... Das höhere Erwachsenenalter oder
Alter ist nach den Erkenntnissen der letzten beiden Jahrzehnte,
die auf den Gebieten der psychologischen Gerontologie (Altersforschung)
erzielt worden sind, mit Sicherheit nicht eine Lebensphase
der Stagnation.
Neben individuell unterschiedlichen körperlichen Abbauprozessen,
kann man nicht grundsätzlich auch von Einbußen geistiger
Fähigkeit nur auf Grund des Älterwerdens ausgehen,
im Gegenteil.
Bereits Carl Gustav Jung hatte die Persönlichkeitsentwicklung,
die auch in diesem Lebensabschnitt fortschreitet, als einen
Prozeß der Selbstverwirklichung, Selbstidentifikation
und Selbstwerdung bezeichnet.
In dem Ausspruch von Wilhelm von Humboldt ‘Jedes Schicksal
ist nur Stoff, an dem ich meine Seele übe‘, wird
die Auffassung von Entwicklung als Selbstgestaltung besonders
deutlich. „Nicht das fortschreitende Alter, sondern beispielsweise
durch den Austritt aus dem Berufsleben“ sieht Steinbach
(1971) „die Gefahr einer Reduzierung der körperlichen
Leistung und Aktivitäten, die zu einer Reduzierung sozialer
und intellektueller Aktivitäten (durch das Ausbleiben
beruflicher Anforderungen) noch hinkommt, gefährdet.“ 3/340
„Die Folge ist Inaktivitätsatrophie auf allen diesen
Gebieten, die eigentlich über das hinausgeht, was altersmäßig
und biologisch nötig wäre.“ 3/340
Steinbach weist zusätzlich auch noch darauf hin, daß manche
Maßnahmen der Altershilfe diese Inaktivitäten auf
dem körperlichen, intellektuellen und sozialen Sektor
fördern z. B. „wenn wir Reservate für
die Alten bauen, wenn wir nur Altenheime schaffen, die aus
Zimmern bestehen, in denen Menschen leben können und essen
dürfen.“ 3/340
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