenskraft; der plastische Vermittler – das Salz im Sinne der Alchemisten, die sichtbare Materie (Herzog 1931).

Das Deuten von Symbolen ist mit der Person des Deuters, seinen sozialen, geographischen und kulturellen Hintergründen und mit seinem aktuellen Bewusstseinsstand eng verbunden.
Ganz besonders ist es abhängig vom aktuellen Wissensstand des Deuters und der jeweiligen Intention des Beschauers. So wurden einig archaische Symbole in die wissenschaftliche Sprache integriert. Der Dreizack wurde als Symbol für die Wasserkapazität beziehungsweise als vorletzter Buchstabe im griechischen Alphabet übernommen. Diese polare Symbolik von Wasser kommt in physikalischer Beschreibung des Wassers als Dipol und als Molekül von zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom deutlich zum Ausdruck.

Wasser als Spender und Träger
des Geistes bei der Taufe

Das Dreizacksymbol ist auch auf der ehemaligen österreichischen Tausendschilling-Banknote mit dem Bild des Nobelpreisträgers E. Schrödinger und auch auf der englischen Goldmünze mit
der Meeresgöttin Britania zu sehen.

Der chthonischen (der Erde angehörend, Anm. der Red.) Natur des Wassers legen die alten, heut noch wenig von der Zivilisation berührten Völker in ihrem Weltbild eine wichtige Bedeutung bei. Mythologie und Religion geben Wassergöttern und Quellenkult als Lebens- und Reinigungswasser einen hervorragenden Rang. Bei den zivilisierten Menschen unserer Zeit kommt dem Wasser nur die Bedeutung eines Gebrauchsgegenstandes oder einer Erholungs- und Sportmöglichkeit zu. In der Summe ist das Wasser auf die nackte Formel H20 geschrumpft.

Erst in der letzten Zeit wird die Öffentlichkeit auf die Gefahren einer Wasserverunreinigung, Wasservergiftung und auf die Umweltzerstörung durch Wassermisshandlung aufmerksam gemacht. Zusätzlich gewinnt Wasser wieder an Bedeutung als Heilmittel zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten.

Ein Naturmensch kann wenig über die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Wassers und die tatsächlichen Wirkungen aussagen, ihm ist aber meistens ein tiefer Seelenblick gegeben. Er kann das Wasser in symbolischer Sprache und in mythologischer Logik beschreiben. Der naive Mensch hat noch keine Vorstellung über den Wasserkreislauf; bei ihm entscheidet die allgemeine Bedeutung des Wassers. Deswegen spielt der Quellenkult als polares Geschehen bei allen Völkern der Erde eine so große Rolle. So sind zum Beispiel Sintflutkatastrophen (Bibel, Gilgamesch) in allen alten Kulturen bekannt, und viele Götter (zum Beispiel die Göttin der Liebe, die Venus) sind aus Meerschaum entstanden. Die Polarität Leben – Tod ist offensichtlich.
Die Quellengottheiten (Nymphen, Wasserfrauen, Wassernixen) sowie fast alle Quellenbezeichnungen sind weiblich. Die Quelle im Schoß der Erde gebiert das Wasser. Darum, sind die Nymphen auch die Hochzeitsgöttinnen, mit vielen Liebesgeschichten begleitet, und wie die Erde selbst sind sie jederzeit zur Zeugung bereit.

Die chthonische oder polare Eigenschaft des Wassers wird schon bei den alten Völkern durch den Ursprung des Wasser ausgedrückt. Die Quelle, der See und das Meer sind zuweilen als Mutter, als Lebenspenderin eher ruhig, passiv, formgebenden; die Chinesen sagen Yin. Dieses Wasser wird Urwasser genannt. Die beweglichen Wasser des Flusswassers, des Meeressturmes, des heftigen Regens symbolisieren die Bewegung, die Aktivität, die Rastlosigkeit, eine Yang-Funktion mit Kraft, Dynamik, Schnelligkeit, brutaler Wucht usw. Diese männliche Kraft des bewegten fließenden Wassers ist notwendig als befruchtende Kraft. Mit dem befruchtenden Nilwasser soll die stets bereite Erde zu immer neuer Zeugung gebracht werden. Als männlich befruchtend gilt natürlich auch das Himmelswasser, der Regen.
Als Goldregen dringt Zeus in das unterirdische Gemach und befruchtet Danae. Aus der Umarmung des regenfeuchten Äthers und der Erde geht die ganze Schöpfung hervor. Ohne Wasser kann eben kein Geschöpf der Erde bestehen. Nach ägyptischer Lehre enthält das Urwasser „Nun“ alle männlichen und weiblichen Keime des Lebens. Wo immer fließendes Wasser mit dem Stoff in Berührung kommt, ihn männlich durchdringt, da belebt es die Wasser in Aqua viva – Lebensquelle. Ein Quickborn ist ein Lebensbrunnen. Dass als die Ureigentümlichkeit dieser Wurzel für Leben die Beweglichkeit angesehen wird, könnte man in Parallele zum Wasserkreislauf sehen.

Zu dieser Polarität des Wassers sagt Goethe in den Sprüchen „Gott, Gemüt und Welt“: „Da, wo das Wasser sich entzweit, wird zuerst lebendig befreit und wird das Wasser sich lebendig entfalten, sogleich wird sich lebendig gestalten. Da wälzen sich Tiere, sie trocknen zum Flor und Pflanzengezweige dringen hervor.“ In alten Anschauungen sehen wir die doppelte polare Wasserpotenz des stofflich-förmlichen weiblichen und des dynamisch-männlichen Prinzips.
Der weiblich-mütterliche Urstoff als Urgewässer steht in Polarität zu der dynamisierenden Kraft des Wassers in Bewegung (siehe Potenzierung, Anreicherung, Dynamisierung, Aktivierung des Wassers).

Die Bewegung des Wassers dauert immer nur eine gewisse Zeit; bald versickert es wieder, geht unter in die Erde oder kommt zur Ruhe im Meer, das alle Flüsse in sich aufnimmt. Es ist das Wesen der ganzen Schöpfung, dass sie sich in ewig gleichmäßigem Rhythmus hin- und herbewegt in Kreisläufen, wechselt von Ebbe und Flut, Tag und Nacht, dunkel und hell, tot und lebend. Das Altertum, das darin den Ursinn des Lebens erkannte, wurde nicht müde, diesen Doppelsinn in 1 000 Symbolen auszudrücken.
Alle Erd- und Fruchtbarkeitsgottheiten waren zugleich Todesgötter. Als Erdgeburt teilt das Wasser das Los der übrigen Natur.
Aus dem dunklen Mutterschoß kommt es an das Licht empor, um nach einem kurzen Viva activa wieder in ihm unterzugehen. Es trägt den Doppelsinn von Leben und Tod und erscheint so in doppelter Funktion als Lebens- und Totenwasser. Das sogenannte Lebenswasser, Aqua viva, Quickborn, Lebenselixier, ist die Lichtseite des Wassers. (Goethe: Faust: „Man sehnt sich nach den Lebensbächen, ach, nach den Lebensquellen hin“.) Auch beim christlichen Taufwasser wird häufig auf diese belebende Wirkung Bezug genommen, indem der Getaufte eben zu neuem Leben erwacht. Lebenswasser – neues Leben. Im Wasser sieht die Bibel bei der Taufe den Spender und den Träger des Geistes.

Den Doppelsinn von Leben und Tod zeigt am deutlichsten der Styx: die Totenbeziehung als Totenstrom mit Hades, mit Wasser, das tödlich für jedes Lebewesen ist, indem es sie zu Gips erstarren lässt. Die Nachtseite des Styx-Wassers zeigt sich ferner in seiner schwarzen Farbe. Die finstere Macht der Todesgöttin erstreckt sich nur auf die Nacht, während am Tag ihre hellere Lichtseite zur Geltung kommt, wie beispielsweise Styx – Bad des Achilles, das ihm Unsterblichkeit und Unverwundbarkeit verlieh als Lebenswasser.
Wieder eine Polarität von Tod und Leben in Symbolen der Mythologie. Hippokrates betrachtet jene Quellen am gesündesten, die gegen Sonnenaufgang fließen, also helles, heiles Wasser.
Die Polarität des Wassers in unseren Zeiten könnte man wie folgt zum Ausdruck bringen: Überschwemmung – Trockenheit; Ebbe – Flut; reines – verschmutztes Wasser; Eis – Wasserdampf; Wasser ohne pathologische Keime – Wasser mit pathologischen Keimen; Ödem – Exsikkose; Polyurie – Anurie; Hydrophobie – Hydromanie usw. Die polare Natur des Wassers kommt auch durch die Darstellung von zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom und als elektrischer Dipol (Plus- und Minus-Ladung) zum Ausdruck:

H+ H-
O2

Wir sind der Meinung, dass dieses Kapitel über die Symbolik des Wassers uns bei der weiteren Betrachtung der inneren Eigenschaften des Wassers, der Wasserstruktur und der polaren Wirkung des Wassers zum besseren Verständnis dient und wir das Wasser auch unter dem Gesichtspunkt seines „göttlichen“ Naturelementes verstehen werden, das uns nicht nur als Gebrauchsgegenstand zur Verfügung stehen soll. Wir sollen Wasser als jenes Element schätzen, aus dem sich unser Leben entwickelt hat und mit dem wir unsere Zukunft, Leben oder Sterben, bestimmen.

Laotse, ein älterer Zeitgenosse des Konfuzius (6. Jahrhundert v. Chr.), lehrte: „Das Tao, das enthüllt werden kann, ist nicht mehr das ewige Tao.“
Kurz vor seinem Tod schreibt er aber trotzdem die Essenz des Taoismus und der Dialektik von Yin und Yang im Buch „Tao te King“ nieder. Über Wasser schreibt er: „Das höchste Gut gleicht dem Wasser. Wasser kommt den zehntausend Dingen zugute und kämpft nicht; es fließt an Orten, die die Menschen vermeiden; so ist es nahe dem Weg ... Der Weg erzeugte eins, eins erzeugte zwei, zwei erzeugte drei, und drei erzeugte die zehntausend Dinge ... Nichts auf der Welt ist nachgiebiger und schwächer als Wasser. Doch gibt es nichts Besseres, um das Feste und Starke anzugreifen. In der Tat: es gibt nichts, das seinen Platz einnehmen könnte. Das Schwache kann das Starke besiegen, das Zarte kann das Steife bezwingen. Es gibt niemanden in der Welt, der das nicht weiß, doch niemand übt es aus.“

Wir versuchen, zu zeigen, dass dynamische Änderungen (Yang) der inneren Wasserstrukturen (Yin) eine maßgebliche Rolle auf das Verhalten des Wassers und seiner Wirkung im Sinne des Polaritätsgesetzes ausüben.
Könnte dies die Menschheit begreifen, so ließe sich vielleicht das Schicksal des Wassers und damit auch unser Leben positiv beeinflussen.

In der christlichen Symbolik bedeutet Wasser einerseits die elementare Erfahrung als bedrohende vernichtende Flut, andererseits die Quelle des Lebens und der fruchtbaren Fülle, als reinigend und heilend. In der Bibel wird öfters erwähnt: Er hat die Wasser geschaffen, ihnen ihre Grenzen gesetzt und damit die Chaosmächte überwunden – Im Wasser seiner Taufe als Träger und Spender des heiligen Geistes – Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser – So wird aus Wasser Blut werden – Wird ekeln, das Wasser zu trinken – Da hatte das Volk kein Wasser – Es ist böses Wasser – Das Haus entsündigen mit frischem Wasser – Der Herr wird euch in Ängsten Wasser geben – Sie werden zergehen wie das Wasser – Sollst den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen – Nahm Pilatus Wasser und wusch die Hände ...

Das intrazelluläre Wasser des Erythrozyten hat nach Trincher (1981) die Ordnungsstruktur eines Kristalls, ist aber zugleich auch flüssig, was die Formveränderbarkeit des Erythrozyten ermöglicht. Das intrazelluläre Wasser in kristallinem Zustand geht im Moment des Zelltodes in den Zustand des Extrazellulärwassers über. Das lebende Wasser (Biowasser) ist zu nicht lebendem Wasser übergegangen.

(Rechte by Spurbuchverlag, 96148 Bamberg)

Ein interessantes Buch von Ivan Engler ist das „Handbuch ionisierter Sauerstoff“ ISBN 978-3-88778-202-3.

„Dieses Werk gehört in die Hand jedes jungen Mediziners, Therapeuten, Forschers, der sich mit dem modernen Stand der Forschung und Entwicklung vertraut machen oder gar selbst zur weiteren Entfaltung beitragen möchte. Es ist eine Bibel der modernen Ganzheitsmedizin“ so der Verlag.

 

Weitere Informationen zum Thema Wasser finden Sie auch auf der Internetseite:

www.belebtes-wasser.de

 

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"Das Wasser Praxisbuch", Edition Sonneklar, ISBN 978-3-86982-009-5

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Ein Artikel aus dem Lichtstrahl-Magazin.