Leseprobe:

BALOU
Der kleine, tapfere Kater

von Sabine Runkel

Eine interessante Geschichte für die ganze Familie

ISBN 978-3-930403-35-6


9. KAPITEL

BESUCH

Das Leben war herrlich und ich nahm mir für heute Nacht vor, endlich meine Geschwister zu besuchen. Was mir noch einfiel war, dass ich doch vor langer Zeit Hektor versprochen hatte etwas Gras mitzubringen. Die werden mich wohl alle vermissen, dachte ich mir. Ich war ja nun schon sehr lange nicht mehr bei ihnen.
Es war fast Mitternacht. Herrchen und Frauchen saßen noch im Garten, tranken ihren Cappuccino und schauten in den Himmel, um die Sterne zu beobachten. Ich verabschiedete mich mit einem kurzen Mau und ging auf Tour.
„Pass schön auf dich auf, Balou.“ Das war immer das, was mir mein Frauchen hinterher rief, wenn ich los ging.
Diese Nacht war herrlich. Ich streifte erst etwas umher und hatte Spaß daran, kleine Motten zu fangen, dem Zirpen der Grillen zuzuhören und alles, was irgendwie interessant für mich war, zu erkunden. Auf einer schönen Wiese mit sattem, saftigem Gras zupfte ich einige Halme ab, um diese Hektor mitzubringen. Anschließend musste ich ein weiteres Stück laufen, überquerte dabei ganz vorsichtig die schwarze Straße und stand plötzlich vor dem großen Tor des Hofes. Soll ich wirklich da hinein gehen? Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl im Bauch, wieder hier zu sein. Ach egal, versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.
Ich schlupfte durch einen kleinen Spalt des Tores und ging auf Hektor zu, der wie eh und je schon, mit einer Kette um den Hals im Hof lag. Ich begrüßte ihn mit einem Mau ... Mau ... Mau ... und er erschrak sich so, dass er nach vorne stürzte und mich Grrrrrwau, anknurrte.
Ach, du bist es, kleiner Kater. Wir dachten schon alle, du lebst nicht mehr. Was hast du da dabei? Das ist das versprochene Gras für dich Hektor! Ich habe es nicht vergessen und ich bin extra deswegen hier, um dir das zu bringen ... Tu mir bitte nichts, ich lege es vor dich hin ja?
Er freute sich so sehr, dass ich ihn nicht vergessen hatte und schnupperte aufgeregt an dem frischen grünen Gras. Beim Einatmen zog es die Halme immer in seine Nase mit hinein bis er niesen musste. Danke Kater, danke! Sind Fritzi und Maunzi auch da Hektor? Ja, die beiden sind in der Scheune, aber es wird schon langsam hell und der Bauer kommt bestimmt gleich. Willst du dich nicht lieber wieder verdrücken? Ach nö, ich möchte doch erst meine beiden Geschwister noch begrüßen.
Hallo ... Halli ... Hallo ... wo seid ihr denn? Fritzi, Maunzi, seid ihr da? DAS gibt es doch nicht, der Miou ist da! Miou, Miou, Miou wo warst du denn soooo lange, wir dachten du bist tot? Oh Miou! Sie kamen beide auf mich zu gestürzt und schmiegten sich ganz fest an mich dran. Ich war ganz gerührt, endlich meine Geschwister wieder zu sehen. Wir verharrten einen Moment so und waren glücklich, wieder vereint zu sein. Doch plötzlich hörten wir ein lautes Rumpeln und der Bauer öffnete das Scheunentor. Als er mich sah, schloss er das Tor sofort und stopfte unseren Eingang mit einem leeren Sack zu. Was soll das nun werden? Maunzi meinte, dass er bestimmt nicht will, dass Miou wieder fort geht. Ohh je, ich bin gefangen! Habt ihr noch einen Ausgang gebaut, fragte ich Fritzi gleich, aber dieser schüttelte nur traurig den Kopf und verneinte dies zugleich. Nun gut, da wird sich schon eine Lösung finden, aber jetzt erzähle ich euch erst einmal das, was mir alles passiert ist und was ich alles erlebt hatte.
Ich plapperte gleich los und berichtete, dass ich nun nicht mehr Miou heiße, sondern “Balou“ und dass ich in einer netten “Familie“ mit einem “Herrchen“, einem “Frauchen“ und mit zwei Hunden, “Bruno und Jack“, zusammen leben würde.
Ganz ungläubig starrten sie mich an und hörten gebannt auf meine Worte, als ich ihnen alles ganz genau erklärte.
Die Zeit verging wie im Fluge und nachdem ich mich auch erkundigt hatte, wie es den beiden in dieser Zeit erging, wollte ich wieder nach “Hause“ gehen. Fritzi und Maunzi halfen den Sack, der unser Ausgangsloch verstopfte, wegzuzerren.
Wir waren total erschöpft und wollten schon aufgeben, als wir bemerkten, dass der Sack sich lockerte. Mit vereinten Kräften und einem festen Ruck rissen wir nochmals ganz fest daran und wir waren wieder frei.
So Balou, jetzt hau ganz schnell ab zu deiner Familie und komm NIE wieder her! Ich habe euch sehr lieb ... rief ich ihnen noch hinterher und rannte so schnell ich konnte nach Hause.
Von weitem hörte ich schon die verzweifelten Rufe von Herrchen und Frauchen. Oh, was müssen die sich für Sorgen um mich gemacht haben ... ich komme ... ich komme ... Frauchen ... ich komme! Ich rannte wie ein Blitz zu meinen Lieben. Herrchen, Frauchen, ich bin da! Mau ... Mau ... Mau ...
„Mein Gott Balou! Du bist da!“ Sie kamen beide eilig auf mich zu, und dieses mal hatte nicht nur mein Frauchen, sondern auch mein Herrchen viele Wassertropfen in den Augen, die langsam an ihren Wangen herunter liefen und auf mich tropften! Ich genoss es, von beiden gedrückt und liebkost zu werden und revanchierte mich mit schnurren ... schnurrr ... rrr ... rrrrrr ... rrr ... rrrrrr ... rrr ...

ISBN 3-930403-35-8 (alt)
ISBN 978-3-930403-35-6

Sabine Runkel

zum Anfang

Büchermarkt