Die „Sternenbrücke“
Kinderhospiz Hamburg-Rissen
auf das Kinderhospiz Sternenbrücke in Hamburg aufmerksam, als mich eine faszinierende Dokumentation über deren Dienste in ihren Bann zog.
So ergriffen bin ich von der Herzlichkeit und der Gelassenheit der Menschen, die hier mit einer Art und Weise, die ich nie kennen gelernt habe, sicher und ohne Berührungsängste der schwierigsten Aufgabe von allen begegnen, und damit umgehen.
Es war ein ergreifender Film, aber besonders beeindruckte mich Ute Nerge (Leiterin des Kinderhospizes), die von einem Gespräch mit einem todkranken Mädchen erzählte.
Dieses erklärte, warum man keine Angst vor dem Tod haben müsste. Sie war fest davon überzeugt, dass es im Himmel wunderschön ist.
Auf die Frage, warum sie denn meint und woher sie das weiß, antwortete sie.
Ja, was glaubst du?
Ich weiß es nicht, kam es zurück. Es ist ja noch nie jemand zurückgekommen und hat erzählt, dass es da so schön ist.
Na, das ist doch ganz klar. Weil es im Himmel so schön ist, deswegen kommt niemand zurück. Wenn einer zurückkäme und sagen würde, wie schön es da ist, wollten ja alle dahin.
Was meinst du, was da los wäre?
Auch der Garten, der neben dem Hospiz entstanden ist, hat meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit.
Es ist der Garten der Erinnerung. Mittendrin ein Engel aus Stein gemeißelt.
** Ein Zeichen dafür, dass nach dem Tod nicht alles endet und dass die Kinder beschützt sind, wenn es soweit ist.
Wenn Kinder fragen ...
„Wie ist das eigentlich, wenn ich sterbe?“
Dann ist der Gedanke an einen Engel ganz nah.
Es macht es den Kindern leichter, wenn sie an Engel glauben und sie sagen können: Er hilft mir.
Kinder denken so:
** Wenn ich in den Himmel komme, kann ich dort alles wieder, was ich auf der Erde nicht mehr konnte.
Und dieser Engel wird mich dorthin bringen, wo ich alles wieder kann.
Da trifft man auch alle wieder, die man lieb hat.
* Für die verstorbenen Kinder werden dort Laternen mit Namen aufgestellt. Es soll ein Ort des Trostes sein. Vor allem für die Eltern.
Ich bin zu Tränen gerührt.
Dort ist es so schön und doch so unendlich traurig.
Und spätestens jetzt weiß ich, dass wir dorthin gehen werden.
... wenn es soweit ist!
Aber hierher kommen die Kinder nicht ausschließlich in der Lebensendphase, um Abschied zu nehmen von der irdischen Welt.
Vielmehr ist dies auch ein Ort, an dem sich hervorragend geschultes Personal mit viel Zeit und Liebe um die erkrankten Kinder kümmert, während die Eltern sich hier ohne Reue die Zeit nehmen dürfen, die Auszeit, die sie im normalen Alltag nie haben, um auch mal an sich zu denken und um die Ressourcen aufzufüllen. Sich die Zeit nehmen, für sich selber, um sich den Dingen des Lebens zu widmen, die einfach verloren gehen, wenn man sein Leben völlig auf die Bedürfnisse des Kindes ausrichtet.
Hier steht an erster Stelle die Harmonie und die Lebensqualität der Kinder und deren Familien.
Oktober 2007
Als sich für uns das Tor zum Kinderhospiz Hamburg das erste Mal öffnet, umgibt uns sofort ein Mantel der Ruhe. Wir haben das Glück, eine Woche in der „Sternenbrücke“ verbringen zu dürfen.
Eine Phase des Kennenlernens, der Vorbereitung, vielleicht auf ein Leben ohne mein Kind, diesmal aber vorrangig der Entlastung wegen.
Die Harmonie der Anlage strahlt augenblicklich auf mich ab, und ich fühle mich sicher, trotz innerer Anspannung recht ausgeglichen. Fern ab der Hektik, weit weg vom Alltag, scheint es, als sei hier eine andere Welt.
Zeit bekommt eine neue Dimension.
Alle wissen, warum wir hier sind. Keiner muss Fragen stellen.
* Aber es ist auch ein Ort des Abschieds. Wenn das Kind die Kraft zum Leben verliert und über den Regenbogen geht, dann werden, wenn die Eltern es möchten, die Fenster geöffnet, damit die Seele zum Himmel fliegen kann.
Am Eingang des Hauses wird eine Kerze angezündet. Ein „Zeichen“ für jeden, der das Haus betritt.
Im Gespräch mit einer Schwester fragte ich, wie der letzte gemeinsame Weg denn aussehen könnte ...